Zillertal, Juni - Oktober 2012, Ausgrabungsprotokoll 23

Zillertal, Juni – Oktober 2012, Ausgrabungsprotokoll 23

Mit dem Eintreffen von Dr. Marga Sudanavesi am 13. September und der Ankunft am darauffolgenden Tag der dreiköpfigen Forschergruppe um Dr. Norbert Inseni vom Pathologischen Institut der Universität Innsbruck, konnte auf Dauer die Entdeckung des humanoiden Fundes nicht länger der Öffentlichkeit vorenthalten werden. Wie rasch sich dabei unter den eingeborenen Hilfskräften sich teilweise widersprechende und in ihrer Obskurität kaum mehr zu überbietende Gerüchte verbreiteten, zeigte sich in mehreren Anrufen von Bürgermeistern aus der Umgebung und von Mitarbeitern der lokalen, dörflichen Printmedien: hier war von Fundungen ganzer Schatzkammern, gefüllt mit Gold und Geschmeide, oder Grabstätten von Herrschern und Edelleuten mit reichen Grabbeigaben die Rede, sodass es unumgänglich wurde – auch im Hinblick auf eine zunehmende Renitenz der eingeborenen Hilfskräfte – mit fundierten Fakten und entsprechendem Bildmaterial an die Öffentlichkeit zu treten.

Am Arbeitsbeginn des 16. September berief Dr. Arkadasch Dag für 09:00 Uhr eine allgemeine Betriebsversammlung ein, bei der versucht wurde, den eingeborenen Hilfskräften ihren wesentlichen Grabungsbeitrag bei der Auffindung eines mumifizierten Kleinkindkörpers insoferne zu verdeutlichen, als ohne ihren Einsatz diese Fundung nicht hätte durchgeführt werden können. Um dabei dem Niveau und dem Sprachduktus der eingeborenen Hilfskräfte zu entsprechen, betitelte Dr. Arkadasch den humanoiden Fund als „Zilli“ und gab gleichzeitig bekannt, dass es sich bei dieser Kleinkindmumie um den Körper eines Mädchens zwischen drei bis maximal sieben Monaten Lebensalter handelt. Eingedenk der Hautfarbe des Mädchens entschloss sich das Expeditionsteam einstimmig, zu diesem Zeitpunkt noch keinerlei Bildmaterial zu präsentieren und begründete diese Vorgangsweise mit der zuerst notwendigen Präparierung und Konservierung um Schädigungen durch Licht, sowie weitere externe Beeinflussungen wie Temperaturschwankungen, Luftfeuchtigkeit und bakterielle Verunreinigungen möglichst ausschliessen zu können. Auch wenn diese Vorgangsweise nicht auf die restlose ungeteilte Zustimmung der eingeborenen Hilfskräfte stiess, so gelang es dennoch vorab den kursierenden Gerüchten den erforderlichen Einhalt zu gebieten. Mit ausschlaggebend dabei war die Ankündigung, dass am 20. September eine offizielle Pressekonferenz angesetzt sei, bei der sämtlichen Grabungsmitarbeitern, den administrativen Verantwortlichen der Umlandgemeinden, sowie den Behörden- und Medienvertretern nicht nur die ersten Analysen und Untersuchungsergebnisse, sondern auch entsprechendes Bildmaterial zur Verfügung gestellt werden würde.

Gleichwohl erschienen mehrere Print- und Rundfunkjournalisten (unter anderem vom ORF, Österreichischer Rundfunk, von deutschen Fernsehstationen und von der RAI, dem italienischen Fernsehen), die bereits vorab Beiträge und Berichte verfassten und trotz Untersagung seitens der Expeditionsleitung Interviews mit verschiedenen Hilfskräften durchführten. Um einer medialen Eskalation vorzubeugen wurden die entsprechenden eingeborenen Hilfskräfte jedoch lediglich abgemahnt und nicht – wie im Arbeitsvertrag vorgesehen – fristlos gekündigt. Diese nicht von der Expeditionsleitung autorisierte Berichterstattung führte dazu, dass einerseits eine geordnete Weiterführung der Grabungsarbeiten bis zum 20. September nicht mehr möglich war – immer wieder mussten Fotografen und Filmteams angewiesen werden, die entsprechenden Absperrungen und Sicherheitszäune zu beachten, bzw. am Betreten der wissenschaftlichen Untersuchungseinrichtungen gehindert werden – und andererseits trafen bereits am Abend des 19. September mehrere Übertragungswagen unterschiedlicher Rundfunkstationen am Gelände in Imming ein, um teilweise live von der um 10:00 Uhr angesetzten Pressekonferenz am 20. September zu berichten.

polyglacialisierung nach mag. stolz, zillertal 2012, dr. arkadasch, arteologieAus diesem Grund entschloss sich die Expeditionsleitung umgehend Mag. Peter Stolz mit der Polyglacialisierung des humanoiden Fundes zu beauftragen, um dergestalt zum einen den humanoiden Fund entsprechend zu konservieren und zu schützen und zum anderen die Grundlagen für weitere wissenschaftliche Untersuchungen dauerhaft zu gewährleisten.