{"id":1393,"date":"2016-06-14T22:10:32","date_gmt":"2016-06-14T20:10:32","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1393"},"modified":"2016-06-14T22:10:32","modified_gmt":"2016-06-14T20:10:32","slug":"arteologische-kontextbefundung-der-fundrelevanten-grabungsergebnisse-der-grabungsstelle-brixental","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1393","title":{"rendered":"Arteologische Kontextbefundung der fundrelevanten Grabungsergebnisse der Grabungsstelle \u201eBrixental\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Arteologische Kontextbefundung der fundrelevanten Grabungsergebnisse der Grabungsstelle \u201eBrixental\u201c, Team \u201eBrixental\u201c; Bearbeitungsstatus: Mai 2009.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Prim\u00e4re Gesamtsichtung der inhumanoiden Artefakte in Bezug auf besiedlungstechnische und habitatsimmanente arteologische Strukturen<\/strong>:<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Funde der Grabungsstelle \u201e<em>Brixental<\/em>\u201c lassen sich in vier Kategorien einteilen:<\/p>\n<ol>\n<li>keramoide Funde<\/li>\n<li>metallene Miniaturen und Werkzeuge<\/li>\n<li>besiedelungsrelevante architektonische Fragmente, und:<\/li>\n<li>humanoide Funde<\/li>\n<\/ol>\n<p>In den stilistischen Elementen und auch der technischen Ausf\u00fchrung der im Grabungsgebiet <em>Brixental<\/em> vorgefundenen keramoiden Funde zeigt sich insbesondere in der angewandten Ornamentik als auch in der handwerklichen Ausf\u00fchrung der Gef\u00e4sswandungen eine entwicklungsspezifische Zweigeteiltheit, die sich im \u00e4sthetischen Gestalten in einer insgesamten Verfeinerung der verwendeten Muster, Girlanden und dekorativ eingesetzten Linien darstellt, w\u00e4hrend gleichzeitig die Wandungen der Gef\u00e4sse wesentlich d\u00fcnner, hin zu einer artefaktoriellen Feinheit tendieren, die eindeutig auf eine technische Verbesserung der verwendeten T\u00f6pferscheiben zur\u00fcckf\u00fchrbar ist. Rein h\u00e4ndisch sind dergestaltige, in sich nahezu symmetrisch aufgebaute und von einer durchgehenden D\u00fcnnwandigkeit gepr\u00e4gte Schalen, Sch\u00fcsseln und Tassen nicht herstellbar. Vielmehr ist hier bereits von einer gewissen kunsthandwerklichen Produktionstechnik auszugehen, wie sie im Bereich der gesamten europ\u00e4ischen <em>Alpen<\/em> zu diesem Zeitpunkt lediglich in <em>Norditalien<\/em> und dem heutigen s\u00fcd\u00f6stlichen <em>Frankreich<\/em> \u2013 und auch hier nur punktuell und nicht fl\u00e4chendeckend &#8211; nachgewiesen werden konnte. W\u00e4hrend aber im Raum Nordtirol einzig hier im <em>Brixental<\/em> bisher eine lokal existierende Manufaktur gefunden wurde \u2013 die Analyse der verwendeten Tonerden belegt deren Herkunft aus dem Raum <em>Fritzens<\/em>\/<em>Inntal<\/em> (wo auch heute noch Ton- und Lehmvorkommen wirtschaftlich genutzt werden) \u2013 ist festzuhalten, dass diese verfeinerten Fertigungstechniken in den oben beschriebenen Gebieten der Alpenregion zwar nicht der Bedarfsbefriedigung der allt\u00e4glichen Notwendigkeiten dienten, dennoch aber, wie die allgemeine Verbreitung selbst in den Wohneinheiten der durchschnittlichen Bev\u00f6lkerung belegt, einen allgemeinem dekorativen und schm\u00fcckenden Zweck erf\u00fcllten. Die Formensprache der technischen und gestalterischen Ausf\u00fchrung der Funde im <em>Brixental<\/em> belegt eine direkte Verbindung zu den Manufakturen in Norditalien. Aufgrund der geografischen Lage und der seit Jahrhunderten bestehenden Handelswege \u00fcber den Gebirgszug der <em>Hohen Tauern<\/em> kann sowohl von einer bewussten \u00dcbernahme besagter Fertigungstechniken ausgegangen werden, als auch von einer steten transistalen Beeinflussung, die in der f\u00fcr die eingeborenen Bev\u00f6lkerung im Raum <em>Nordtirol<\/em> typischen plagiativen Opportunit\u00e4t sich sukzessive angepasst hat. Das Fehlen von eigenst\u00e4ndigen, gestalterischen Elementen, der Mangel an origin\u00e4r zu bezeichnender Innovation ist nachgerade typisch f\u00fcr die sesshafte Bev\u00f6lkerung in <em>Nordtirol<\/em>, verweist aber andererseits auf die aus diesem Mangel bedingte Notwendigkeit einer generellen und strukturellen Anpassung an transistale Einfl\u00fcsse, die noch heute Hand in Hand mit einer nahezu naiv und teilweise zwanghaft anmutenden Bewahrung vermeintlicher Traditionen und Wertevorstellungen einhergeht.<\/p>\n<p>Im gesamten Grabungsgebiet wurden keinerlei Hinweise auf gewaltsame Okkupationen im besagten Zeitraum festgestellt. Die Fundst\u00fccke an dieser schluchtartigen Engstelle bei <em>Hopfgarten<\/em> belegen somit eine infrastrukturelle Dienstleistungskompetenz, die sich im Bewahren und Instandhalten der entsprechenden Wegtrassierung und den damit verbundenen M\u00f6glichkeiten des Handelns und Beherbergens dauerhaft manifestiert hat. Somit steht einmal mehr nicht der herrschende sondern der dienende Charakter insgesamt im Vordergrund, der mit eine Voraussetzung f\u00fcr eine unterw\u00fcrfige Akzeptanz transistaler Beeinflussungen darstellt.<\/p>\n<p>Die sp\u00e4rlichen Funde von metallenen Gebrauchsgegenst\u00e4nden beschr\u00e4nken sich auf einfache Werkzeuge du Haushaltsgegenst\u00e4nde ohne irgendeinen origin\u00e4ren Gestaltungsansatz. W\u00e4hrend bei den keramoiden Funden die transistalen Einfl\u00fcsse zu einer technischen und formalen artefiziellen Weiterentwicklung f\u00fchrten, fehlt ein derartiger Ansatz bei den Werkzeugen und Haushaltshilfsmitteln zur G\u00e4nze. Dies indiziert sehr klar, dass vorab lediglich die\u00a0 politischen und geistigen Eliten dieses Siedlungsgebietes einerseits die positiven Wertigkeiten von sogenannten \u201efremden\u201c Beeinflussungen erkannt haben und andererseits die sich daraus ergebenden Vorteile bewusst zur Absicherung ihres Status und zur Abgrenzung gegen\u00fcber der restlichen Wohnbev\u00f6lkerung eingesetzt haben.<\/p>\n<p>Noch deutlicher zeigt sich diese Trennung in Herrschende und Beherrschte in der Ausf\u00fchrung der Kultnische und des <em>Triptychons<\/em> aus drei metallenen <em>Cult-Objecten<\/em>: hier tritt in aller Deutlichkeit der Unterschied zwischen admirativer Huldigung durch die beherrschte Bev\u00f6lkerungsschicht und zielgerichteter kutlischer Aktivit\u00e4t durch die religi\u00f6se Elite zu Tage. In der Bearbeitung und Gestaltung des metallenen Triptychons spiegelt sich sowohl vom Aufwand (Metallgewinnung, Metallbearbeitung), als auch in der artefiziellen Umsetzung die gesellschaftliche Struktur wider. W\u00e4hrend das Gros der sesshaften Bev\u00f6lkerung seinen Lebensunterhalt mit landwirtschaftlichen und einfachen gewerblichen T\u00e4tigkeiten fristete, widmeten sich die kultischen und, in eingeschr\u00e4nktem Mass wohl auch die politischen Eliten, der Gestaltung des soziokulturellen Umfelds und der Bewahrung der gesellschaftlichen Klassenstruktur unter Ausnutzung tradierter Sitten und Gebr\u00e4uche, sowie durch die damit verbundenen Interpretationshoheit der jeweils entsprechend adaptierbaren kultischen Vorschriften. Die dabei symbolistisch eingesetzten <em>Cult-Objecte<\/em> betonen einerseits in ihrer Darstellung als <em>Triptychon<\/em> die gewollte Dreiteilung der Gemeinschaft in kultische F\u00fchrung (zentraler Mittelpunkt), in politische Leitung und in angeleitetes und gef\u00fchrtes Fussvolk und andererseits manifestieren sie mit dieser gemeinschaftlichen Zur-Schau-Stellung eine in sich geschlossene Einheit, die zum einen unhinterfragbar bleibt und zum anderen als logische Konsequenz die Unterordnung und Unterw\u00fcrfigkeit des Fussvolkes einfordert.<\/p>\n<p>Diese kritiklose Akzeptanz einer hierarchischen Struktur entsprach und entspricht derartig dem Wesen der nordtirolerischen Bev\u00f6lkerung, sodass sie sich auch heute noch weitestgehend wie selbstverst\u00e4ndlich im politischen Alltagsleben in nahezu allen Bereichen wiederfindet.<\/p>\n<p>Es handelt sich somit um kein lokales und der Zeit entsprechendes Charakteristikum, sondern, gerade auch im Kontext mit den bisherigen Untersuchungsergebnissen s\u00e4mtlicher arteologischer Funde im Raum Nordtirol, um ein wesenimanentes Daseinsparadoxon, welches nachweislich bis in die Gegenwart wirkt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong>Arteologische Befundung des humanoiden Fundes der Grabung \u201eBrixental\u201c:<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die <em>Petromumifikation<\/em> der linken, maskulinen Hand stellt ein bisher im gesamten Alpenraum in dieser Art und Weise nicht vorgefundenes Spezifikum dar. Sowohl die im Keramikbrandverfahren hergestellte Mumifikation, als auch die streng geometrisch ausgeformte Quaderbildung des umgebenden Brandblocks aus einem Ton-Lehm-Gemisch schliessen einen rein zuf\u00e4lligen und ungewollten Konservierungsvorgang aus. Die Untersuchungen und Analysen dieser linken, maskulinen Hand sind durch diese <em>Petromumifizierung<\/em> allerdings auf rein materialchemische und physikalische Techniken beschr\u00e4nkt, da keinerlei verwertbare organische Spuren dieses humanoiden Fundes vorfindbar sind. Die zweifelsfreie Zuordnung zu einem tats\u00e4chlich und urs\u00e4chlich vorhandenem menschlichen Organismus erfolgte somit ausschliesslich anhand anatomischer Kriterien, wobei die perfekte Erhaltung der insgesamten Oberfl\u00e4chenstruktur dieser Hand, im Verein mit den chemischen Analysen des petromumifizierten Gewebematerials eindeutig und unzweifelhaft die Aussagen von Frau <em>Dr. Marga Sudanavesi<\/em> und ihrem Team belegt. Durch die <em>Polyglacialisierung<\/em>, welche erstmalig vor Ort von <em>Mag. Peter Stolz <\/em>durchgef\u00fchrt wurde, <a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/DSC05149.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1394\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1394\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/DSC05149-150x150.jpg\" alt=\"&quot;brixi&quot;, brixental, humanoider fund, arteologie, dr. arkadasch\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>k\u00f6nnen und konnten zahlreiche Proben f\u00fcr interdisziplin\u00e4re und weiterf\u00fchrende Beforschungen den verschiedensten universit\u00e4ren Einrichtungen weltweit zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Die bisher daraus erzielten Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:<\/p>\n<ol>\n<li>Es handelt sich bei diesem humanoiden Fund des \u201e<em>Brixi<\/em>\u201c (so sein popul\u00e4rwissenschaftlicher Name, der mittlerweile auch in wissenschaftlichen Kreisen einschl\u00e4gig zur Verwendung kommt) um eine linke maskuline Hand, welche post mortem von einer verstorbenen m\u00e4nnlichen Person amputativ noch vor der Einsetzen der Leichenstarre abgetrennt wurde.<\/li>\n<li>Aufgrund ihrer Beschaffenheit und der anatomischen Merkmale ist diese Hand eindeutig dem indogermanischen Typus zuordenbar.<\/li>\n<li>Die gesamte Oberfl\u00e4che dieser linken, maskulinen Hand weist keinerlei erkennbare Verwundungen oder Verletzungen auf. Vielmehr wirkt die Hand als Ganzes feingliedrig und \u00e4usserst gepflegt. Dies zeigt sich deutlich an den Nagelbetten und Fingern\u00e4geln, die weder handarbeitstypische Beeintr\u00e4chtigungen oder gar Gebrauchsverformungen durch jahrelange manipulative T\u00e4tigkeiten (wie etwa durch dauerhaften Gebrauch von Werkzeugen verschuldet) vorweisen, noch qualitative Ver\u00e4nderungen an der Oberhaut, wie sie durch Kontakt mit \u00e4tzenden oder sengenden Materialien entstehen.<\/li>\n<li>Die r\u00f6ntgenologischen Untersuchungen erbrachten keinerlei Auff\u00e4lligkeiten im Bereich des Knochenger\u00fcsts; so sind weder Bruchstellen noch arthritische Ver\u00e4nderungen im Bereich der Fingergelenke ersichtlich.<\/li>\n<li>Es ist somit davon auszugehen, dass es sich bei dieser linken, maskulinen Hand um die Extremit\u00e4t eines Mannes aus der kultischen Elite dieses lokalen Siedlungsbereichs handelt. Diese Annahme wird auch durch erfolgte <em>Petromumifizierung<\/em> gest\u00fctzt, da vergleichbare humanoide Funde bei s\u00e4mtlichen arteologischen Expeditionen im Raum <em>Nordtirol<\/em> samt und sonders dem kultischen Leitungspersonal vorbehalten schienen. Obwohl die politischen Eliten zwar im Bereich der kultischen Verwaltung administrativ mit partizipierten \u2013 was auch dem Erhalt der hierarchischen Gesellschaftsstruktur mit geschuldet war \u2013 blieb ihnen dennoch die kultische Letztverantwortlichkeit generell verwehrt. K\u00f6rperliche Arbeit war einzig jenen Bev\u00f6lkerungsteilen vorbehalten, die nicht zur kultischen Elite und sp\u00e4terhin wohl auch der politischen Eliten z\u00e4hlten. Erst mit dem Aufkommen der christlichen Kl\u00f6ster hielt auch in diesem Bereich ein teilweises Umdenken im Bezug auf die Wertigkeit von s\u00e4kularer Arbeit Einzug.<\/li>\n<li>Inwieweit es sich origin\u00e4r bei der urspr\u00fcnglichen Person dieser linken, maskulinen Hand um eine Person aus den eingeborenen Bev\u00f6lkerungskreisen handelt, oder aber um einen Zugeh\u00f6rigen einer von ausw\u00e4rts stammenden oder abstammenden Person, kann zur Zeit nicht beantwortet werden.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arteologische Kontextbefundung der fundrelevanten Grabungsergebnisse der Grabungsstelle \u201eBrixental\u201c, Team \u201eBrixental\u201c; Bearbeitungsstatus: Mai 2009. &nbsp; Prim\u00e4re&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1393"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1393"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1393\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1395,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1393\/revisions\/1395"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1393"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1393"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1393"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}