{"id":1405,"date":"2016-07-26T22:21:22","date_gmt":"2016-07-26T20:21:22","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1405"},"modified":"2016-07-26T22:21:22","modified_gmt":"2016-07-26T20:21:22","slug":"zillertal-juni-oktober-2012-ausgrabungsprotokoll-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1405","title":{"rendered":"Zillertal, Juni &#8211; Oktober 2012, Ausgrabungsprotokoll 3"},"content":{"rendered":"<p>Das gesamte <em>Zillertal<\/em> hat sich seit den 1950er Jahren in eine massentourismustaugliche Region verwandelt, die nun aber auch zunehmend versucht vom Image des Billigtourismus wegzukommen und vermehrt auf hochqualitative Angebote setzt. Dies schl\u00e4gt sich in sehr deutlicher Weise in der \u00fcberwiegend sehr gut ausgebauten Infrastruktur und einem st\u00e4ndig steigenden Prozentsatz von diversen Freizeitangeboten jenseits der Skitouristik nieder. So hat nicht nur die kulinarische Vielfalt und Qualit\u00e4t in den letzten Jahren den Anschluss an den mitteleurop\u00e4ischen, gehobenen Durchschnitt gefunden, sondern auch die G\u00fcte der Unterbringungs- und Beherbergungsbetriebe insgesamt.<a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/europahaus.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1406\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1406\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/europahaus-150x150.jpg\" alt=\"kongresszentrum, mayrhofen, arteologie, dr. arkadasch\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a> Hotels der gehobenen Klasse sind in beinahe jedem Ort zu finden, ebenso \u00f6ffentliche und halb\u00f6ffentliche Einrichtungen wie Sommerrodelbahnen, Hallenb\u00e4der, Klettersteige, lokale Museen und kulturelle Einrichtungen wie Konzerthallen, Kongresszentren und Musikpavillons.<\/p>\n<p>Der land- und forstwirtschaftliche Sektor, sowie die mittelst\u00e4ndigen Handwerks- und Industriebetriebe sind gr\u00f6sstenteils zumindest im Nebenerwerb mit der Vermietung von Zimmern und Appartements wirtschaftlich verbunden und das allt\u00e4gliche Leben der eingeborenen Bev\u00f6lkerung hat sich ohne nennenswerten Widerstand vollkommen in diese groteske Symbiose integriert.<\/p>\n<p>Dies erscheint bei n\u00e4herer Betrachtung als vollkommen schl\u00fcssig, da noch vor einem Jahrhundert das gesamte <em>Zillertal<\/em> zu einer der \u00e4rmsten Regionen von <em>Nordtirol<\/em> z\u00e4hlte, insbesondere in seinen Seitent\u00e4lern und den abgelegenen Gebieten der Bergbauernh\u00f6fe. Mit dem einsetzen des Tourismus erlangte die ans\u00e4ssige Bev\u00f6lkerung einen bescheidenen Wohlstand, der innert k\u00fcrzester Zeit zu einer g\u00e4nzlichen Neugestaltung des wirtschaftlichen und soziokulturellen Alltags f\u00fchrte, der sich in aller Deutlichkeit in der vollst\u00e4ndigen Unterordnung aller traditionellen Gebr\u00e4uche und Lebensformen manifestiert. Dies offenbart sich einerseits in einer teilweise peinlich anmutenden Anbiederung an s\u00e4mtliche modischen Erscheinungen des Zeitgeistes, wie etwa \u00f6ffentlichen Trinkgelagen f\u00fcr spezifische Kundengruppen, oder den burlesk wirkenden, rein touristisch vermarkteten Festen mit einheimischer Tracht, einheimischen Gebr\u00e4uchen und urspr\u00fcnglich wohl origin\u00e4ren, traditionell gepr\u00e4gten Zusammenk\u00fcnften. Andererseits f\u00fchrt diese ausschliessliche Ausrichtung auf merkantile Umsetzbarkeit zu einer schleichenden Pervertierung der eigenen Identit\u00e4tskriterien, die sich besonders am Sektor der Unterhaltung als billiger und massentauglicher Ausverkauf der eigenen Traditionen niederschl\u00e4gt und gleichwohl mittlerweile den Status einer gewollten Selbstverst\u00e4ndlichkeit beansprucht.<\/p>\n<p>Bedingt durch die touristisch perfekt vermarkteten Sommer- und Wintersaisonen, gilt das <em>Zillertal<\/em> mittlerweile als eine der fremdenverkehrstechnisch umsatzst\u00e4rksten Regionen <em>Nordtirols<\/em>. So hat die Wintersaison 2011\/2012 mit \u00fcber sieben Millionen N\u00e4chtigungen einen neuen Rekord erbracht, und dies bei nur 25 Gemeinden mit einer Gesamtbev\u00f6lkerungszahl von ca. 35.000 Einwohnern.<\/p>\n<p>Eine hohe Zahl von Hotels und Beherbergungsbetrieben gilt als \u00fcberschuldet und ist dennoch gleichzeitig gezwungen durch j\u00e4hrliche Investitionen und den Ausbau der touristischen Angebote den Anschluss an die direkte, oft in der Nachbarschaft befindliche Konkurrenz nicht zu verlieren. Dieser permanente und bereits seit mehreren Jahrzehnten andauernde wirtschaftliche Druck zeigt sich nicht zuletzt im Verhalten der eingeborenen Bev\u00f6lkerung, und findet seinen offenkundigsten Ausdruck in einer, gegen\u00fcber dem Rest der nordtiroler Bev\u00f6lkerung, noch zus\u00e4tzlich erh\u00f6hten, streng nach merkantilen Kriterien gepr\u00e4gtem Dienstleistungsverst\u00e4ndnis.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das gesamte Zillertal hat sich seit den 1950er Jahren in eine massentourismustaugliche Region verwandelt, die&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1405"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1405"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1405\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1407,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1405\/revisions\/1407"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1405"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1405"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1405"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}