{"id":1079,"date":"2015-09-15T19:41:25","date_gmt":"2015-09-15T17:41:25","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1079"},"modified":"2016-01-05T20:21:17","modified_gmt":"2016-01-05T18:21:17","slug":"kitzbuhel-juli-oktober-2003-ausgrabungsprotokoll-162","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1079","title":{"rendered":"Kitzb\u00fchel, Juli &#8211; Oktober 2003, Ausgrabungsprotokoll 16\/2"},"content":{"rendered":"<p>Beide <em>Cult-Objecte<\/em> sind streng in Nord-S\u00fcd-Richtung ausgerichtet und ergaben auf den ersten Blick durchaus eine zusammengeh\u00f6rige kultische Darstellung, die auch als erstes unwidersprochen von allen Grabungsbeteiligten als fundierte theoretische Annahme beibehalten wurde. Erst mit der dendrologischen Analyse von <em>Dr. Hansj\u00f6rg Unterlechner<\/em> konnte im umgebenden Basisbereich des mit losen, faustgrossen Kieseln ausgebetteten Bodenbereichs der Kultnische ein h\u00f6lzerner Verbau nachgewiesen werden, der die gesamte Kultnische in zwei gleich grosse Kemenaten unterteilte. Sowohl der Boden als auch die W\u00e4nde der Kultnische waren somit mit Holz verkleidet, wobei die Analysen vier verschiedene alpine H\u00f6lzer in unterschiedlicher Menge vorfanden \u2013 und zwar Eiche (<em>Quercus<\/em>), Vogel-Kirschbaumholz (<em>Prunus avium<\/em>), L\u00e4rche (<em>Larix<\/em>) und <a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/zirbelkiefer.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1177\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/zirbelkiefer-150x150.jpg\" alt=\"zirbelkiefer, kitzbuehel 2003, dr. arkadasch, arteologie\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Zirbe (<em>Pinus cembra<\/em>). Das Grundger\u00fcst sowie der Bodenbelag bestanden mit hoher Wahrscheinlichkeit aus L\u00e4rchenholz, die Wandvert\u00e4felungen aus Zirbenholz mit intarsisch eingelegten, geometrischen, einfachen Symbolen aus Eichenholz. Die Zwischenwand war durchgehend und ohne Durchlass mittig von Nord-Osten nach S\u00fcd-Westen in Riegelbauweise erstellt, wobei das Tr\u00e4gerger\u00fcst aus 4,6 cm starken, kern- und astfreien L\u00e4rchenkantlingen errichtet wurde. Die Vert\u00e4felung dieser Zwischenwand entsprach qualitativ und materialtechnisch der Verkleidung der Aussenw\u00e4nde.<\/p>\n<p>Die Erstanalyse von <em>Dr. Unterlechner<\/em> erregte grosses Aufsehen und Widerspruch in expertenkreisen, da vorderhand nicht nachvollziehbar schien, warum ausgerechnet in einem Lehm-Mergel-Gef\u00fcge s\u00e4mtliche sichtbaren Spuren einer derartigen h\u00f6lzernen Gestaltung nur mehr analytisch und mikroskopisch nachweisbar sein sollten. Die chemische Untersuchung der Lehm-Mergel-Schicht ergab jedoch eine ausserordentlich hohe Konzentration von oxidativen Einschl\u00fcssen, die wiederum die Grundannahme est\u00e4tigen, dass die Versandung und Verlandung dieser Kultnische durch extrem langsam fliessendes Oberfl\u00e4chenwasser erfolgt sein musste, da ansonsten sowohl Lageverschiebungen der <em>Cult-Objecte<\/em> als auch statische Ver\u00e4ndeurngen im Gesteinsaufbau der Trockenmauerung nachweisbar w\u00e4ren. Durch diese extrem langsame Versandung und Verlandung gelangten mit dem Mergel und den Lehmerden zahlreiche organische Substanzen in diese Schichtung, die durch ihre Infiltration eine ansonsten un\u00fcbliche Gasdruchl\u00e4ssigkeit dieser Lehmschicht bedingten, die somit weder die \u00fcblichen Verrottungsprozesse als auch Verwesungsvorg\u00e4nge hintanhalten konnte. Vielmehr entstand dadurch eine statische Abgeschlossenheit, die \u00fcber Jahrzehnte jene chemischen Prozesse am Laufen hielt, die erst mit dem endg\u00fcltigen Aufbrauchen aller organischen Substanzen \u2013 und somit auch der verbauten H\u00f6lzer \u2013 zu einem Ende kam. Die dabei entstehenden Verkieselungen geben unter dem Elektronenmikroskop ein deutliches Bild unterschiedlichster dendronaler Strukturen \u2013 im Grossen etwa vergleichbar mit fossilen Versteinerungen \u2013 aus denen schl\u00fcssig jene Expertise ableitbar ist, die schlussendlich zu jenen klar belegbaren Ergebnissen f\u00fchrte, die <em>Dr. Unterlechner<\/em> in seinem Artikel <em>\u201eDie dendronale Analyse der Kultnische zu Kitzbuehel \u2013 ein Ergebnisbericht\u201c<\/em> (<em>Wissenschaftliche Bl\u00e4tter \u2013 Nr. 3, 2004<\/em>; <em>Dendrologisches Institut der Holzakademie Rosenheim, Deutschland<\/em>) ausf\u00fchrlich darlegt.<\/p>\n<p>Die Kultnische insgesamt besteht aus einem nach oben offenem Quader, wobei durch das Fehlen jeglicher Spuren einer h\u00f6lzernen Abdeckung davon auszugehen ist, dass diese Kultnische urspr\u00fcnglich vollkommen frei stand und mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem gr\u00f6sseren umschliessenden Bauwerk \u00fcberdacht war. Bisher konnten allerdings keinerlei Hinweise auf eine derartige Bausubstanz vor Ort gefunden werden, sodass diese Annahme dezidiert eine reine Theorie darstellt, die sich aber auf Grund der bisherigen Fundungen in Nordtirol als schl\u00fcssiges Denkmuster erweist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beide Cult-Objecte sind streng in Nord-S\u00fcd-Richtung ausgerichtet und ergaben auf den ersten Blick durchaus eine&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1079"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1079"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1079\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1178,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1079\/revisions\/1178"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1079"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1079"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1079"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}