{"id":1063,"date":"2015-07-20T22:40:43","date_gmt":"2015-07-20T20:40:43","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1063"},"modified":"2016-01-05T21:25:40","modified_gmt":"2016-01-05T19:25:40","slug":"kitzbuhel-juli-oktober-2003-ausgrabungsprotokoll-132","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1063","title":{"rendered":"Kitzb\u00fchel, Juli &#8211; Oktober 2003, Ausgrabungsprotokoll 13\/2"},"content":{"rendered":"<p>Die <em>Polyglacialisierung nach Mag. Peter Stolz<\/em> beruht im Wesentlichen in einer gezielten Weiterentwicklung von <em>Polymethylmethacrylaten<\/em>, die in Hinsicht auf die Erhaltung und Bewahrung von organischen Materialien sukzessive von <em>Mag<\/em>. <em>Peter<\/em> <em>Stolz<\/em> und seinem Team auf die unterschiedlichen Erfordernisse der Arteologie und Arch\u00e4ologie schrittweise optimiert wurde. Mittlerweile werden selbst von Forensikern in Kriminallabors weltweit diverse <em>Polyglacialisierungen<\/em> f\u00fcr den dauerhaften Erhalt von organischen Beweismaterialien eingesetzt. Insbesondere die unproblematische Lagerung und permanente Behandelbarkeit der eingegossenen Materialien erweist sich als immenser Vorteil: weder UV-armes Kunstlicht, noch nat\u00fcrliches Tageslicht in Laboratorien kann dabei die ausgeh\u00e4rtete Gussmasse in Mitleidenschaft ziehen, vielmehr k\u00f6nnen derartig vergossene Objekte einer permanenten Zurschaustellung \u00fcbereignet werden, ohne irgendeine Art von Dauersch\u00e4digung durch Lichteinfall (ausser UV-Licht!) bef\u00fcrchten zu m\u00fcssen. Die <em>Polyglacialisierung<\/em> na<em>c<\/em>h <em>Mag<\/em>. <em>Peter<\/em> <em>Stolz<\/em> eignet sich somit sowohl f\u00fcr den musealen und darstellerischen Bereich einer Objektpr\u00e4sentation \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum, als auch f\u00fcr die wissenschaftliche Arbeit und wissenschaftliche Archivierung, da durch diese <em>Polyglacialisierung<\/em> eine optimale Bewahrung und Erhaltung jedweder organischer Fundst\u00fccke auf h\u00f6chstem Niveau garantiert ist.<a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/DSC04575.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1240\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/DSC04575-150x150.jpg\" alt=\"polyglacialisierung\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das der <em>Polyglacialisierung nach Mag. Peter Stolz<\/em> zugrunde liegende Material ist im Wesentlichen ein <em>Polymethylmethacrylat<\/em> (Kurzzeichen: <em>PMMA<\/em>), ein synthetischer, transparenter und thermoplastischer Kunststoff. Die Herstellung erfolgt \u00fcberwiegend radikalisch durch eine Emulsions-, L\u00f6sungs- und Substanzpolymerisation, wobei auch Methoden der lebenden Polymerisation bedarfsorientiert zum Einsatz gelangen. <em>PMMA<\/em> das auf diese Weise produziert wird ist ataktisch und vollkommen amorph. Zudem ist eine anionische Polymerisation von <em>PMMA<\/em> m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Folgender schematischer Ablauf beschreibt das Verfahren der Synthetisierung durch radikalische Polymerisation (unter der Annahme einer Standardpolyglacialisierung wird hier Dibenzoylperoxis als Reaktionspartner des Methacryls\u00e4uremethylesters verwendet):<\/p>\n<ol>\n<li>Radikalbildung:<\/li>\n<\/ol>\n<p>Organische Peroxide eignen sich gut als Radikal-Bilder, da diese bei geringer W\u00e4rmezufuhr homolytisch zerfallen. Dazu wird zun\u00e4chst Dibenzoylperoxid gespalten, bevor sich von den entstehenden Radikalen Kohlenstoffdioxid (CO2) abtrennt. Es folgt der<\/p>\n<ol>\n<li>Kettenstart:<\/li>\n<\/ol>\n<p>Das entstandene Radikal reagiert mit dem Methacryls\u00e4uremethylester (<em>MMA<\/em>) zu einem neuen, gr\u00f6sseren Radikal.<\/p>\n<ol>\n<li>Kettenwachstum:<\/li>\n<\/ol>\n<p>Das entstandene, gr\u00f6ssere Radikal reagiert erneut mit dem Methacryls\u00e4uremethylester \u2013 wobei diese Reaktion sich laufend fortsetzt, so dass immer gr\u00f6ssere Radikale entstehen.<\/p>\n<ol>\n<li>Kettenabbruch:<\/li>\n<\/ol>\n<p>Auf zwei unterschiedliche Arten kann das Kettenwachstum abgebrochen werden: Erstens k\u00f6nnen zwei Radiakle aufeinendertreffen, zweitens kann der Methacryls\u00e4uremethylester (<em>MMA<\/em>) aufgebraucht sein. Hier wird die erste M\u00f6glichkeit beschrieben.<\/p>\n<p>Dauer des Polymerisationsprozesses, Temperaturverlauf und Druck haben dabei Einfluss\u00a0 auf die mittlere L\u00e4nge der entstehenden Polymerketten sowie die Vernetzung und Verschr\u00e4nkung der Polymerketten untereinander. Dies wirkt sich direkt auf verschiedene physikalische und chemische Eigenschaften aus, die je nach Produktionsverfahren mit den vorgegebenen Standartwerten leicht divergieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>PMMA<\/em> ist entz\u00fcndlich und verbrennt knisternd mit gelblicher Flamme. Die Verbrennung erfolgt r\u00fcckstandfrei, tropfend und wird von einem s\u00fcsslichem Geruch begleitet. <em>PMMA<\/em> klingt beim Klopftest (Fingernagel) wegen der geringeren H\u00e4rte, im Vergleich zu transparentem Polystrol nicht blechern.<\/p>\n<p>Jenseits von 100\u00b0 Celsius wird <em>PMMA<\/em> plastisch formbar, wobei diese Verformungen thermisch reversibel sind. Dadurch wird eine gute spanabhebende Bearbeitung erreicht, die sich insbesondere im Labor bei Schichtschnitten als Vorteil erweist. Generell empfiehlt es sich Schnitte mit einem CO2 \u2013 Laser vorzunehmen, da dadurch \u00e4usserst pr\u00e4zise gearbeitet werden kann, bzw. auch materialinterne Gravuren m\u00f6glich sind. Zudem ist <em>PMMA<\/em> weitaus weniger kratzempfindlich als andere Thermoplaste und kann sowohl verklebt als auch verschweisst werden. Besonders diese beiden Anwendungsm\u00f6glichkeiten erleichtern die diversen Laborarbeiten wesentlich, da dadurch eine sehr hohe Bestandssicherheit der eingegossenen organischen Materialien gew\u00e4hrleistet wird.<\/p>\n<p>F\u00fcr die mikroskopischen Untersuchungen erweist sich <em>PMMA<\/em> zudem leistungsf\u00e4higer als Mineralglas, da eine h\u00f6here Transmittierung von Licht gegeben ist. PMMA ist witterungs- und alterungsbest\u00e4ndig und kann je nach Bedarf eingef\u00e4rbt werden. S\u00e4uren und Laugen mittlerer Konzentration, sowie Benzin und \u00d6l greifen PMMA nicht an, jedoch ist keine Best\u00e4ndigkeit gegen\u00fcber Ethanol, Aceton und Benzol gegeben. Die im <em>Polyglacialisierungsverfahren nach Mag. Peter Stolz<\/em> konservierten organischen Funde d\u00fcrfen daher nicht mit Alkohol oder L\u00f6sungsmitteln gereinigt werden, da sonst Spannungskorrosion entsteht. Das durch PMMA absorbierte UV-Licht f\u00fchrt zu Br\u00fcchigkeit und Spr\u00f6dheit. Der Schutz vor UV-Licht ist somit eine der wenigen Erfordernisse f\u00fcr eine dauerhafte Unbeschadetheit der eingegossenen organischen Fundst\u00fccke. Es stehen aber spezielle UV-durchl\u00e4ssige Varianten zur Verf\u00fcgung, die zurzeit aber lediglich in der R\u00f6ntgenlithographie zum Einsatz gelangen.<\/p>\n<p>Die rein aliphatische Struktur und die sterische Abschirmung der Polymerkette bedingt die hervorragende Witterungsstabilit\u00e4t der Methacrylpolymere. Zudem ist es m\u00f6glich durch weitere Monomere (Alkyl- oder Arylmethacrylate) die Eigenschaften diverser Mischpolymere den unterschiedlichen Produkterfordernissen anzupassen. Durch die entsprechende Wahl des Alkoholrests des monomeren Esters kann beispielsweise die Polymererweichungstemperatur gezielt beeinflusst werden: Langkettige Ester wie Lauryl- und Stearylmethacrylate weisen bereits wachsartige Polymereigenschaften auf. Ester mit stark verzweigtem Alkoholrest liefern Polymere mit reduzierter L\u00f6sungsviskosit\u00e4t.<\/p>\n<p>Diese unterschiedlichen Einsatzm\u00f6glichkeiten der <em>Polyglacialisierung nach Mag. Peter Stolz<\/em> er\u00f6ffnen der arteologischen Forschung und der wissenschaftlichen Arbeit ganz allgemein eine Vielzahl neuartiger Untersuchungsm\u00f6glichkeiten und tragen somit wesentliches zu einer methodischen Bereicherung der labortechnischen Arbeitsabl\u00e4ufe bei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Polyglacialisierung nach Mag. 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