{"id":1107,"date":"2015-10-19T20:51:27","date_gmt":"2015-10-19T18:51:27","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1107"},"modified":"2016-01-05T20:39:18","modified_gmt":"2016-01-05T18:39:18","slug":"kitzbuhel-juli-oktober-2003-ausgrabungsprotokoll-22","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1107","title":{"rendered":"Kitzb\u00fchel, Juli &#8211; Oktober 2003, Ausgrabungsprotokoll 22"},"content":{"rendered":"<p>Fakten die, in einem gr\u00f6sseren Zusammenhang betrachtet, durchaus als logisch und historisch nachvollziehbar erscheinen, werden in kleinv\u00f6lkischen Gruppierungen lediglich insofern akzeptiert, als sie im Grossen und Ganzen dem Selbstbildnis der eigenen Gesellschaft entsprechen. Die dabei generell angewandte Methode besteht in der jeweiligen Adaption der bereits vorher vorhandenen Mythen und Sagen, sowie in deren Einbindung in die Wunschvorstellung der eigenen Genese. So kann in allen Kulturen auf Entstehungsmythen zur Werdung der Erde (und des Wassers als auch der Luft) und der Erschaffung des Menschen zur\u00fcckgegriffen werden, die dann in der einen oder anderen Form f\u00fcr die jeweiligen historischen Bed\u00fcrfnisse \u2013 meist r\u00fccksichtslos und in willk\u00fcrlicher Umdeutung bisheriger Fakten \u2013 umgedeutet werden. Erst mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Geschichte und deren Losl\u00f6sung von Kulten und jeweiliger Priesterschaft ist es gelungen innerhalb des Gesamtkontextes aus kultureller Beforschung und Anthropologie eine faktenbezogenen Basis zu erstellen, aus welcher die unterschiedlichen Zusammenh\u00e4nge und gegenseitigen Beeinflussungen schl\u00fcssig nachweisbar sind. Gleichwohl gilt es selbstkritisch anzumerken, dass selbst die Wissenschaften nicht \u00fcber jenes Ausmass an Freiheit in Lehre und Forschung verf\u00fcgen, welches notwendig erscheint, um den vielschichtigen Indoktrinationen diverser politischer Systeme, Ideologien und Religionsgemeinschaften unbeeinflusst zu widerstehen, wobei hier noch nicht einmal dem jedem Forschen innewohnenden Dilemma der Ver\u00e4nderung des beobachteten Objektes durch die Beobachtung selbst die Aufmerksamkeit zugesprochen wird.<\/p>\n<p>Umso wichtiger ist es, anhand von unbestrittenen Fakten auch gegen\u00fcber einer wissenschaftsfernen indigenen Bev\u00f6lkerung jene Wahrheiten anzusprechen, die in weiterer Folge eventuell sogar zu einer tiefgreifenden Ersch\u00fctterung des eigenen Selbstbildnisses f\u00fchren k\u00f6nnen. Als zielf\u00fchrend hat sich dabei bei den bisherigen Pr\u00e4sentationen der Expeditionsergebnisse der arteologischen Expeditionen der <em>Freien Universit\u00e4t Izmir<\/em> im Raum <em>Nordtirol<\/em> erwiesen, vermeintlich ungewohnte oder gar unangenehme Wahrheiten betreffend die Genese der Tiroler Bev\u00f6lkerung aus einem gr\u00f6sseren Zusammenhang heraus zu argumentieren und dabei in einer Art von vergleichender Darstellung die Gemeinsamkeiten jedes soziokulturellen und kultischen Werdens herauszustellen, sodass weder die transalen noch insistalen Beeinflussungen als lediglich fremdgesteuerte Beeinflussungen wahrgenommen werden, denen das eigene, gruppenspezifische Dasein weitestgehend wehrlos und schicksalhaft ausgeliefert war.<\/p>\n<p>Allein schon mit der Akzeptanz einer zentraleurop\u00e4ischen Verbundenheit, die auch den n\u00f6rdlichen Teil <em>Italiens<\/em>, sowie den <em>slawischen<\/em> <em>Kulturbereich<\/em> des n\u00f6rdlichen <em>Balkans<\/em> mit einschliesst, wird vollkommen klar, dass es den origin\u00e4ren, im kultischen Sinne \u201ereinen\u201c Tiroler unm\u00f6glich geben kann. Dies belegen neben den neuesten Erkenntnissen dieser arteologischen Expeditonen bereits die bisherigen einschl\u00e4gigen arch\u00e4ologischen und historischen Forschungen.<a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/Di\u00f6zesangrenze.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1197\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/Di\u00f6zesangrenze-150x150.jpg\" alt=\"di\u00f6zesangrenze, nordtiroler unterland, kitzbuehel 2003, dr. arkadasch, arteologie\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>Dennoch- oder trotzdem &#8211; lebt der Mythos des freien, unbeugsamen und unabh\u00e4ngigen Volkes in den Alpen weiter: zwar k\u00f6nnen die Beweise und wissenschaftlichen Erkenntnisse verstandesm\u00e4ssig zur Einsicht in gr\u00f6ssere Zusammenh\u00e4nge f\u00fchren, es gen\u00fcgt jedoch die Analyse des nach wie vor unver\u00e4ndert praktizierten Brauchtums um festzustellen, wie erschreckend klein in diesen Zusammenh\u00e4ngen die Fackel der Vernunft im emotionalen Bereich leuchtet. Gerade am Beispiel <em>Kitzbuehel<\/em> zeigt sich dies sehr deutlich: im Laufe der letzten Jahrhunderte (um hier bewusst eine zeitliche Eingrenzung vorzunehmen, da noch \u00e4ltere Basisvergleiche jedwede wissenschaftliche Diskussion entbehrlich machen) unterstand der Raum <em>Kitzbuehel<\/em> in grossen Teilen salzburgischen und \/ oder bayrischen Herrschaftsanspr\u00fcchen und geh\u00f6rte so selbstverst\u00e4ndlich nicht zum geografischen, \u00f6konomischen, administrativen und kulturellen Bereich <em>Nordtirols<\/em>. Dies zeigt sich noch heute in der katholischen Grenzziehung der di\u00f6zesanen Zuteilung: so ist das <em>Tiroler<\/em> <em>Unterland<\/em> ab dem <em>Zillertal<\/em> (das im Tal selbst durch den Lauf der <em>Zillertaler<\/em> <em>Ache<\/em> geteilt wird) der <em>Di\u00f6zese<\/em> <em>Salzburg<\/em> zugeteilt und lediglich westlich dieser Grenze geh\u00f6rt <em>Nordtirol<\/em> zur <em>Di\u00f6zese<\/em> <em>Innsbruck<\/em>.<\/p>\n<p>Trotzdem gilt es als Affront, einem indigenen Bewohner des Raum <em>Kitzbuehels<\/em> seinen Status als Tiroler abzusprechen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fakten die, in einem gr\u00f6sseren Zusammenhang betrachtet, durchaus als logisch und historisch nachvollziehbar erscheinen, werden&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1107"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1107"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1107\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1198,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1107\/revisions\/1198"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1107"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1107"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1107"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}