{"id":1102,"date":"2015-10-12T21:46:19","date_gmt":"2015-10-12T19:46:19","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1102"},"modified":"2016-01-05T20:36:53","modified_gmt":"2016-01-05T18:36:53","slug":"kitzbuhel-juli-oktober-2003-ausgrabungsprotokoll-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1102","title":{"rendered":"Kitzb\u00fchel, Juli &#8211; Oktober 2003, Ausgrabungsprotokoll 21"},"content":{"rendered":"<p>Aus diesem Ansatz heraus wurde vom Grabungsteam eine systematische Befragung der <em>Kitzbueheler<\/em> Bev\u00f6lkerung initiiert. Als Grundlage dienste dabei die \u00f6rtliche Erinnerungsst\u00e4tte im unmittelbaren Grenzbereich des Grabungsgel\u00e4ndes. Dieses Miteinbeziehen der Bev\u00f6lkerung diente neben der arteologischen Zwecksetzung gleichzeitig der Herausbildung eines positiven Vertrauens zur Grabungst\u00e4tigkeit an diesem speziellen Platz. Es galt dabei mit der erforderlichen Sensibilit\u00e4t zuerst die betroffenen Familien von der Notwendigkeit von systematischen Grabungen an dieser Gedenkstelle zu \u00fcberzeugen. Dazu arbeitete <em>Mag. Peter Stolz<\/em>, der <em>Polyglaciologe<\/em> dieser Expeditionen ein dreidimensionales Modell des Grabungsgel\u00e4ndes aus, welches er mit mehreren Skizzen erg\u00e4nzte, die in anschaulicher Art und Weise das geplante Vorgehen bei dieser Grabung schrittweise erl\u00e4uterten. Oberstes Ziel dabei war die Unbeschadetheit und der respektvolle Schutz und Umgang der gegenw\u00e4rtigen Erinnerungsstele, mit einem gleichzeitigen, permanenten Zugang des pflegenden und betreuenden Personals.<\/p>\n<p>Gerade in famili\u00e4ren Angelegenheiten und schmerzvollen Schicksalsschl\u00e4gen ist es unabdingbar, die Trauerarbeit und die daraus resultierenden emotionalen Empfindungen der betroffenen Angeh\u00f6rigen und Freunde vorbehaltlos zu respektieren. Eine tiefe Kenntnis der dazugeh\u00f6renden soziokulturellen und kultisch-ethischen Verhaltensschemata ist daf\u00fcr unabdingbar. Zweifelsfrei kann und muss hier der rein wissenschaftliche Zugang in den Hintergrund treten, und das Primat der Empathie als tragende Grundlage jedes diesbez\u00fcglichen Gespr\u00e4chs dienen.<\/p>\n<p>Ohne einheimische Kr\u00e4fte, die nicht nur die Befindlichkeiten der jeweiligen Betroffenen in den erforderlichen Gesamtkontext richtig einzuordnen verstehen, sondern auch die situationsbedingte Sprache des Miteinanders pflegen, k\u00f6nnen derartige wissenschaftliche Anliegen keinesfalls positiv abgeschlossen werden. Es ist dieser Feinf\u00fchligkeit und dem Verst\u00e4ndnis von <em>Mag. Peter Stolz<\/em> zu verdanken, dass es mithilfe seiner Vorbereitungen gelungen ist, in einem w\u00fcrdevollen Miteinander die Grabungserlaubnis im direkten Umfeld der Erinnerungsstele zu erhalten.<\/p>\n<p>Erst mit dieser schriftlich erteilten Erlaubnis wurde in einem ausgew\u00e4hlten Personenkreis die Befragung der Bev\u00f6lkerung durchgef\u00fchrt. Das Hauptaugenmerk dabei lag auf der Erfassung und Einordnung von m\u00fcndlich \u00fcberlieferten Mythen und Anekdoten die zwar in einem direkten Zusammenhang mit dem Grabungsgel\u00e4nde ganz allgemein standen, jedoch auch die speziellen lokalen Ereignisse erfasste, die teils in Sagen, teils in lokal spezifizierten M\u00e4rchen ihren Niederschlag fanden.<a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/analyse.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1194\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/analyse-150x150.jpg\" alt=\"analyse, dr. arkadasch, kitzbuehel 2003, arteologie\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die dabei gesammelten Materialien wurden untereinander verglichen und auf \u00dcbereinstimmungen \u00fcberpr\u00fcft, wobei sich rasch herausstellte, dass bereits mit der Erstfundung im Jahr 2001 (Fundamentreste aus Trockenmauerung) ein sogenannter Hot-Spot entdeckt wurde und damit die bisherigen Arbeiten und Planungen best\u00e4rkte. Zudem konnte durch diese Befragungen einmal mehr die \u00f6rtliche Bev\u00f6lkerung mit in die arteologischen Arbeiten und Abl\u00e4ufe eingebunden werden. In einer eigens dazu einberufenen Informationsveranstaltung stellten sich <em>Dr<\/em>. <em>Arkadasch Dag<\/em> und sein Team den noch offenen Fragen der Bev\u00f6lkerung. Gleichzeitig wurde dieser Abend dazu verwendet um den interessierten Einheimischen und den lokalen Medienvertretern sowie einer Abordnung des Landes Tirols (<em>Dr. Gerald Reichberger<\/em>, Leiter der <em>Arch\u00e4ologischen Abteilung<\/em> samt Mitarbeiterinnen) die bisherigen Funde (Keramiken und die beiden metallenen <em>Cult<\/em>&#8211;<em>Objecte<\/em>) aus arteologischer Sicht n\u00e4her zu bringen und \u2013 entsprechend einem gr\u00f6sseren Zusammenhang \u2013 die bisherigen arteologischen Expeditionen mitsamt ihren wissenschaftlichen Ergebnissen entsprechend dem Anlass vorzustellen.<\/p>\n<p>Gerade bei Forschungsarbeiten, die, so wie hier im Raum Nordtirol, seit \u00fcber 20 Jahren immer wieder und oftmals bisherige Annahmen verwerfend, zu neuen Erkenntnissen f\u00fchren, die das Selbstbild einer Gemeinschaft nachhaltig ver\u00e4ndern werden, ist es unabdingbar auch in Form von popul\u00e4rwissenschaftlichen Vortr\u00e4gen die Akzeptanz der Betroffenen insoweit sicher zu stellen, damit die nachfolgenden Arbeiten und weiteren Untersuchungen positiv und zielorientiert weitergef\u00fchrt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus diesem Ansatz heraus wurde vom Grabungsteam eine systematische Befragung der Kitzbueheler Bev\u00f6lkerung initiiert. 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