{"id":1099,"date":"2015-10-09T21:44:58","date_gmt":"2015-10-09T19:44:58","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1099"},"modified":"2016-01-05T20:33:29","modified_gmt":"2016-01-05T18:33:29","slug":"kitzbuhel-juli-oktober-2003-ausgrabungsprotokoll-20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1099","title":{"rendered":"Kitzb\u00fchel, Juli &#8211; Oktober 2003, Ausgrabungsprotokoll 20"},"content":{"rendered":"<p>Die Untersuchung von kultischen Pl\u00e4tzen bietet daher generell gesehen meist einen direkten Zugang zur arteologischen Gesamtinterpretation einer spezifischen Soziet\u00e4t. Wobei diesbez\u00fcglich streng darauf zu achten ist, dass die wissenschaftliche Arbeit vollkommen unabh\u00e4ngig von der jeweilig vorherrschenden Glaubensrichtung ihre rationellen Begr\u00fcndungen erarbeitet und rein faktenbelegt darlegt. Eine Wertung kann dabei nur insoweit erfolgen, als direkte Auswirkungen auf das jeweilige Alltagsleben in \u00f6konomischer, gesellschaftlicher und administrativer Sicht beweisbar sind. Dieser grundlegende Ansatz impliziert eine vorerst theoriefreie Findung und Sichtung aller verf\u00fcgbaren Quellen und Artefakte, wobei hier die generelle Schwierigkeit zu ber\u00fccksichtigen ist, dass neben infrastrukturellen, baulichen \u00dcberbleibseln das Gros der Fundungen nachweisbar aus dem kultischen Sektor stammt. Tempelanlagen, Kultst\u00e4tten aller Art sowie entsprechende Nebenbauten (Wohnungen der jeweiligen Priesterschaft und\/oder der herrschenden Eliten) wurden entsprechend den hierarchischen Ordnungen meist mit ungeheurem wirtschaftlichem und baulichem Aufwand gestaltet. Dies diente zum einen der psychologischen Festigung des jeweiligen Herrschaftsanspruches der f\u00fchrenden Eliten und zum zweiten einer plakativen Demonstration der eigenen St\u00e4rke und Unverg\u00e4nglichkeit, da s\u00e4mtlichen dieser Bauten der bewusst postulierte Anspruch auf \u201eewige\u201c Vorherrschaft zugrunde liegt, der zudem mit Hilfe einer mythenschaffenden Historie in den \u00fcberwiegenden F\u00e4llen auf einen g\u00f6ttlichen Auftrag oder gar g\u00f6ttliche Herkunft des entsprechenden Herrscherclans hinweist.<a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/kirchplatz.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1191\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/kirchplatz-150x150.jpg\" alt=\"kultbauten im alpenraum, kitzbuehel 2003, dr. arkadasch, arteologie\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>o steht etwa noch in der kleinsten Siedlung des tiroler Raumes ein Kirchenbau oder zumindest eine Kapelle, die meist reichlich ornamental und klerikal geschm\u00fcckt die kultische Verbundenheit und das widerspruchslose Primat der Geistlichkeit im Bezug auf das Alltagsleben widerspiegeln. Auch wenn die umgebenden H\u00e4user und Geh\u00f6fte bei genauerer Betrachtung das \u00e4usserst schwere und entbehrungsreiche Leben der Alpenbewohner deutlich machen (erst ab der Mitte des vergangenen Jahrhunderts wurden die meisten dieser Siedlungen um Neubauten erweitert, die entsprechend der wirtschaftlichen Prosperit\u00e4t von dieser strukturellen Abh\u00e4ngigkeit losgel\u00f6st erscheinen), wurden offenbar keinerlei Kosten und M\u00fchen gescheut um die jeweiligen kultischen Bauten und Geb\u00e4ude in dauerhafter &#8211; und gr\u00f6sstenteils mit reichem kunsthandwerklichem Schmuck versehen \u2013 pr\u00e4sentativer Architektur zu errichten. Die Fragw\u00fcrdigkeit eines derartigen Vorgehens, vor allem unter Ber\u00fccksichtigung der durchwegs \u00e4usserst prek\u00e4ren wirtschaftlichen \u00dcberlebensm\u00f6glichkeiten des gemeinen Volkes, kann nur im Vergleich mit anderen V\u00f6lkern und Kulturen in einem gesamthistorischen Konnex beantwortet werden: Mit der Sesshaftigkeit der vormals nomadisierenden Bev\u00f6lkerung entstand der Anspruch auf Privateigentum, der an allen Orten und in allen Kulturen zur Herausbildung von hierarchischen Strukturen f\u00fchrte die in einem weiteren Schritt aus gleichberechtigten Gruppenmitgliedern zur Unterscheidung zwischen Herrschenden und Untertanen f\u00fchren musste. Die Wertigkeit des einzelnen bezog sich nicht mehr aus seiner individuellen Existenz, sondern aus dem jeweiligen Besitzstand, der zwar normativ gesch\u00fctzt die jeweilige Lebensgrundlage darstellte, gleichzeitig aber den \u00fcbergeordneten Interessen der jeweiligen Eliten unterstand. Nur so war es m\u00f6glich das gemeinsam erwirtschaftete Verm\u00f6gen in jenem kultisch, pr\u00e4sentativen Bereich zu subsumieren, der gleichzeitig das Gemeinschaftsgef\u00fchl st\u00e4rkte und die Vorherrschaft der Eliten prolongierte. Dies zeigt sich in aller Deutlichkeit mit der Herausbildung einer geburtsabh\u00e4ngigen Vormachtstellung, die nur in den seltensten F\u00e4llen durch individuelle Leistung von elitenfernen Personen durchbrochen werden konnte und in nahezu allen europ\u00e4ischen Kulturen vorwiegend patriarchal gepr\u00e4gt war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Untersuchung von kultischen Pl\u00e4tzen bietet daher generell gesehen meist einen direkten Zugang zur arteologischen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1099"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1099"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1099\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1192,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1099\/revisions\/1192"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1099"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1099"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1099"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}