{"id":1114,"date":"2015-11-04T22:03:54","date_gmt":"2015-11-04T20:03:54","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1114"},"modified":"2016-01-05T20:45:37","modified_gmt":"2016-01-05T18:45:37","slug":"kitzbuhel-juli-oktober-2003-ausgrabungsprotokoll-24","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1114","title":{"rendered":"Kitzb\u00fchel, Juli &#8211; Oktober 2003, Ausgrabungsprotokoll 24"},"content":{"rendered":"<p>Dennoch stellt die Besitzfrage f\u00fcr jede aktuelle Fundung eine spezifische Herausforderung dar. Mag zwar in der wissenschaftlichen Gemeinde ausser Streit stehen, dass es sich bei allen mehr als 150 Jahre alten Fundungen um nichtnational deutbare organische \u00dcberreste und\/oder Artefakte handelt, so zeigt sich st\u00e4ndig aufs neue die jeweilige Tendenz der lokalen eingeborenen Bev\u00f6lkerungen und deren Administrationen, die eigne Saga oder den eigenen Mythos umgehend durch die jeweilig neuen Ergebnisse best\u00e4rken und festigen zu wollen. Selbst in den vermeintlich gebildet erscheinenden Kreisen wird oftmals das Primat der Wissenschaft der jeweilig herrschenden Ideologie nur allzugerne unter geordnet, um die eigene habiturielle und intellektuelle Position der Gemeinschaft mit popul\u00e4rwissenschaftlichen Exzerpten zu st\u00e4rken. Dass dies ausnahmslos einer nahezu willk\u00fcrlich erscheinenden Zurechtbiegung von Tatsachen bedarf erschwert jede arteologische Arbeit vor Ort in grossem Ausmass. Es bedarf daher neben der wissenschaftlichen Lauterkeit einer st\u00e4ndigen educativen Begleitung, deren Zielsetzung einzig darauf ausgerichtet ist, die geistige Okupation von Fundungen durch das jeweilige \u201eVolksempfinden\u201c weitestgehend zu verunm\u00f6glichen, und den bildungsm\u00e4ssigen Ansatz \u00fcber die lokalen Wunschvorstellungen einer ideologisierenden Vereinnahmung in den Gesamtkonnex des arteologischen Ansatzes einzubringen.<\/p>\n<p>Gerade in einer kulturellen, tranistal und insistal \u00e4usserst inhomogenen Region, wie sie naturgem\u00e4ss eine derart gewaltige, einen Kontinent teilende Gebirgslandschaft darstellt, ist das Bestreben nach ideologischer und gesellschaftlicher Identit\u00e4t eine Grundvoraussetzung f\u00fcr eine dauerhafte gemeinschaftliche Ordnung, mit allen dabei zu Tage tretenden Verwerfungen und arttypisch erscheinenden Absonderlichkeiten. Der Raum <em>Nordtirol<\/em> steht hierbei, im Rahmen s\u00e4mtlicher, bisheriger arteologischer Expeditionen exemplarisch f\u00fcr s\u00e4mtliche, \u00e4hnlich gelagerte Erscheinungsformen , wie sie in aller Deutlichkeit von <em>Jeremy Straightonsfield<\/em> in seinen <em>Untersuchungen \u00fcber das regulative Element der arch\u00e4logischen Forschungen im Selbstverst\u00e4ndnis spezifischer Bev\u00f6lkerungsgruppen (Universit\u00e4t Manchester, 1994, Scientific Files, Manchester)<\/em> herausgearbeitet wurden.<\/p>\n<p><em>Straightonsfield<\/em> beschreibt dabei, wie etwa im heutigen <em>Weissrussland<\/em> versucht wird, aus den arch\u00e4ologischen, arteologischen und Geschichtlichen Erkenntnissen eine indigen bedingte Vorherrschaft der eigenen Nation gegen\u00fcber den anderen slawischen Staaten und St\u00e4mmen abzuleiten und zu begr\u00fcnden, wobei der grundlegende Ansatz dazu lediglich darin beruht, dass der Landstrich <em>Polesien<\/em>, ein im S\u00fcden <em>Weissrusslands<\/em> gelegenes Gebiet, als m\u00f6gliche Urheimat der slawischen V\u00f6lker insgesamt angesehen wird. Die daraus abgeleitete Begr\u00fcndung einer eigenen Sonderstellung beruht dabei auf einer bewussten Ausser-Acht-Lassung s\u00e4mtlicher historisch belegter Fakten und insbesondere auf einer aktiven Negierung aller transistalen und insistalen Faktoren, die, wie <em>Straightonsfield<\/em> nachhaltig mittels genetischer Analysen der Bev\u00f6lkerung belegt jedem Ansatz eines \u201ereinen\u201c \u2013 das heisst unvermischten \u2013 \u201eVolkes\u201c kontr\u00e4r zuwiderl\u00e4uft.<a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/tiroler.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1201\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/tiroler-150x150.jpg\" alt=\"tiroler, kitzbuehel 2003, dr. arkadasch, arteologie\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>Dies zeigt sich auch bei den \u201eTirolern\u201c, die zu keiner Zeit eine in sich homogene und abgeschlossene Volksgruppe bildeten, sondern s\u00e4mtlich und ausnahmslos aus einer, im Vergleich zu den Nachbarl\u00e4ndern sogar \u00fcberdurchschnittlichen Vermischung verschiedenster Bev\u00f6lkerungsgruppen hervorgegangen sind. Umso vehementer wurde und wird daher, einerseits entsprechend dem Bed\u00fcrfnis nach soziokultureller Einheit und andererseits dem Streben nach lokaler Integrit\u00e4t und Sicherheit gehorchend, der Mythos der gesellschaftlichen Besonderheit hochgehalten und teilweise bis ins absurde gesteigert.<\/p>\n<p>Hier die Balance zwischen zumutbarer Wahrheit und m\u00f6glichem Verst\u00e4ndnis aufrecht zu erhalten ist eine schwierige Aufgabenstellung einer jeden arteologischen Expedition, die schon aus ihrem Selbstverst\u00e4ndnis heraus unweigerlich zu neuen Erkenntnissen der eigenen Genese f\u00fchren m\u00fcssen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dennoch stellt die Besitzfrage f\u00fcr jede aktuelle Fundung eine spezifische Herausforderung dar. 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