{"id":1092,"date":"2015-09-28T20:27:44","date_gmt":"2015-09-28T18:27:44","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1092"},"modified":"2016-01-05T20:29:25","modified_gmt":"2016-01-05T18:29:25","slug":"kitzbuhel-juli-oktober-2003-ausgrabungsprotokoll-18","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1092","title":{"rendered":"Kitzb\u00fchel, Juli &#8211; Oktober 2003, Ausgrabungsprotokoll 18"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/kitzi-32.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1187\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/kitzi-32-150x150.jpg\" alt=\"grabungsstelle bildstock, kitzbuehel 2003, dr. arkadasch, arteologie\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Diese Form eines Wegkreuzes erinnert in seiner Ausgestaltung vom architektonischen her an die meist gemauerten Bildst\u00f6cke, wie sie im gesamten Alpenraum immer wieder vorfindbar sind (vgl. dazu: <em>Lechtal, Juli \u2013 September 1992, Ausgrabungsprotokoll 14\/3<\/em>). W\u00e4hrend jedoch bei den meisten Bildst\u00f6cken eine vierseitige, bzw. mehrseitige Darstellung des jeweiligen kultischen Themas vorherrscht, entspricht das Wegkreuz generell der singul\u00e4ren, bildhaften Gestaltung und dient oftmals der Erinnerung an verunfallte oder verungl\u00fcckte Angeh\u00f6rige. Zudem wird das Wegkreuz im Normalfall in unmittelbarer N\u00e4he des Ortes des tragischen Vorkommnisses aufgestellt, w\u00e4hrend die Bildst\u00f6cke meist an geografischen Wegkreuzungen und\/oder mystisch, kultischen Pl\u00e4tzen errichtet wurden. Im Gegensatz zu den Bildst\u00f6cken die in ihrer bildnerischen Darstellung zumeist votivhaften Charakter aufweisen, wird bei den Wegkreuzen \u2013 soferne sie der Erinnerung an Personen dienen, vor allem in neuerer Zeit vorwiegend auf Fotografien zur\u00fcckgegriffen, die ein nat\u00fcrliches Abbild der zu erinnernden Person widerspiegeln. Gemeinsam ist beiden Formen die Anlehnung an den nischenartigen Gestaltungscharakter, wie er typischerweise immer wieder bei der Freilegung des unmittelbaren Umfeldes von <em>Cult-Objecten<\/em> vorgefunden wurde. Die dazu notwendige Minimierung des architektonischen Konzepts f\u00fchrte zu einer perspektivischen Verk\u00fcrzung der jeweiligen Linienf\u00fchrungen und zu einer teilweise symbolhaften Applikation von bautechnischen Elementen, die auf den ersten Blick h\u00e4ufig ornamental anmuten. So wird etwa das giebelartige Dach in seiner Tiefe entsprechend dem dreidimensionalen Charakter des Wegkreuzes insgesamt angepasst, w\u00e4hrend die vorderen, eine Art Windlade (Windschutz) bildenden, senkrecht angebrachten Bretter in kunsthandwerklicher Form verziert oder gar beschnitzt werden, so wie sie h\u00e4ufig bei Giebeld\u00e4chern im gesamten Alpenraum anzutreffen sind. Gleichzeitig vermittelt diese formale Gestaltung eine optische Tiefenwirkung, die den Blick des Betrachters auf das Innere der darunter ausgebildeten Nische lenkt. Im bildnerischen Schwerpunkt wird dabei entweder ein korpusloses Kruzifix angebracht, oder auch eine Darstellung des gekreuzigten <em>Jesus<\/em>, oder aber, so wie bei diesem Wegkreuz das Bildnis des zu erinnernden Menschen. Die Gesamth\u00f6he entspricht dabei bei frei aufgestellten Wegkreuzen in etwa der K\u00f6rpergr\u00f6sse eines ausgewachsenen Mannes, w\u00e4hrend bei Gedenknischen in W\u00e4ldern oder auch in verbauten Gebieten, diese auch gerne etwas h\u00f6her angebracht werden und dergestalt eine gewisse kultische Erhabenheit widergeben. Generell ist dabei festzustellen, dass nahezu s\u00e4mtliche Bildst\u00f6cke und Wegkreuze eine ber\u00fchrende Pflege durch Angeh\u00f6rige und, vor allem bei \u00e4lteren Objekten, freiwillige Helfer erfahren, die nicht nur auf den Erhalt der jeweiligen Bildst\u00f6cke und Wegkreuze gerichtet ist, sondern auch renovatorische und instandhalterische Arbeiten unentgeltlich umfasst. Diese meist wie selbstverst\u00e4ndlich \u00fcbernommenen T\u00e4tigkeiten zeigen die oftmals tief verwurzelte kultische Alltagsbezogenheit der alpinen, eingeborenen Bev\u00f6lkerung, die in ihrer Entstehung weit \u00fcber die religi\u00f6sen Formalismen einer christlichen Religiosit\u00e4t hinaus gehen.<\/p>\n<p>In abgewandelter Form sind derartige Darstellungen und Erinnerungsorte insbesondere in den mediterranen L\u00e4ndern zu finden (vgl. die metallenen, laternenartigen Erinnerungsst\u00e4tten an den griechischen Strassenr\u00e4ndern), aber auch an vielen Stellen an s\u00fcdamerikanischen Verkehrswegen.<\/p>\n<p>Die kleingestaltige Ausarbeitung erinnert dabei frappant an die jeweiligen Gebetsnischen, wie sie bereits bei etruskischen und sp\u00e4ter auch r\u00f6mischen Haushalten (<em>Penaten<\/em>) vorfindbar sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Form eines Wegkreuzes erinnert in seiner Ausgestaltung vom architektonischen her an die meist gemauerten&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1092"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1092"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1092\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1188,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1092\/revisions\/1188"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1092"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1092"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1092"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}