Zillertal, Juni - Oktober 2012, Ausgrabungsprotokoll 22

Zillertal, Juni – Oktober 2012, Ausgrabungsprotokoll 22

In der zweiten Augusthälfte erschwerten die regelmässig im Alpenraum auftretenden sommerlichen Schlechtwetterperioden die Grabungsarbeiten ungemein. Der diese Wetterlage begleitende, hohe Pegelstand des Zillers bewirkte einhergehend mit den starken Regenfällen einen kurzzeitigen Anstieg des Grundwasserstandes, sodass die Grabungsbereiche entlang der beiden Furtstellen in den Uferbereichen unter Wasser standen und auch die Sondierungsgräben entlang des ursprünglichen Flussbettes zusätzlich abgepölzt und immer wieder unter Hilfestellung der örtlichen Freiwilligen Feuerwehren ausgepumpt werden mussten.

Diese Sicherungsarbeiten, die auch eine entsprechende Betreuung der Lagerbereiche umfasste – so wurde etwa der Besucherparkplatz im Lager Imming aufgeschottert und musste dafür erst entsprechend der Vereinbarung mit dem bäuerlichen Besitzer zuvor von der Humusschicht befreit werden – beanspruchten das gesamte Expeditionsteam einschliesslich der eingeborenen Hilfskräfte. Neben den täglichen Kartographierungs- und Dokumentationstätigkeiten, sowie der Betreuung der nach wie vor zahlreichen Besuchergruppen (eine Führung durch das Grabungsgelände wurde dabei explizit den Touristen als Schlechtwetterprogramm seitens der Tourismusverbände angeboten) und der Wartung der Trocken- und Sickersiebanlage konnten daher in dieser Zeitspanne keine nennenswerten Grabungsfortschritte erzielt werden.

Im Wesentlichen galten zu diesem Zeitpunkt die Grabungen am ADHP Imming, der die gesamte Hügelkuppe und den östlichen Furtbereich umfasste, als abgeschlossen. Es fehlten nur mehr einige Feinarbeiten im Bereich des Vorplatzes der drei Gebäudeüberreste und eine detaillierte Untersuchung des Umgebungsraumes der Fundstelle des Triptychons, wobei hier bereits entlang des natürlichen Verlaufes der Sedimentablagerung eindeutig negative Fundergebnisse vorlagen.

Mit einsetzender Wetterbesserung am Monatsende erfolgten dann die Aufnahme der restlichen geplanten Grabungsarbeiten, sowie die ausstehenden Abschlussarbeiten an den bisherigen Fundbereichen. Dazu wurden am nördlichen Abhang der Hügelkuppe, dem ursprünglichen Verlauf des Uferbereiches des Zillers folgend, drei Sondierungsgräben im Parallelverschiebungsverfahren angelegt. Der durch die anhaltenden Regenfälle stark durchnässte Boden erforderte dabei nach wie vor eine durchgehende Abpölzung und teilweise händische Trockenlegung, da einerseits das Sickerwasser ständig zu Kantenabbrüchen und Einschüttungen der Gräben führte und andererseits die Sohle der Gräben sich nach und nach mit Wasser füllte, welches mit Eimern und Handpumpen in den Ziller verbracht wurde. Mit zunehmender Normalisierung des Wasserstandes des Zillers konnten in weiterer Folge diese Grabungen trockenen Fusses durchgeführt werden.

humanoider fund, zillertal 2012, dr. arkadasch, arteologieAm 11. September 2012 stiess das Grabungsteam um Dr. Arkadasch Dag auf einen unversehrten humanoiden Fund. Es handelt sich dabei um die Grabstätte eines Kleinkindes, welches im Übergangsbereich der Hügelkuppe zum Uferbereich des ursprünglichen Flussbettes angelegt wurde. Die Grabstätte selbst besteht aus einer trockengemauerten Einfassung, die in ihrem Inneren zur Gänze mit feinkörnigem Basaltsand aufgefüllt ist und das mumifizierte Kleinkind vollständig umgibt. Trotz der fehlenden Abdeckung dieser Grabstätte, wobei hier die darüberliegende Schicht aus Lehmerden einen natürlichen und dauerhaften Schutz vor Feuchtigkeit bildete – wobei hier noch nicht abschliessend feststellbar ist, inwieweit diese Lehmerdenschicht beabsichtigt angebracht wurde, oder aber im Verlauf der Zeit eine Folge natürlichen Ursprungs ist, da sich auch im direkten Umfeld immer wieder derartige Lehmerdeneinlagerungen befinden – weist die Mumifizierung lediglich kleinere Beeinträchtigungen durch Feuchtigkeit auf. Der Schutz vor eindringender Nässe aus dem Umfeld oder durch die terrestrische kapillare Sogbildung zum Grundwasser hin, wurde durch den Basaltsand verhindert, der infolge seiner mineralischen Zusammensetzung besondere hydrophobe Eigenschaften besitzt.

humanoider fund, bild 2, zillertal 2012, dr. arkadasch, arteologieDieser Basaltsand wurde aus der Gegend des heutigen Neapels (Italien) eingeführt und entstammt dem vulkanischen Massiv des Vesuvs. Die Carbondatierung belegt seine Herkunft aus einem Ausbruch im Vorarteologischen Zeitalter und entspricht in seiner Anwendung systematisch den voretruskischen Konservierungstechniken der Haltbarmachung von Lebensmitteln in sogenannten „Speisegruben“, wie sie über ganz Europa bis ins auslaufende 20. Jahrhundert in ländlichen Gebieten teilweise noch angewandt wurden.