{"id":1337,"date":"2016-04-21T21:00:22","date_gmt":"2016-04-21T19:00:22","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1337"},"modified":"2016-04-21T21:00:22","modified_gmt":"2016-04-21T19:00:22","slug":"brixental-mai-oktober-2007-ausgrabungsprotokoll-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1337","title":{"rendered":"Brixental, Mai &#8211; Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 19"},"content":{"rendered":"<p>Jede transitale Wanderbewegung die in weiterer Folge zu einer Niederlassung im Sinne einer dauerhaft angelegten Besiedelung mutiert, muss sich notgedrungen aus dem urspr\u00fcnglichen Siedlungs- und Habitatsverband herausl\u00f6sen und aus sich heraus eine gemeinschaftliche Grundlage herausbilden, die es dieser Gruppe erm\u00f6glicht, innerhalb eines zu definierenden Rahmens eine eigenst\u00e4ndige Bestandsform im neu bezogenen und besiedelten Umfeld zu bilden. Laut den Studien <em>von Dr. Arkadasch Dag<\/em> erfolgt eine derartige Beniederlassung generell auf zwei Arten:<\/p>\n<ol>\n<li>Im Falle einer Okkupation (die entweder milit\u00e4risch, \u00f6konomisch oder aber auf beiden Wegen erfolgt) wird die vorherige Bestandskultur ausgel\u00f6scht bzw. derart assimiliert, dass sie lediglich nur mehr in rudiment\u00e4ren Ans\u00e4tzen nachweisbar und vorhanden ist. In diesem Falle wird innerhalb kurzer Zeit der neue Lebensraum durch die siegreichen Okkupanten sowohl kulturell als auch administrativ derart bewirtschaftet, dass innert weniger Jahrzehnte und Generationen sich diese \u00dcberw\u00e4ltigung in verkl\u00e4render Weise in den Mythen der Genese der eigenen Volkswerdung niederschl\u00e4gt und dergestalt weitestgehend die Wurzeln der urspr\u00fcnglich ans\u00e4ssigen Gemeinschaft marginalisiert werden.<\/li>\n<li>Bei jenen transitalen Beniederlassungen die nicht auf Okkupation beruhen, sondern auf der terrestrischen \u00dcbernahme von bisherigem Brachland (wobei kleinr\u00e4umige lokale territoriale Konflikte durchaus verschiedentlich nachweisbar sind), definiert sich das eigene soziale Grundgef\u00fcge erstmals \u00fcber die migrative Unzul\u00e4nglichkeit, da innerhalb der Gruppe noch jene Erfahrungswerte weitgehend fehlen, die es ihr erm\u00f6glichen \u00fcber Routinen und tradierte Arbeitsabl\u00e4ufe die klimatischen und dadurch wirtschaftlich bedingten Alltagsabl\u00e4ufe im Hinblick auf die eigenen Humanressourcen schonend und nachhaltig zu bew\u00e4ltigen. Dies f\u00fchrt zu einer enklavischen und gruppendynamischen Abgrenzung zu indigenen Nachbargruppen und f\u00f6rdert das bewusste Festhalten an den eigenen, urspr\u00fcnglich in einem anderen Lebensumfeld entwickelten Traditionen, Gebr\u00e4uchen und Sitten. <a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/13linden.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1338\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1338\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/13linden-150x150.jpg\" alt=\"13linden, foto kurier, dr. arkadasch, arteologie\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Gegenw\u00e4rtig kann dies in aller Deutlichkeit in der Niederlassung <em>Treze Tilias<\/em> (zu deutsch <em>Dreizehnlinden<\/em>), die im ausgehenden 19. Jahrhundert von Tiroler Wirtschaftsfl\u00fcchtlingen im brasilianischen Bundesstaat <em>Santa<\/em> <em>Catarina<\/em> gegr\u00fcndet wurde. Dort wird noch immer die Tiroler Tracht getragen, ein Tiroler Dialekt gesprochen und auch die urspr\u00fcnglichen (somit gegen\u00fcber dem urspr\u00fcnglichen Herkunftsland veralteten und teilweise \u00fcberholten) Traditionen werden bewusst gelebt. [<em>\u201eTransitale Wanderbewegungen und ihre Auswirkungen im okkupativer und migrativer Subsumation, anhand des Beispiels Treze Tilias (Dreizehnlinden) im brasilianischen Santa Catarina\u201c, Freie Universit\u00e4t Izmir, Arteologisches Institut, Dr. Arkadasch Dag, 1978<\/em>]<\/li>\n<\/ol>\n<p>Demzufolge ist aufgrund der neuzeitlichen Mobilit\u00e4t und des daraus entstandenen Tourismus f\u00fcr den Raum <em>Nordtirol<\/em> eine deutliche Differenz zwischen den urbanen Bereichen im Inntal, und hier besonders in der Landeshauptstadt <em>Innsbruck<\/em> mit seinem Verwaltungszentrum und seiner Universit\u00e4t, und den l\u00e4ndlichen Siedlungsbereichen feststellbar. W\u00e4hrend in den urbanen Zentren durchaus eine den europ\u00e4ischen Standards entsprechende Vielschichtigkeit an kulturellen Ausdrucksformen vorzufinden ist, fehlt eine derartige Offenheit in den l\u00e4ndlichen Gebieten fast vollst\u00e4ndig und f\u00fchrt mit zunehmender touristischer Bewirtschaftung zu einer deutlich feststellbaren, enklavistischen Abschottung, die ihren Ausdruck in einem teilweise naiv anmutendem Festhalten an \u00fcberlieferten Traditionen findet, die oftmals sinnentleert lediglich der Definition des eigenen Status dienen, ohne dar\u00fcber hinaus eine positive Lebensperspektive zu vermitteln. Fortschritt wird daher lediglich als materielle Besserstellung verstanden und nicht als geistige Entwicklung per se.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jede transitale Wanderbewegung die in weiterer Folge zu einer Niederlassung im Sinne einer dauerhaft angelegten&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1337"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1337"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1337\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1339,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1337\/revisions\/1339"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1337"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1337"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1337"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}