Stubaital, Juli – Oktober 1985, Ausgrabungsprotokoll 8

Stubaital, Juli – Oktober 1985, Ausgrabungsprotokoll 8

Jede Erstbesicherung von arteologischen oder auch archäologischen Funden folgt dem Grundsatz: Vermeidung von zusätzlichen weiteren Beschädigungen durch Umwelt und/oder mechanische Einflüsse vor Schadenssicherung infolge von nicht hundertprozentig einwandfrei durchführbarer Bergung.

Dies bedingt zu allererst eine rasche und möglichst qualitative Entscheidung vor Ort unter Miteinbeziehung sämtlicher infrastruktureller Möglichkeiten unter Berücksichtigung aller vorhandenen Daten und Fakten (in metrologischer, klimatischer als auch administrativer und lokalpolitische Hinsicht) sowie eine umgehende Umsetzung der beschlossenen Massnahmen.

Derartige „Noteinsätze“ sind generell heikel und bedingen von allen Beteiligten ein höchstes Mass an Kompetenz und Verantwortlichkeit, da Fehler – welche unter solcherartigen situativen Bedingungen immer wieder unvermeidbar sind – weder korrigiert noch ungeschehen gemacht werden können: die „Internationalen Richtlinien für Archäologische Bergungen (IRAB)“ aus dem Jahr 1967 gelten dabei selbstverständlich auch und besonders für arteologische Sofortbergungen und bieten dergestalt jene normative Struktur, welche durch die begleitende Dokumentation (in picturaler und geschriebener Form) eine faktengenaue Aufarbeitung sämtlicher Bergungsschritte auch im Nachhinein ermöglicht und so eine wissenschaftlich fundierte Aufarbeitung der Fundsituation manifestiert, in welcher jene Fehlerquellen ausgeschlossen werden können, die durch die provisorischen Massnahmen einer Sofort- bzw. Notbergung der Fundstücke bedingt wurden.

erstsicherung, stubaital, 1985, dr. arkadasch, arteologieAm 9. Juli 1985 erreichten Dr. Arkadasch und zwei Studierende der Arteologie per Flugzeug aus Istanbul kommend, die nordtirolerische Landeshauptstadt Innsbruck. Unverzüglich wurde Kontakt mit Dr. Armin Lengauer (dem einheimischen Expeditionsarzt der Ausgrabungen „Inntal“ und „Wipptal“) aufgenommen, um bereits für den Folgetag die ersten Massnahmen vor Ort im Stubaital umzusetzen. Dank der optischen Erstdiagnostizierung, welche mit hoher Wahrscheinlichkeit die arteologische Bedeutung der Funde belegte, und den organisatorischen Vorbereitung in der Innsbrucker Arteologischen Zentralstelle wurde nach dem gemeinsamen Briefing mit den lokal verantwortlichen Stellen und der Strassenbaufirma vor Ort eine Erstsicherung und Erstbergung der durch die Trassierungsarbeiten ans Tageslicht getretenen Fundstücke vorgenommen. Die parallel dazu vorgenommene Kartierung und Planskizzierung der Fundstelle stellt eine wesentliche Voraussetzung für eine nachfolgende Verifizierung der Erstmassnahmen vor Ort dar.

Dabei müssen sich diese Erstmassnahmen generell nach den vorhandenen Möglichkeiten an der jeweiligen Fundstelle richten und können somit nicht erschöpfend in den IRAB aufgezählt werden. Umso wichtiger ist deshalb die lückenlose Dokumentation aller einschlägigen Arbeiten und Massnahmen um so den theoretisch-wissenschaftlichen Diskurs in der arteologischen Aufarbeitung der Fundstücke und der begleitenden Fundsituation positiv begleiten zu können.

Folgende Erstmassnahmen wurden an der Grabungsstelle „Stubaital“ umgesetzt:

1.    Vermessung und Planskizzierung

2.    Arteologische Bergung der keramoiden Fundstücke, welche offen an der aufgerissenen Bodensode entdeckt wurden.

3.    Schutz vor weiteren metrologischen Beeinflussungen durch Niederschläge und/oder starker Sonneneinstrahlung der betroffenen Fundstellen.

4.    Festlegung der Sondierungsgrabungen

5.    Begleitende Oberflächenanalyse der gesamten Grabungsstelle unter Miteinbeziehung des direkten Umlandes zur Festlegung eventueller ADHPs.

Sämtliche diesbezügliche Daten und Befunde sind dem „Massnahmenprotokoll „Stubaital“, Juli 1985“ zu entnehmen.