{"id":1320,"date":"2016-03-30T20:10:15","date_gmt":"2016-03-30T18:10:15","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1320"},"modified":"2016-03-30T20:10:15","modified_gmt":"2016-03-30T18:10:15","slug":"brixental-mai-oktober-2007-ausgrabungsprotokoll-151","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1320","title":{"rendered":"Brixental, Mai &#8211; Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 15\/1"},"content":{"rendered":"<p>Als R\u00fcckseite wird jene Seite der <em>Cult-objecte<\/em> bezeichnet, die von einem Betrachter, der vor der Kultnische steht, oder sich an dieser vorbei bewegt, abgewendet und daher nicht einsichtig ist. Alle drei <em>Cult-objecte<\/em> dieses Triptychons zeigen mit ihrer konvexen Griffst\u00fcckseite nach aussen, w\u00e4hrend die konkav geformten teile zur r\u00fcckw\u00e4rtigen Felswand weisen. Dadurch wird optisch ein nach aussen gerichtetes Bild der drei <em>Cult-objecte<\/em> vermittelt, stellt somit ein symbolisches Geben dar und kein Nehmen im Sinne eines materiellen Anspruchs. Diese Darstellungsweise wurde bisher bei s\u00e4mtlichen Fundungen von <em>Cult-objecten<\/em> dieser Art im Raum <em>Nordtirol<\/em> vorgefunden. Derartige plastische Wirkungen werden auch heute noch in dieser mittlerweile christianisierten, alpinen Bergregion in lokalen, kleinformatigen Kultpl\u00e4tzen gerne verwendet. W\u00e4hrend etwa das <em>Judentum<\/em> und der <em>Islam<\/em> eine dreidimensionale Gestaltigkeit, die \u00fcber das rein ornamentale hinausgeht, vollkommen ablehnen, zeigt das <em>Christentum<\/em> \u2013 in etwa vergleichbar mit den vielgestaltigen Darstellungen unterschiedlichster humaner und animalistischer G\u00f6tterdarstellungen im <em>Hinduismus<\/em> und <em>Buddhismus<\/em> \u2013 eine sehr breit gef\u00e4cherte, teilweise sogar hyperrealistische Darstellung von unterschiedlichen Szenarien menschlicher, tierischer und auch religi\u00f6s verkl\u00e4rten Thematiken, die \u00fcber eine reine Abbildung des menschlichen Daseins hinausgehen und den Anspruch auf eine optische Gottesebenbildlichkeit erheben. Selbst stilistische Br\u00fcche \u2013 so ist etwa die Darstellung Gottes im Christentum sowohl mit Bart, als auch ohne Bart vorzufinden; die verschiedenen Abbilde des Sohnes von Gott, von Jesus Christus, entsprechen weitestgehend den jeweils vorherrschenden Moden und physiognomen Stereotypen der jeweils ausf\u00fchrenden K\u00fcnstler. Insgesamt ist festzuhalten, dass die Vielzahl von Heiligen (einer Art von Unterg\u00f6ttern, vergleichbar mit den olympischen G\u00f6ttern des antiken Griechenlands), sowohl m\u00e4nnlicher als auch weiblicher Art, in ihrer Ausgestaltung ganz wesentlich die spezifischen, lokalen Charakteristika ihrer Zeit in Bezug auf K\u00f6rpersprache, formaler Ausf\u00fchrung und physiognomischer Typologie widerspiegeln. Mit der Oktroyierung der christlichen Religion \u00fcber die Bewohnerschaft des mitteleurop\u00e4ischen Alpenraums wurden auch bewusst und in der f\u00fcr jede neue Machtaus\u00fcbung typischen Gr\u00fcndlichkeit s\u00e4mtliche bestehende Kultpl\u00e4tze assimilativ und \/ oder okkupativ in den neuen Kult eingef\u00fcgt und mit entsprechenden kultischen Bauten (in <em>Nordtirol<\/em> Kapellen und Kirchen in und um die jeweiligen Ansiedelungen) oder miniat\u00fcrlich, im kleineren Massstab gehaltenen Gedenkst\u00e4tten (\u201eMarterlen\u201c \u2013 wie diese religi\u00f6s &#8211; kultischen, stelenartig errichteten Baulichkeiten an Wegkreuzungen oder sonstigen entsprechenden Pl\u00e4tzen im Volksmund genannt werden) versehen. <a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/triptychon-christlicher-altar.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1321\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1321\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/triptychon-christlicher-altar-150x150.jpg\" alt=\"triptychon, christlicher altar, dr. arkadasch, arteologie\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Vom Optisch-Gestalterischen her betrachtet, ist festzustellen, dass dabei h\u00e4ufig auf jene althergebrachte, vorchristliche triptychonale Grundform zur\u00fcckgegriffen wurde, wie sie etwa klar und deutlich bei der Darstellung der Kreuzigungsszene von <em>Jesus<\/em> <em>Christus<\/em> am Berg \u2013 mit zwei zus\u00e4tzlich links und rechts von ihm gekreuzigten Personen \u2013 zum Tragen kommt. Diese Grundform findet sich auch h\u00e4ufig im Inneren von Kirchen und Kapellen, bei der bildnerisch, k\u00fcnstlerischen Ausgestaltung von Alt\u00e4ren. Im Zentrum steht dabei meist ein Votivbild, als thematische und auch erz\u00e4hlerische Kernaussage, die links und rechts entweder durch weitere Tafelbilder (vgl. das \u201e<em>Isenheimer Altarbild<\/em>\u201c von <em>Matthias<\/em> <em>Gr\u00fcnewald<\/em>, geschaffen von 1506 bis 1515 n. Chr.), oder aber geschnitzte Statuen und Statuetten flankiert werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als R\u00fcckseite wird jene Seite der Cult-objecte bezeichnet, die von einem Betrachter, der vor der&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1320"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1320"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1320\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1322,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1320\/revisions\/1322"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1320"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1320"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1320"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}