{"id":1082,"date":"2015-09-16T21:45:30","date_gmt":"2015-09-16T19:45:30","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1082"},"modified":"2016-01-05T20:23:19","modified_gmt":"2016-01-05T18:23:19","slug":"kitzbuhel-juli-oktober-2003-ausgrabungsprotokoll-163","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1082","title":{"rendered":"Kitzb\u00fchel, Juli &#8211; Oktober 2003, Ausgrabungsprotokoll 16\/3"},"content":{"rendered":"<p>Dass es sich bei dieser Fundung eindeutig um eine kultische Anlage handeln muss, ergibt sich aus dem systemischen Vergleich aller bisherigen Funde von <em>Cult-Objecten<\/em> im Raum <em>Nordtirol<\/em>. Die formale \u00c4hnlichkeit, sowohl in Bezug auf die verwendeten Materialien, die Gestaltung und direkte Fundsituation lassen keinerlei Zweifel \u00fcber die Stringenz der Zuordenbarkeit in den Bereich des Kultischen aufkommen. Die bautechnischen Identit\u00e4tskriterien verweisen auf die im lokalen Zentralalpenraum ab dem Zeitalter der sp\u00e4ten <em>Prae-Arteologischen Zeit<\/em> bis herauf zur Bl\u00fcte der <em>Hocharteologischen Zeit<\/em> typischen Trockenmauerbauweise f\u00fcr kultische Kleinanlagen, wobei durchaus zur Diskussion steht, inwieweit derartige kultische Zentralpl\u00e4tze jeweils in ein gr\u00f6sseres Gesamtgef\u00fcge eingebettet sein m\u00f6gen. Auch wenn die beiden <em>Cult-Objecte<\/em> in getrennten Kammern aufbewahrt wurden, stehen sie kontextuell fraglos in einem gemeinsamen gr\u00f6sseren Zusammenhang und m\u00fcssen daher in der arteologischen Betrachtung unter diesem Aspekt mit begutachtet werden.<\/p>\n<p>Interessant erscheint vorweg, dass diese Fundung der beiden <em>Cult-Objecte<\/em> einmal mehr in aller Deutlichkeit zeigt, dass die einstmals urspr\u00fcngliche manipulative Verwendbarkeit dieser Artefakte einer rein symbolischen Bedeutung gewichen ist. Dies belegt auch das Fehlen jeder mechanischen, dauerhaften Gebrauchsspuren, die auf eine speziellen werkzeug\u00e4hnlichen Einsatzmodus verweisen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Mit den Keramikscherben, die in ihrer Rekonstruktion eine schlicht geformte, schmucklose krug\u00e4hnliche Becherform mit Henkel ergeben, wurden insgesamt drei Artefakte in dieser Kultnische vorgefunden:<\/p>\n<ol>\n<li>Keramikkrug, schmucklos, mit Henkel<\/li>\n<li><em>Cult-Object 1<\/em>, abgelagert in der nord-\u00f6stlichen Kammer<\/li>\n<li><em>Cult-Object 2,<\/em> abgelagert in der s\u00fcd-westlichen Kammer<\/li>\n<\/ol>\n<p>Ad 1.: Beim Keramikkrug handelt es sich um ein 14,7 cm hohes Trinkgef\u00e4ss mit geraden W\u00e4nden und einem kreisrunden Innendurchmesser von 8,6 cm. Die Wandst\u00e4rke dieses Trinkgef\u00e4sses bewegt sich zwischen 4,5 mm an der\u00a0 Anschlussstelle zur Bodenplatte und 4,3 mm durchgehend an der nach oben senkrecht strebenden Wandrundung und verj\u00fcngt sich am oberen Ende zu einer sanft nach innen abgerundeten Trinkkante. Der Innenbogen des im Schnitt 1,56 cm starken Henkels betr\u00e4gt 8,95 cm, w\u00e4hrend der Aussenbogen, gemessen an den Anschlussstellen zum Trinkgef\u00e4ss, 12,02 cm misst. Die Bodenplatte wurde an den R\u00e4ndern nach aussen halbrund und ca 1,5 mm \u00fcberstehend ausgef\u00fchrt, was optisch zu einer Art Sockelbildung f\u00fchrt, die gleichzeitig dem Trinkgef\u00e4ss als Ganzes einen stabilen Stand sichert. Im Inneren wurde der \u00dcbergang von der Bodenplatte zu den W\u00e4nden mit einer Kehlung versehen, welche das Reinigen wesentlich erleichtert. Die Gestaltung weist keinerlei schmuckhafte Ornamentierung auf, im Gegenteil es wurde (bewusst?) auf jede artifizielle Formengebung verzichtet. Es scheinen auch keinerlei Massangaben f\u00fcr F\u00fcllh\u00f6hen oder symbolhafte sonstige Hinweise auf, die entweder auf den Gestalter oder die Nutzungsabsicht dieses Trinkgef\u00e4sses hindeuten. Es ist jedoch klar ersichtlich, dass dieses Trinkgef\u00e4ss mithilfe einer T\u00f6pferscheibe erzeugt und auf Grund seiner Einfachheit in einer prae-arbeitsteiligen Produktionsweise wahrscheinlich in Serie gefertigt wurde. Der dabei verwendete Ton stammt, wie die Analysen ergeben haben, aus einem kleinen Abbaugebiet in der N\u00e4he von <em>Kufstein<\/em> (<em>Tirol<\/em>, <em>\u00d6sterreich<\/em>). Das Trinkgef\u00e4ss wurde zweimal gebrannt, wobei der zweite Brand als Glasurbrand bei einer Brenntemperatur von 1250 \u00b0 Celsius durchgef\u00fchrt wurde. Es ergeben sich dabei interkristalline glasartige Phasen, die neben einer Selbstglasur eine geschlossene Porosit\u00e4t liefern. Die Oberfl\u00e4che blieb dabei eher rau und die Grundfarbe des ersten Brandes beleibt dabei erhalten.<a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/cult_object_vorne.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1179\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/cult_object_vorne-150x150.jpg\" alt=\"cult_object_vorderansicht, kitzbuehel 2003, dr. arkadasch, arteologie\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ad 2: Beschreibung von <em>Cult-Object 2<\/em>. Sowohl <em>Cult-Object 1<\/em> und <em>2<\/em> bestehen zur G\u00e4nze aus Metall und wurden im Griffst\u00fcck aus einem einzigen flachen Metallst\u00fcck herausgearbeitet. Am oberen, sich in Form eines \u201eV\u201c ausspreizenden Teil ist eine metallene, runde Querstrebe mit einer Gesamtl\u00e4nge von 90,01 mm, mit einem Durchmesser von 7,86 mm in geschmiedeter Schweisstechnik angebracht. Der &#8211; von der mit schriftartigen Symbolen verzierten Vorderansicht aus betrachtet \u2013 linke \u201eArm\u201c dieser Verstrebung misst 29, 48 mm und der rechte 30, 42 mm. Die Gesamtl\u00e4nge von 77,80 mm setzt sich aus dem Griffst\u00fcck und dem Querschnitt der runden Metallstrebe zusammen. Die metallurgische Verbindung wurde \u00fcber eine L\u00e4nge von 30,12 mm in Form einer wulstigen, tropfenbildenden Naht ausgef\u00fchrt und geht in die \u201eV\u201c-f\u00f6rmige Gestaltung des oberen Teils des Griffst\u00fccks \u00fcber. Dabei wurde das Mittelst\u00fcck dieses \u201eVs\u201c ungeschr\u00e4nkt als Flachmetall ausgearbeitet, was zum einen zu gr\u00f6sserer Stabilit\u00e4t bei gleichzeitig geringem Materialaufwand f\u00fchrte und zum anderen den \u00e4sthetischen Traditionen der bisher gefundenen <em>Cult-Objecte<\/em> entspricht. Die untere Spitze des \u201eVs\u201c endet bei 50,91 mm, gemessen ab Beginn des Griffst\u00fccks, und weist hier eine Taillierung auf, die eine Breite von 10,95 mm misst. 7,21 mm vom Ende des Griffst\u00fccks aus gemessen, findet sich eine mittige Bohrung von 5,0 mm, w\u00e4hrend der Durchmesser dieses als Rundung ausgebildeten Griffendes insgesamt 15,94 mm betr\u00e4gt. Beide <em>Cult-Objecte<\/em> weisen eine Gesamth\u00f6he von durchschnittlich 5 mm auf und sind l\u00e4ngsgerichtet ungebogen. S\u00e4mtliche Kanten wurden entgr\u00e4tet und abgespant. Zudem zeigen beide <em>Cult<\/em>&#8211;<em>Objecte<\/em> auf ihrer Vorderseite symbolhafte, schriftzeichenartige Verzierungen, die in ihrer Gestaltung den bisherigen Funden dergestalt gleichen, dass hier von einer bewussten und kultischen Tradition ausgegangen werden kann. Diese Verzierungen erfolgten mittels Ritzungen und einer nachfolgenden Vertiefung durch die Verwendung eines S\u00e4urebades mit Essigs\u00e4ure (vgl. <em>Laboranlyse vom 16. August 1985, Arteologische Zentralstelle Innsbruck, Ausgrabungsprotokoll 16, Grabung Stubaital 1985<\/em>). Bei beiden Ritzungen handelt es sich um eine ca. 28 mm lange Zeichenreihe, die aus neun Symbolen besteht. Von oben nach unten betrachtet, wiederholt sich dabei Symbol Nummer drei an der sechsten Stelle. Gleichfalls ident sind dabei die beiden letzten Schlusssymbole. Die Leserichtung von oben nach unten erscheint auf Grund der kapit\u00e4lchenhaften Form des obersten Symbols als schl\u00fcssig. Symbol zwei und vier weisen in ihrer H\u00f6he von 6,50 mm das gleiche Mass vor wie Symbol eins. Die Formensprache zeigt dabei keinerlei Entwicklung zu den bisherigen Funden von <em>Cult-Objecten<\/em>, sondern bleibt in ihrer kantig wirkenden, balkenartigen Formensprache im traditionellen Gepr\u00e4ge des Kultischen verhaftet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass es sich bei dieser Fundung eindeutig um eine kultische Anlage handeln muss, ergibt sich&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1082"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1082"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1082\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1180,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1082\/revisions\/1180"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1082"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1082"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1082"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}