{"id":1141,"date":"2015-12-18T20:28:05","date_gmt":"2015-12-18T18:28:05","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1141"},"modified":"2016-01-05T21:08:30","modified_gmt":"2016-01-05T19:08:30","slug":"kitzbuhel-juli-oktober-2003-ausgrabungsprotokoll-284","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1141","title":{"rendered":"Kitzb\u00fchel, Juli &#8211; Oktober 2003, Ausgrabungsprotokoll 28\/4"},"content":{"rendered":"<p>Die ersten eingehenden humanbiologischen Untersuchungen wurden am <em>Anatomischen &#8211;<\/em> sowie dem <em>Pathologischen Institut der Universit\u00e4t Innsbruck<\/em> durchgef\u00fchrt, um einerseits m\u00f6glichst genaue Erkenntnisse \u00fcber Alter; Geschlecht und Lebensumst\u00e4nde zu erhalten, aber auch um unn\u00f6tige Transportwege nach <em>Izmir<\/em> bzw. <em>Cambridge<\/em> (den beiden f\u00fchrenden Instituten im Bereich der Arteologie) in diesem fr\u00fchen Stadium nach der Bergung zu vermeiden und somit erst nach erfolgter <em>Polyglacialisierung<\/em> (<em>Verfahren nach P. Stolz<\/em>) diesen humanoiden Fund einer generellen wissenschaftlichen Aufarbeitung zur Verf\u00fcgung zu stellen. Ziel dieser Untersuchungen ist die Feststellung der \u201eallgemeinen Daten\u201c, die vorab dazu dienen, jedes Fundst\u00fcck einer ersten und beweisbaren Katalogisierung zuzuf\u00fchren. Je mehr verifizierbare Datei hiebei angelegt werden k\u00f6nnen, umso effizienter ist nachfolgend eine sparten- und f\u00e4cher\u00fcbergreifende Gesamtanalyse des Fundes im speziellen, aber auch in weiterf\u00fchrender Weise, die Historie seiner soziokulturellen Einbindung innerhalb eines bestimmten Habitatsbereiches m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Die Untersuchungen in Innsbruck wurden dabei erstmalig unter der Obhut der Leiterin des <em>Arch\u00e4ologischen Instituts der Universit\u00e4t Bologna, Frau DDr. Celestine Prochazka <\/em>durchgef\u00fchrt, die in einer Online-Schaltung bei allen wesentlichen Besprechungen zugeschaltet war und gemeinsam mit <em>Dr. Arkadasch Dag<\/em> den Pathologen und Anatomen der <em>Innsbrucker Universit\u00e4t<\/em> die entsprechenden Parameter der arch\u00e4ologischen als auch arteologischen Fragestellungen verdeutlichten, um so das Augenmerk auf Details zu richten, die im Normfall ausserhalb des pathologischen Interesses liegen, bzw. war es hin und wieder notwendig das gewohnte Prozedere pathologischer Abl\u00e4ufe zu stoppen um den Fund als solchen vor unwiederbringlicher, teilweiser Zerst\u00f6rung zu retten. Hiebei geb\u00fchrt besonders <em>Mag. Peter Stolz<\/em> mit seinem <em>Polyglacialisierungsverfahren<\/em> besonderer Dank, der es sehr anschaulich vor Ort verstand mittels seiner Methode zu verdeutlichen, dass nachfolgende Untersuchungen an diesem organischen Material jederzeit m\u00f6glich sind, ohne jedoch dabei irreversible Kollateralsch\u00e4den in Kauf nehmen zu m\u00fcssen. Dass diese Vorgangsweise unter Umst\u00e4nden diametral zu den Intentionen der Pathologie im allgemeinen steht, war von Beginn an klar, es zeugt jedoch von der Qualit\u00e4t der interdisziplin\u00e4ren Zusammenarbeit, dass beinahe wie selbstverst\u00e4ndlich der Forschergeist \u00fcber die jeweils eigenen tradierten Ansichten obsiegte und in gegenseitigem Respekt und Einvernehmen innert k\u00fcrzester Zeit hochqualitative Ergebnisse erzielt werden konnten.<a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/kitzi-14.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1221\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/kitzi-14-150x150.jpg\" alt=\"protokollierung humanoider fund, kitzbuehel 2003, dr. arkadasch, arteologie\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>So handelt es sich bei diesem am 28. August 2003 im Ausgrabungsgel\u00e4nde \u201e<em>Kitzbuehel<\/em>\u201c gefundenen humanoiden Fund um einen rechten Unterarm, der post mortem direkt unter dem Gelenksbereich des Ellbogenkomplexes mittels eines scharfen Gegenstandes abgetrennt wurde. Ob es sich dabei um eine spezielle Art von S\u00e4ge gehandelt hat l\u00e4sst sich zum momentanen Zeitpunkt nicht feststellen, klar ist aber, dass die kn\u00f6chernen Schnittstellen in einem zweiten Arbeitsschritt begradigt und gegl\u00e4ttet wurden, um einen m\u00f6glichst sauberen Abschluss f\u00fcr nachfolgenden Konservierungsarbeiten zu erhalten. Das Knochenmark wurde dabei entfernt, aber, und dies ist erstmalig bei humanoiden Funden in <em>Nordtirol<\/em> zu beobachten, die Hauptsehnenstr\u00e4nge hin zur Handwurzel wurden, soweit sie nach der Durchtrennung noch aus dem Gewebe zu l\u00f6sen waren, unter Zug gesetzt und mittels metallenen Stiften an Elle und Speiche fixiert. <a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/2015-06-15-08.04.39.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1224\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/2015-06-15-08.04.39-150x150.jpg\" alt=\"post polyglacialisierung, kitzbuehel 2003, dr. arkadasch, arteologie\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Diese Technik impliziert, dass die verstorbene oder get\u00f6tete Person unmittelbar nach dem Tode, zumindest aber vor dem Einsetzen der Leichenstarre dieser postmortalen Amputation unterzogen wurde, da ansonsten eine derartige Vorgangsweise unm\u00f6glich gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Da keinerlei rituelle Hinweise auf irgendeine Form eines Menschenopfers gefunden wurden, kann davon ausgegangen werden, dass die entsprechende Person entweder eines nat\u00fcrlichen Todes verstorben ist, oder aber t\u00f6dlich verunfallte, bzw. in einer gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzung ihr Leben lassen musste. Auszuschliessen ist dabei, dass es sich um ein Hinrichtungsopfer handelt, da f\u00fcr verurteilte Delinquenten (sowohl in religi\u00f6ser als auch s\u00e4kularer Hinsicht) zu keiner Epoche irgendwelche konservierende oder mumifizierende Techniken angewandt wurden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die ersten eingehenden humanbiologischen Untersuchungen wurden am Anatomischen &#8211; sowie dem Pathologischen Institut der Universit\u00e4t&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1141"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1141"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1141\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1225,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1141\/revisions\/1225"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1141"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1141"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1141"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}