{"id":1145,"date":"2015-12-19T19:55:46","date_gmt":"2015-12-19T17:55:46","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1145"},"modified":"2016-01-05T21:10:25","modified_gmt":"2016-01-05T19:10:25","slug":"kitzbuhel-juli-oktober-2003-ausgrabungsprotokoll-285","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1145","title":{"rendered":"Kitzb\u00fchel, Juli &#8211; Oktober 2003, Ausgrabungsprotokoll 28\/5"},"content":{"rendered":"<p>Die gewebsforensischen Untersuchungen dieses humanoiden Fundes wurden wiederum vom bew\u00e4hrten Team um Frau <em>Prof. habil. Dr. Esther Goldbl\u00fch vom Forensischen Instituts der Universit\u00e4tspathologie in Bremen <\/em>durchgef\u00fchrt. In ihrem vorl\u00e4ufigen Abschlussbericht schreibt sie unter anderem:<\/p>\n<p><em>Beim vorgelegten Objekt handelt es sich um einen rechten Unterarm einer m\u00e4nnlichen Person die zum Zeitpunkt des Ablebens zwischen 35 und 40 Jahre alt gewesen sein d\u00fcrfte. Diese Altersbestimmung basiert auf der dermatochronischen Analyse der Nagelbette und Fingern\u00e4gel\u00fcberreste und kann mangels sonstiger entsprechender organischer \u00dcberreste (wie Z\u00e4hne, Haare, etc.) mit einer Genauigkeit von +\/- 2,5 Jahren angegeben werden. Weder die Handinnenseite noch die Handoberfl\u00e4che weisen Spuren von Verletzungen durch Gewalteinwirkung auf. Es sind auch keine \u00e4usseren oder inneren (soweit dies im r\u00f6ntgenologischen Bildverfahren eines Mumienpr\u00e4parats feststellbar ist) fr\u00fchere und somit verheilte Verletzungen zu erkennen. Trotz der Einbalsamierung ist deutlich erkennbar, dass weder arbeitsbedingte Schwielen noch anatomische Ver\u00e4nderungen wie sie durch langj\u00e4hrige, einseitige Abn\u00fctzungsprozesse infolge manueller Arbeits\u00adverrichtungen entstehen, vorzufinden sind. Sowohl die Hand als auch der Unterarm, der bis zum Gelenksbereich des Ellenbogens reicht, legen den Schluss nahe, dass es sich bei dieser m\u00e4nnlichen Person um einen Angeh\u00f6rigen zumindest der damaligen gesellschaftlichen Mittelschicht gehandelt haben muss, da sowohl Die Nagelbette samt Nagelwurzeln auf regelm\u00e4ssige Manik\u00fcre schliessen lassen. Soweit vom heutigen Standpunkt aus feststellbar wurden sowohl der Handr\u00fccken als auch der Unterarm einer regelm\u00e4ssigen Enthaarung unterzogen, wobei die Frage unbeantwortet bleiben muss, ob speziell die Enthaarung des Unterarms nicht einzig dem Einbalsamierungsprozess geschuldet wurde, da zum Ellenbogen hin die Unterarmaussenseite von einigen wenigen gr\u00f6sseren Hautporen unterbrochen ist, die gegebenenfalls auf eine Enthaarung post mortem schliessen lassen k\u00f6nnten. <\/em><\/p>\n<p><em>Zum Mumifizierungsprozess: <\/em><\/p>\n<p><em>Nach dem Ausbluten und der Fixierung der bewegungsrelevanten Fingersehnen an Radius (Speiche) und Ulna (Elle) und einer damit verbundenen, dauerhafte zu erzielenden Hand- und Fingerhaltung, erfolgte eine bis zu 14 t\u00e4gige Dehydrierung in Form einer Einlagerung in Salz, die sich in ihrer typischen Pigmentierung der Lederhaut niedergeschlagen hat. Im n\u00e4chsten Schritt wurde der gesamte Unterarm in eine Art Teig eingebettet (Mischungsverh\u00e4ltnis: 2 Teile Lehm, 1 Teil Salz) um verbliebene Restfeuchtigkeit heraus zu l\u00f6sen und gleichzeitig einen luftdichten Abschluss des organischen Materials zu gew\u00e4hren, um dergestalt sowohl Verwesungsprozesse als auch fungizide Verunreinigungen, die zu einer sp\u00e4teren Gewebs- und Knochenzerst\u00f6rung von innen her f\u00fchren k\u00f6nnten, zu vermeiden. Reste dieser Lehm-Salzmischung wurden in Spuren im Nagelbett des digitus minimus (Kleiner Finger) vorgefunden.<a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/Baumharz.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1226\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/Baumharz-150x150.jpg\" alt=\"harzgewinnung, kitzbuehel 2003, dr. arkadasch, arteologie\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/em><\/p>\n<p><em>Die Einbalsamierung erfolgte in einem Mehrschichtverfahren. Die daf\u00fcr verwendete Paste wurde aus floralen Hartholzpechen hergestellt. In nicht eindeutig verifizierbaren Mischungsverh\u00e4ltnissen wurde daf\u00fcr das Harz der nicht zu dieser Zeit im Alpenraum heimischen Walnuss (Juglandaca) und der Sumpf-Eiche (Quercus palustris) mit Potasche und ungel\u00f6schtem Kalk vermengt und vermutlich in einem zumindest mittelstark erw\u00e4rmten Gemenge in mehreren Schritten aufgetragen, wobei auf Grund der Objektgr\u00f6sse davon ausgegangen werden kann, dass diese Balsamierungen im Tauchverfahren durchgef\u00fchrt wurden. Chemisch betrachtet erfolgt dabei eine Beizung mit gleichzeitigem luftdichtendem Abschluss, der sowohl eine desinfizierende als auch konservierende dauerhafte Wirkung entwickelt. <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die gewebsforensischen Untersuchungen dieses humanoiden Fundes wurden wiederum vom bew\u00e4hrten Team um Frau Prof. habil&#8230;.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1145"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1145"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1145\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1228,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1145\/revisions\/1228"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1145"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1145"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1145"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}