{"id":1331,"date":"2016-04-17T20:44:26","date_gmt":"2016-04-17T18:44:26","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1331"},"modified":"2016-04-17T20:44:26","modified_gmt":"2016-04-17T18:44:26","slug":"brixental-mai-oktober-2007-ausgrabungsprotokoll-17","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1331","title":{"rendered":"Brixental, Mai &#8211; Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 17"},"content":{"rendered":"<p>Mit den eingeborenen Hilfskr\u00e4ften erfolgt die Kommunikation \u00fcberwiegend auf Deutsch, w\u00e4hrend im Expeditionsteam \u2013 wie international \u00fcblich &#8211; gr\u00f6sstenteils in Englisch gesprochen wird, bzw. aufgrund der organisatorischen Struktur T\u00fcrkisch. W\u00e4hrend es durchaus m\u00f6glich ist einfache Anleitungen, Anordnungen, sowie kurzwortige Ge- und Verbote in Englisch an die eingeborenen Hilfskr\u00e4fte dergestalt zu erteilen, dass sie auch verstanden und umgesetzt werden k\u00f6nnen, scheitert der \u00fcberwiegende Teil der eingeborenen Hilfskr\u00e4fte bei dar\u00fcber hinaus reichenden englischsprachigen Kommunikationsformen vollst\u00e4ndig, sodass weder von einer einfachen Sinnerfassung oder gar einem rudiment\u00e4ren Textverst\u00e4ndnis gesprochen werden kann. Dies erstaunt insofern, als dass gerade der Raum <em>Nordtirol<\/em> seit nunmehr einem halben Jahrhundert zu einer bedeutenden fremdenverkehrs\u00adm\u00e4ssigen Destination aufgestiegen ist, und somit fraglos auf eine funktionierende und auch mehrsprachige Kommunikation mit G\u00e4sten und auch Fremdpersonal angewiesen scheint. Zwar kann im Mittelbau der Bildungseinrichtungen auf ein dem europ\u00e4ischen Durchschnitt entsprechendes Angebot an lebenden Sprachen im Unterricht zugegriffen werden, jedoch erfolgt gerade in der Altersstufe der zehn bis 14 J\u00e4hrigen kein geeigneter Fremdspracherwerb in jenen Schulen, die sich nur mehr mit den bereits zuvor segmentierten lernschw\u00e4cheren Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern bildungstechnisch besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/schultafel.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1332\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-thumbnail wp-image-1332\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/schultafel-150x150.jpg\" alt=\"Kreide\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>Es ist verwunderlich, dass in <em>\u00d6sterreich<\/em>, einer demokratischen Republik in Zentraleuropa, nach wie vor bereits im Alter von 9 bis 10 Jahren eine rigorose Selektion der Kinder im Bezug auf deren schulische Leistungen erfolgt und das weiterf\u00fchrende Bildungssystem weder gen\u00fcgend Anreize noch M\u00f6glichkeiten f\u00fcr eine gezielte F\u00f6rderung von eventuell brachliegenden oder aber erst zu entwickelnden F\u00e4higkeiten bietet. Die vergleichsweise niedere Akademikerquote <em>\u00d6sterreichs<\/em> (die zweitniedrigste in der <em>Europ\u00e4ischen<\/em> <em>Union<\/em>) ist eine direkte Folge dieser fr\u00fchen Separation. Andererseits bietet das <em>\u00d6sterreichische<\/em> <em>Bildungssystem<\/em> eine handwerkliche Ausbildung auf h\u00f6chstem internationalem Niveau, was sich in qualitativ hochwertigen Produkten und Dienstleistungen niederschl\u00e4gt, jedoch am Sektor der Allgemeinbildung, insbesondere f\u00fcr leistungsschw\u00e4chere Schulbesucher, deutliche Mankos im Erwerb von Fremdsprachen sowie sozialen Kulturwerkzeugen (Grundlagen politischen Wissens, Demokratieverst\u00e4ndnis, geschichtliche Zusammenh\u00e4nge etc.) nach zieht.<\/p>\n<p>Punktuell wird zwar durch themenspezifische Schulungen (z.B. fremdsprachliches Vokabular und standardisierte Phrasen in touristischen Einrichtungen) dagegen angearbeitet, doch vermag diese Vorgangsweise die grundlegenden Defizite meist nicht nachhaltig auszugleichen.<\/p>\n<p>In den handwerklichen Hilfsbereichen, in denen \u00fcberwiegend angelernte Kr\u00e4fte ohne eigene Fachausbildung t\u00e4tig sind, schl\u00e4gt sich dies in oftmals schwierigen Kommunikationsprozessen nieder, da einerseits die lokalen Mentalit\u00e4ten der Arbeitskr\u00e4fte zu ber\u00fccksichtigen sind und andererseits jeder komplexere Arbeitsablauf in \u00fcberschau- und erlernbare Einzelschritte zerlegt und mit \u00dcbungsanleitungen n\u00e4hergebracht werden muss. Hiezu erschwerend wirkt sich dabei das typische, und nicht nur im Raum Nordtirol anzutreffende Ressentiment gegen\u00fcber F\u00fchrungskr\u00e4ften aus, die nicht aus dem unmittelbaren kulturellen Umfeld der eingeborenen Bev\u00f6lkerung stammen. Es hat sich daher als sehr vorteilshaft erwiesen, dass s\u00e4mtliche Schritte, angefangen vom Auswahlverfahren der anzustellenden Hilfskr\u00e4fte bis hin zur thematischen Schulung der arteologischen Belange, in den bew\u00e4hrten H\u00e4nden unseres Expeditionsfotografen und Aquarellisten Herrn <em>Herwig<\/em> <em>Angerer<\/em> und <em>Mag<\/em>. <em>Peter<\/em> <em>Stolz<\/em> eigenverantwortlich wahrgenommen werden, da sie nicht nur seit der ersten arteologischen Expedition zum erweiterten Team geh\u00f6ren, sondern zudem in <em>Nordtirol<\/em> geboren und aufgewachsen sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit den eingeborenen Hilfskr\u00e4ften erfolgt die Kommunikation \u00fcberwiegend auf Deutsch, w\u00e4hrend im Expeditionsteam \u2013 wie&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1331"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1331"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1331\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1333,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1331\/revisions\/1333"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1331"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1331"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1331"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}