Zillertal, Juni - Oktober 2012, Ausgrabungsprotokoll 22/4

Zillertal, Juni – Oktober 2012, Ausgrabungsprotokoll 22/4

Die Anthropologin Dr. Marga Sudanavesi wurde schon am Morgen des 12. September fernmündlich von Dr. Arkadasch Dag über diesen humanoiden Fund verständigt. Sie sagte ihr sofortiges Kommen für den 13. September 2012 per Flugreise zu und wurde vom Expeditionsfotografen Herwig Angerer am Flughafen München abgeholt, und erhielt noch während der Anfahrt von Herrn Angerer eine Kurzusammenfassung der genaueren Fundumstände sowie der bisherigen, noch unverifizierten Erstanalysen. Am 14. September traf zudem eine dreiköpfige Forschergruppe um Dr. Norbert Inseni des Pathologischen Instituts der Universität Innsbruck im Lager Imming ein, um zusammen mit Dr. Sudanavesi und dem Leitungsteam der Ausgrabung eine eingehende und weitgreifende Untersuchung der Kleinkindmumie durchzuführen, noch ehe Mag. Peter Stolz die Fundung im Polyglacialisierungsverfahren ihrer dauerhaften Konservierung zuführen sollte. Die daraus abgeleiteten Ergebnisse und Forschungsberichte wurden teilweise im Scientific Journal (Nr. 7, 2012) publiziert, bzw. beim Arteologischen Symposion in Odessa (10. – 12. Dezember 2012) dem interessierten Fachpublikum vorgestellt, wobei hier abermals in aller Deutlichkeit die Vorteile einer Konservierung im Polyglacialisierungsverfahren deutlich wurden, da sämtliche Anfragen nach Untersuchungsmaterial anhand der dadurch gewährleisteten Schnittpartizipierungen noch während des Symposions positiv beantwortet werden konnten.

humanoide_fundprotokollzeichnung_1, zillertal 2012, dr. arkadasch, arteologieDie morphologische Untersuchung durch Dr. Marga Sudanavesi belegte rasch, dass es sich beim vorgefundenen Kleinkind um die Mumie eines weiblichen Säuglings handelt, der eines natürlichen Todes ohne Fremdeinwirkung verstorben ist. Die „Zilli“, wie Dr. Marga Sudanavesi an die mittlerweile übliche, populärwissenschaftliche Namensgebung anschloss, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit am SIDS, sudden infant death syndrom verstorben, da es ansonsten keinerlei medizinische Hinweise auf organisch bedingte Schädigungen oder Krankheiten gibt. Dieser Befund wurde auch von Dr. Norbert Inseni und seinem Team bestätigt.

In ihrer äußeren Erscheinung zeigt sich die Zilli als wohlgenährter Säugling, der keinerlei Symptome einer Unterernährung und/oder Dehydrierung aufweist, vielmehr altersgemäss in seiner Entwicklung ausgeprägt ist. Lediglich die krampfartig geballten Finger beider Hände, sowie die Haltung der Zehen weisen auf Anomalien in den Abschlussphasen der Lebenszeit hin, sowie die offene Mundstellung, die auf gravierende Dysfunktionen der Atmung schliessen lässt. Die vergleichsweise entspannte Haltung des Körpers insgesamt dürfte post mortem, im Zuge der Mumifizierung vorgenommen worden sein. Die Altersbestimmung des Säuglings bewegt sich zwischen minimal drei und maximal sieben Monaten.

Die Körperlänge des mumifizierten Mädchens beträgt 428,60 mm, wobei hier von einer durch das Mumifizierungsverfahren bedingten Einschrumpfung der Gesamtkörpergrösse von bis zu sechs Prozent auszugehen ist. Das Verhältnis zwischen Kopflänge (110,30 mm) und Körperlänge entspricht den altersbedingten Normwerten. Die beidseitig geballte Faust misst rechts im geschlossenen Zustand 29,90 mm und links 31,25 mm. Die Unterarmlänge beträgt, einschliesslich der geballten Faust 72,92 mm und der Oberarm misst bis zur Schulter 78,10 mm.

Der in linnene Streifen gewickelte Torso, wobei hier auch die beiden Oberarme bis zur Mitte mit einbandagiert wurden, misst bis zur Abwicklungsschicht im Schrittbereich 180,00 mm. Die Breite der Hüfte – gemessen mit der Einbandagierung – beträgt 126,05 mm.

Das linke Bein weist eine leichte Abwicklung auf, während das rechte Bein in seiner Haltung einer normalen Ruhestellung entspricht. Gemessen von der Fersensohle beträgt die Länge der Unterschenkel 73,80 mm und der Oberschenkel vom Knie bis zum Hüftgelenk ca. 71,00 mm. Der unbandagierte Teil der Oberschenkel misst rechts maximal 44,10 mm und links 43,75 mm.

Der rechte Arm ist nahezu im rechten Winkel von der Schulter aus abgespreizt, wobei der Unterarm wiederum in nahezu rechtem Winkel nach unten zeigt. Der linke Arm hingegen weist eine normale Ruheposition aus.