{"id":1300,"date":"2016-03-07T20:56:21","date_gmt":"2016-03-07T18:56:21","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1300"},"modified":"2016-03-07T20:56:21","modified_gmt":"2016-03-07T18:56:21","slug":"brixental-mai-oktober-2007-ausgrabungsprotokoll-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1300","title":{"rendered":"Brixental, Mai &#8211; Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 14"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/cult_objecte-2.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1301\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1301\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/cult_objecte-2-150x150.jpg\" alt=\"cult_objecte, triptychon, brixental, 2007, dr. arkadasch, arteologie\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Mit der \u00d6ffnung dieser Gesteinsnische, die sich vom k\u00fcnstlich im Zuge des Strassenbaus aufgesch\u00fcttetem Ausweich- bzw. Parkplatz in einer H\u00f6he von 2,34 m oberhalb des Schnittpunkts der Aplanierungskante mit der nat\u00fcrlichen B\u00f6schung befindet, wurde sofort die starke gestalterische \u00c4hnlichkeit der Anordnung dieser drei <em>Cult-objecte<\/em> mit dem im <em>Lechtal<\/em> vorgefundenen Triptychon augenf\u00e4llig ( sh. \u201e<em>Lechtal, Juli \u2013 September 1992, Ausgrabungsprotokoll 15\/1 bis 15\/3<\/em>\u201c). Sowohl von der in einem gleichseitigen Dreieck \u00e4hnelnden Aufstellung der drei <em>Cult-objecte<\/em>, als auch in ihrem inneren, gestalterischen Zusammenwirken weisen die Gesamtmerkmale s\u00e4mtlicher formstilistischer Elemente eine deutliche \u00dcbereinstimmung mit dem Triptychonfund an der Ausgrabungsstelle im <em>Lechtal<\/em> auf. Zum einen steht das zentrale <em>Cult-object<\/em> in beiden F\u00e4llen mittig angeordnet und korrespondiert \u00fcber eine verschneidende Winkelachse mit den beiden anderen, links- und rechtsseitig angeordneten <em>Cult-objecten<\/em>. Diese Hervorhebung des mittleren Zentralst\u00fccks wird durch eine leicht erh\u00f6hte Position zus\u00e4tzlich betont und ergibt insgesamt eine in sich geschlossen wirkende Darstellung einer dreiteiligen Bildhaftigkeit, wie sie immer wieder in unterschiedlichsten kultischen Darstellungen diverser V\u00f6lkerschaften nicht nur im gesamten eurasischen Bereich vorzufinden ist.<\/p>\n<p>Die granitene Verschlussplatte konnte dem Granitvorkommen am <em>Alpeiner Scharte<\/em> (2960 m \u00fc. M.), dem hochalpinen \u00dcbergang vom Wi<em>p<\/em>ptal ins <em>Zillertal,<\/em> eindeutig zugeordnet werden. Unterhalb dieser Scharte, im Bereich des S\u00fcdwestgrates des <em>Alpeiner Schartenkopfes<\/em> befindet sich das gr\u00f6sste und bedeutendste Molybd\u00e4nvorkommen der Ostalpen, welches bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts abgebaut wurde. Es gilt somit als erwiesen, dass neben dem Austausch von Handelsg\u00fctern auch ein montanistischer Erfahrungs- und Materialaustausch zumindest sp\u00e4testens in der <em>Hocharteologischen Epoche<\/em> erfolgt ist.<\/p>\n<p>Die Platte selbst wurde in Rechtecksform aus einem einzigen Stein herausgearbeitet, die Kanten sorgsam gegl\u00e4ttet und in einen passgenau vorbereiteten Mauereinlass mithilfe eines M\u00f6rtelgemisches aus Lehm, Kalk und Potasche eingef\u00fcgt. Es gibt keinerlei Hinweise, dass diese Verschlussplatte in irgendeiner Art beweglich, bzw. \u00f6ffen- oder schwenkbar montiert war, vielmehr ist davon auszugehen, dass diese Platte als geplante und beabsichtigte Permanentversiegelung eines rituellen Kultbereichs ausgef\u00fchrt wurde, vergleichbar mit den sp\u00e4terhin in katholischen Kirchen vorfindbaren Tabernakeln, die unter anderem dazu dienen, spezifische Kult- und Weihegegenst\u00e4nde einerseits zu sch\u00fctzen und andererseits der permanenten Zurschaustellung f\u00fcr die Anh\u00e4ngerschaft in bewusster Weise zu entziehen, um dergestalt den mystischen Aspekt der rituellen Folgehandlungen in dramaturgischer Weise zu unterst\u00fctzen. Eine klare Unterscheidung stellt die Tatsache dar, dass mit der dauerhaften Anbringung der granitenen Verschlusstafel jedoch keinerlei weitere Zurschaustellungen der rituellen Inhalte mehr m\u00f6glich waren.<\/p>\n<p>Sowohl die Innenseite als auch die Aussenseite der granitenen Verschlusstafel sind vollkommen glatt und schmucklos, weisen lediglich minimale und mit freiem Auge kaum wahrnehmbare Bearbeitungsspuren auf. Es wurden auch keinerlei sp\u00e4tere mechanische Bearbeitungsspuren \u2013 weder kultisch bedingte noch s\u00e4kular beabsichtigte, wie etwa zerst\u00f6rerische Handlungen durch arch\u00e4ologische Diebst\u00e4hle \u2013 entdeckt, sodass hier tats\u00e4chlich eine vollkommen intakte Kultnische freigelegt wurde, die sowohl in ihrer Gestaltung als auch Ausformung bis auf wenige Anzeichen eines nat\u00fcrlichen Materialverbruchs den urspr\u00fcnglichen und origin\u00e4ren Status widergeben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der \u00d6ffnung dieser Gesteinsnische, die sich vom k\u00fcnstlich im Zuge des Strassenbaus aufgesch\u00fcttetem Ausweich-&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1300"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1300"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1300\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1302,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1300\/revisions\/1302"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1300"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1300"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1300"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}