{"id":1072,"date":"2015-09-04T21:07:44","date_gmt":"2015-09-04T19:07:44","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1072"},"modified":"2016-01-05T20:16:32","modified_gmt":"2016-01-05T18:16:32","slug":"kitzbuhel-juli-oktober-2003-ausgrabungsprotokoll-15","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1072","title":{"rendered":"Kitzb\u00fchel, Juli &#8211; Oktober 2003, Ausgrabungsprotokoll 15"},"content":{"rendered":"<p>Nach all den vorangegangenen Schwierigkeiten und Problemen \u2013 angefangen von der Verunfallung eines Arbeiters bis hin zu den zus\u00e4tzlichen P\u00f6lzungen (sogar in einem zweiten, verst\u00e4rkten Ausmass) kam diese Fundung zu einem Zeitpunkt, an dem die insgesamte Moral der beteiligten einheimischen Kr\u00e4fte (sowohl der direkt an den Grabungen beteiligten eingebornenen Hilfskr\u00e4fte, als auch der lokalen Presse und Administration) in eine reine Form einer Duldung ohne pers\u00f6nliches Engagement \u00fcberzugehen drohte. Derartige Situationen treten bei Expeditionen immer wieder auf, insbesondere dann, wenn das leitende Interesse und die wissenschaftliche Arbeit in der vollst\u00e4ndigen Verantwortlichkeit von nicht demselben Kulturkreis angeh\u00f6renden Personen wahrgenommen werden. Selbst wenn heutzutage mit den Ressentiments vorhergegangener Jahrhunderte aufger\u00e4umt wurde \u2013 zumindest ansatzweise in der wissenschaftliche Gemeinde \u2013 so besteht dennoch an den meisten Orten eine grundlegende Skepsis der eingeborenen Bev\u00f6lkerung gegen\u00fcber jedweder arteologischen und \/ oder arch\u00e4ologischen Untersuchungsabsicht, die nicht origin\u00e4r den Interessen der eigenen Soziet\u00e4t entsprechen, sondern vielmehr eine ergebnisoffene Aufnahme und Analyse der jeweilig entdeckten Fakten darstellt.\u00a0 Auch wenn sich gerade der inneralpine Raum als Gesamtheit und hier wieder ganz besonders die Region <em>Nordtirol<\/em> mit allen ihren Seitent\u00e4lern und dem <em>Inntal<\/em> als Hauptsiedlungsgebiet seit den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts als Musterbeispiel einer zweisaisonaligen Tourismusbewirtschaftung entwickelt hat, l\u00e4sst sich daraus weder folgerichtig noch logisch zwingend eine geistige Entwicklung hin zu einer generellen Weltoffenheit ableiten. Vielmehr hat sich bei allen bisherigen Ausgrabungen in Nordtirol gezeigt, dass reziprok zum erstarkenden Tourismus und den damit einhergehenden Beeinflussungen durch andere V\u00f6lker und Kulturen eine grundlegende chauvinistische Haltung in grossen Teilen der Bev\u00f6lkerung breitgemacht hat, die zwar nach aussen hin dem Fremden freundlich und zuvorkommend erscheint, jedoch lediglich so lange vorherrscht, als dass sich das daraus ergebende merkantile Verh\u00e4ltnis klar zum Vorteil der jeweils einheimischen beteiligten generiert. So gelten selbst Personen die bereits in zweiter Generation in Nordtirol leben und des gutturalen jeweiligen Dialekts perfekt m\u00e4chtig sind, weder als Einheimische noch als Eingeborenen, sondern werden weiterhin mit dem Stigmata des Andersseins, der Fremdartigkeit belegt. Dies vermag auch nicht die Tatsache zu \u00e4ndern, dass insbesondere weibliche Personen, soferne sie in die matrimonialen Traditionen und Sitten passen, immer wieder von eingeborenen M\u00e4nnern geehelicht werden, wobei anzumerken bleibt, dass derartige Mischehen sich meist dadurch im gesellschaftlichen Gef\u00fcge zus\u00e4tzlich zu verankern suchen, indem die daraus hervorgehenden Kinder und Enkelkinder zum Einen gerne mit martialisch klingenden, traditionsbehafteten Namen benannt werden und zum Zweiten bereits von Kindesbeinen an angehalten werden, sich in den gemeinschaftlichen Vereinsaktivit\u00e4ten besonders hervor zu tun.<\/p>\n<p>Erfolg hingegen n\u00f6tigt den Eingeborenen \u2013 wohl wurzelnd in ihrem nach wie vor \u00fcberwiegend patriarchalischen und autorit\u00e4tsgl\u00e4ubigen soziokulturellem Umfeld \u2013 jene Form von Respekt ab, der sich gegen\u00fcber diesen Personen dann gerne oft in einem leicht devoten, wenn auch bauernschlauem Verhalten \u00e4ussert, welches jedoch in opportunistischer Weise relativ rasch wechselt, sobald sich die Vorzeichen \u00e4ndern und der Eingeborene sich daraus f\u00fcr sein eigenes Umfeld einen zus\u00e4tzlichen Vorteil verspricht.<a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/tourismus.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1172\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/tourismus-150x150.jpg\" alt=\"soziokulturelles umfeld, kitzbuehel 2003, dr. arkadasch, arteologie\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>Sehr deutlich zeigt sich dieses Verhalten im Umgang mit nichteinheimischen Arbeitskr\u00e4ften in zahlreichen touristischen Betrieben. W\u00e4hrend beispielsweise G\u00e4ste aus der <em>Bundesrepublik<\/em> <em>Deutschland<\/em> oftmals geradezu penetrant hofiert werden, erfolgt oftmals die Bezahlung bundesdeutscher Saisonarbeitskr\u00e4fte unter dem geltenden Kollektivvertrag und sowohl Unterbringung als Verpflegung dieser Arbeitskr\u00e4fte f\u00fchrt immer wieder zu medialen Skandalen und teilweise halbherzigen, arbeitsrechtlichen Interventionen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach all den vorangegangenen Schwierigkeiten und Problemen \u2013 angefangen von der Verunfallung eines Arbeiters bis&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1072"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1072"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1072\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1174,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1072\/revisions\/1174"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1072"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1072"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1072"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}