{"id":1068,"date":"2015-08-26T15:43:09","date_gmt":"2015-08-26T13:43:09","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1068"},"modified":"2016-01-05T20:14:07","modified_gmt":"2016-01-05T18:14:07","slug":"kitzbuhel-juli-oktober-2003-ausgrabungsprotokoll-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1068","title":{"rendered":"Kitzb\u00fchel, Juli &#8211; Oktober 2003, Ausgrabungsprotokoll 14"},"content":{"rendered":"<p>Prinzipiell sind es sowohl Arch\u00e4ologen als auch Arteologen gewohnt ihre Forschungsarbeiten vor Ort unter Zeitdruck durchzuf\u00fchren, da die meisten Zufallsfunde im Zuge von Baut\u00e4tigkeiten, bzw. Fundamentierungsarbeiten get\u00e4tigt werden. Es zeigt sich dabei von unsch\u00e4tzbarem Wert, wenn f\u00fcr derartige Situationen eine gesetzliche Handhabe zur Verf\u00fcgung steht, die in einem gewissen Grad die \u2013 durchaus verst\u00e4ndlichen \u2013 \u00f6konomischen Interessen der Bauherren beschr\u00e4nkt. Gleichwohl lastet in einem derartigen Interessenskonflikt eine grosse Verantwortlichkeit auf den Schultern der leitenden wissenschaftlichen Organe. Oft gilt es dabei eine rasche und meist auch leider grobe Abw\u00e4gung der verschiedenen Wertigkeiten der jeweiligen Funde und Fundabschnitte zu bestimmen, um wenigstens die wichtigsten und wertvollsten Fundst\u00fccke entsprechend bergen bzw. zumindest fotografisch und mittels Gipsabdruck f\u00fcr die Nachwelt erhalten zu k\u00f6nnen. Gerade bei \u00dcberresten von Bauten und Urnen bzw. Gr\u00e4berfeldern ist in derartigen Situationen eine Bewahrung ad loco nur selten m\u00f6glich. Die Verbringung der Funde in museale Depots stellt zwar eine praktikable L\u00f6sung dar, gilt in arteologischer Hinsicht jedoch nur als schadensbegrenzende M\u00f6glichkeit. <a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/u-bahn-athen.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1170\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/u-bahn-athen-150x136.jpg\" alt=\"u-bahn athen, kitzbuehel 2003, dr. arkadasch, arteologie\" width=\"150\" height=\"136\" \/><\/a>So wurden etwa beim Bau der <em>Athener U-Bahn<\/em> in mehreren Stationen Grabungsabschnitte ausstellungstauglich pr\u00e4pariert, unter Glas gesetzt und in die jeweilige Architektur der Metrostationen mit eingebunden. Des Weiteren wurde an mehreren W\u00e4nden grossformatige Grabungsquerschnitte eins zu eins als permanente Schautafeln installiert, um dergestalt der interessierten \u00d6ffentlichkeit die Bedeutung dieser historischen Pl\u00e4tze n\u00e4her zu bringen.<\/p>\n<p>Dennoch stellen derartige Massnahmen lediglich einen \u2013 wenn auch oftmals notwendigen \u2013 Kompromiss in der arch\u00e4ologischen und arteologischen Arbeit dar.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Grabungsstelle <em>Kitzbuehel<\/em> kam zudem erschwerend die laufende mechanische Beeintr\u00e4chtigung durch die regelm\u00e4ssig vorbeirollenden Z\u00fcge hinzu, deren insgesamtes Ausmass erst w\u00e4rend der laufenden Grabungsarbeiten mehr als deutlich wurde: Die st\u00e4ndigen Ersch\u00fctterungen beeintr\u00e4chtigten nicht nur die Festigkeit der Grabenw\u00e4nde \u2013 so kam es in den nicht vollst\u00e4ndig abgep\u00f6lzten Bereichen st\u00e4ndig zu kleineren und gr\u00f6sseren Verbr\u00fcchen \u2013 sondern belasteten mit zunehmender Dauer auch die P\u00f6lzungen als solche. Sowohl die Querverstrebungen, die gr\u00f6sstenteils mit geklemmten Kanth\u00f6lzern ausgef\u00fchrt wurden, als auch die Schalbretter selbst reagierten mit dem schotterigen Erdreich aufs heftigste und verloren durch die Ersch\u00fctterungen der vorbeifahrenden Z\u00fcge ihre stabilisierende Funktion und st\u00fcrzten immer wieder abschnittsweise ein. Durch Intervention bei den <em>\u00d6BB<\/em> konnte zumindest erreicht werden, dass die Durchfahrgeschwindigkeit der Zuggarnituren auf Bahnbaustellenniveau gesenkt wurde und die dadurch bedingten Ersch\u00fctterungen um mehr als die H\u00e4lfte zur\u00fcck gingen.<\/p>\n<p>Dennoch mussten s\u00e4mtliche Gr\u00e4ben ab einer Tiefe von 80 cm neu verschalt werden. Das daf\u00fcr notwendige Know-how und die erforderlichen Materialien stellte einmal mehr die \u201e<em>Lawinen und Wildbachverbauung des Landes Tirol<\/em>\u201c zur Verf\u00fcgung. Diese infrastrukturellen Sanierungsarbeiten dauerten inklusive Vorabplanung und Gestellung 10 Tage, in denen keinerlei neue Grabungst\u00e4tigkeiten durchgef\u00fchrt werden konnten. Das Team um <em>Dr. Arkadasch Dag<\/em> nutzte diese Zeit um das bisherige Aushubmaterial zur G\u00e4nze im Tocken- und Sickersiebverfahren durchzuarbeiten und die erforderlichen Dokumentationen und administrativen T\u00e4tigkeiten insgesamt tagfertig zu erstellen.<\/p>\n<p>Mit 11. August wurden die Grabungsarbeiten wiederum an allen Grabungsstellen aufgenommen und fortgesetzt, wobei sich die Erstfundstelle vom Jahr 2001 als tats\u00e4chlich ergiebig zeigte. Bereits am 13. August wurden in einer lehmartigen Einschiebung, in einer Tiefe von lediglich 45 cm, die \u00dcberreste einer Kultnische freigelegt, die in weiterer Folge neben Keramikscherben auch ein metallenes <em>Cult-Object <\/em>beinhaltete.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prinzipiell sind es sowohl Arch\u00e4ologen als auch Arteologen gewohnt ihre Forschungsarbeiten vor Ort unter Zeitdruck&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1068"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1068"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1068\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1171,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1068\/revisions\/1171"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1068"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1068"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1068"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}