{"id":1076,"date":"2015-09-14T20:41:10","date_gmt":"2015-09-14T18:41:10","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1076"},"modified":"2016-01-05T20:19:14","modified_gmt":"2016-01-05T18:19:14","slug":"kitzbuhel-juli-oktober-2003-ausgrabungsprotokoll-16","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1076","title":{"rendered":"Kitzb\u00fchel, Juli &#8211; Oktober 2003, Ausgrabungsprotokoll 16"},"content":{"rendered":"<p>In Fundsituationen gereicht es jedem Grabungsteam zum Vorteil, wenn die organisatorischen Abl\u00e4ufe f\u00fcr das leitende Personal klar strukturiert und einge\u00fcbt sind, so dass durch diese Routine das Hauptaugenmerk auf optimale Bergung und Bewahrung der Fundst\u00fccke gelegt werden kann, unter zeitgleicher Kontrolle der oftmals emotionell hochgradig erregten eingeborenen Hilfskr\u00e4fte, die meist innerlich \u00fcberzeugt scheinen, einen merkantilen Schatz von nahezu m\u00e4rchenhaftem Umfang gefunden zu haben. Hierbei gilt es in aller Strenge und Sch\u00e4rfe die Disziplin unter den Arbeiterinnen und Arbeitern aufrecht zu erhalten um vorsorglich jeden Ansatz von arteologischem R\u00e4ubertum im Keim zu ersticken. Es ist dabei immer wieder einmal notwendig vor Ort ein Exempel zu statuieren und einen ertappten Funddieb nicht nur fristlos zu entlassen sondern gleichzeitig mit aller gesetzlichen Handhabe die im Gastland m\u00f6glich ist, hartn\u00e4ckig zu verfolgen. Nur so kann jene Qualit\u00e4t, aber auch Qualit\u00e4t der Grabungsarbeiten aufrecht erhalten bleiben, die nachhaltig jenes wissenschaftliche Niveau sichern, ohne welches eine kontinuierliche arteologische Beforschung nur rudiment\u00e4res St\u00fcckwerk bleiben kann.<\/p>\n<p>Das bew\u00e4hrte Grabungsteam um <em>Dr. Arkadasch Dag<\/em> folgte daher dem \u00fcblichen Prozedere bei Fundungen und leitete umgehend die daf\u00fcr erforderlichen Massnahmen ein:<\/p>\n<ul>\n<li>Mit der Fundung wurde sofort der betroffene Sondierungsgraben abgesperrt, mit Zeltplanen eingehaust, sowie topografisch eingeordnet und vermessen.<\/li>\n<li>Am gesamten Grabungsgel\u00e4nde wurden vorsorglich s\u00e4mtliche Grabungst\u00e4tigkeiten ad momentum eingestellt und der entsprechende Gel\u00e4ndeabschnitt unter Verwendung der entsprechenden Relevanzgr\u00f6ssen (standardisierte Vermessungslatten, aktuelle Tageszeitung) fotografisch erfasst.<\/li>\n<li>S\u00e4mtlich erforderliche Zu- und Abg\u00e4nge, sowohl f\u00fcr den Mannschaftstransport als auch die Materiallogistik samt Fluchtwegen wurden geplant, ausgewiesen, mit einem Farbleitcode versehen und eingerichtet.<\/li>\n<li>Erst dann hat eine ausgesuchte Bergungsgruppe, ausgestattet mit Schutzkleidung, Atemschutzmasken, Schutzbrillen und Handschuhen den direkten Bergungsort betreten.<\/li>\n<li>Desgleichen wurden s\u00e4mtliche Werkzeuge, Transportbeh\u00e4ltnisse und der Bergungscontainer desinfiziert, wobei f\u00fcr die direkte Bergung nur fabrikneue Werkzeuge, die zudem sterilisiert wurden, zur Verwendung gelangten.<\/li>\n<li>Sowohl das umgebende Lagerungsmaterial des Fundes, als auch eventuell spezifische botanische und geologische Vorkommen im n\u00e4heren Fundungsumfeld, werden entsprechend geborgen und gelagert, um so auch sp\u00e4terhin sparten- und f\u00e4cher\u00fcbergeifende wissenschaftliche Untersuchungen zu gew\u00e4hrleisten.<\/li>\n<li>Die allgemeine Freigabe des direkten Fundgebiets konnte erst mit 20. August erfolgen, nachdem sowohl die Bergung selbst, als auch die nachfolgenden forensisch-arteologischen Untersuchungen abgeschlossen waren.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Fundstelle besteht aus einem trockengemauerten Geviert, das eine Gesamtl\u00e4nge von etwa 75 cm aufweist und eine Breite von 48 cm, wobei entsprechende Abweichungen dem trocken verlegten Gesteinsmaterial zugeordnet werden m\u00fcssen. Die innere Fl\u00e4che dieses Gevierts war zur G\u00e4nze mit lehmartigem Mergel ausgef\u00fcllt, wobei dieses Material eine insgesamte Schichtung von 58 cm im Bereich der Mauerfundung aufweist und sich sowohl nord\u00f6stlich als auch nach S\u00fcdwesten hin, \u00fcber mehrere Meter verj\u00fcngend hinzieht. Geologisch betrachtet handelt es sich dabei um eine Schwemmschichtung, die infolge einer l\u00e4nger andauernden, relativ schwach ausgepr\u00e4gten \u00dcberflutung entstanden ist, welche eine derartig kontinuierliche Sedimentablagerung, ohne dabei nachhaltig die vorhandenen Gel\u00e4ndestrukturen zu ver\u00e4ndern, nach sich zog.<\/p>\n<p>Gemessen vom Nullpunkt der Sondierungsgrabenkante wurde der obere Mauerkronenbereich des Gevierts in einer Tiefe von 45 cm freigelegt. Mit der schichtartigen Freilegung des Innenbereichs konnten bereits nach wenigen Zentimetern sieben Keramikbruchst\u00fccke geborgen werden, die s\u00e4mtlich eindeutig dem <em>Arteologischen Zeitalter<\/em> zuordenbar waren. Weitere Grabungen im Inneren <a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/kitzi-15.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1175\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/kitzi-15-150x150.jpg\" alt=\"fundskizzierung, kitzbuehel 2003, dr. arkadasch, arteologie\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>des Gevierts brachten bereits am Abend des 13. August ein metallenes <em>Cult-Object<\/em> zum Vorschein, welches sowohl in seiner Art der Gestaltung als auch Ausf\u00fchrung einerseits dem typischen Charakter bisheriger Fundungen im Raum <em>Nordtirol<\/em> entspricht, andererseits aber auch eine formale Weiterentwicklung der bisher bekannten Gestaltungen darstellt. Am drauffolgenden Vormittag des 14. August wurde zudem ein zweites, gleichgeformtes <em>Cult-Object<\/em> am Grund des Gevierts freigelegt. Allerdings scheint durch die Lage des <em>Cult-Objects<\/em> schl\u00fcssig, dass es sich dabei um ein eigenst\u00e4ndig angeordnetes <em>Cult-Objects<\/em> handelt, das in keinem direkten kultischem Bezug zum erstgefunden Object steht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Fundsituationen gereicht es jedem Grabungsteam zum Vorteil, wenn die organisatorischen Abl\u00e4ufe f\u00fcr das leitende&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1076"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1076"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1076\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1176,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1076\/revisions\/1176"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1076"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1076"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1076"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}