{"id":1415,"date":"2016-09-06T11:13:56","date_gmt":"2016-09-06T09:13:56","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1415"},"modified":"2016-09-06T11:13:56","modified_gmt":"2016-09-06T09:13:56","slug":"zillertal-juni-oktober-2012-ausgrabungsprotokoll-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1415","title":{"rendered":"Zillertal, Juni &#8211; Oktober 2012, Ausgrabungsprotokoll 6"},"content":{"rendered":"<p>Neben dem <em>Wipptal<\/em> mit dem <em>Brennerpass<\/em>, der mit 1374 m \u00fc. M. der niedrigste Alpen\u00fcbergang am <em>Nordtiroler Alpenhauptkamm<\/em> gen S\u00fcden ist, stellt das <em>Zillertal<\/em> aufgrund seiner geringen Steigung bis <em>Mayrhofen<\/em> und auch seiner relativen Breite einen bedeutenden nat\u00fcrlichen Verkehrskorridor dar, der vor der Zeit der Besiedelung bereits von Wanderherden \u00fcber Jahrtausende als Verbindung zum <em>Wipptal<\/em> (\u00fcber das <em>Tuxerjoch<\/em>), als auch nach S\u00fcden und vice versa \u00fcber das <em>Pfitscher<\/em><\/p>\n<p><em>Joch<\/em> regelm\u00e4ssig ben\u00fctzt wurde. Funde aus der <em>Mittleren Steinzeit<\/em>, welche am <em>Tuxer<\/em> <em>Joch<\/em> im Jahr 1986 get\u00e4tigt wurden weisen eine auf 2340 m \u00fc. M. liegende Jagdstation aus dem <em>Mesolithikum<\/em> hin. Dabei handelte es sich nachweislich um keine best\u00e4ndige Form einer Siedlung, sondern um eine nomadisch angelegte, rasch \u00f6rtlich versetzbare Lagerstelle, die ausschliesslich der Jagd und den daraus erwachsenden Bed\u00fcrfnissen der J\u00e4ger sowie der Konservierung der Beute (Lufttrocknung, Rauchkonservierung durch Selchen) diente. Vergleichbar erscheint diese Form der Jagdbewirtschaftung mit der noch heute in <em>Nordtirol<\/em> vorherrschenden halbnomadischen Praxis der Viehzucht, bei der in den Sommermonaten das Vieh auf Bergweisen getrieben wird und dort \u00fcber bis in den Herbst verweilt. Hierbei wird das Vieh Ende Juni auf die sogenannten \u201eNiederleger\u201c \u2013 Almen (Alpwiesen) getrieben und nach dem Abgrasen des dortigen Futters auf die \u201eHochleger\u201c \u2013 Almen verbracht, um dort im teilweise weitl\u00e4ufigen alpinen Gel\u00e4nde weitestgehend selbst\u00e4ndig im Herdenverband zu leben. W\u00e4hrend bis vor wenigen Jahrzehnten diese Form der montanen Viehwirtschaft noch mit Milchzucht vereint war \u2013 eine sehr personalintensive Form der Bewirtschaftung, da das Vieh zum t\u00e4glichen Melken mehrmals zusammengetrieben werden musste und die Rohmilch vor Ort durch die \u201eKaser\u201c zu grosslaibigen K\u00e4ser\u00e4dern verarbeitet wurde \u2013 wird heute \u00fcberwiegend durch Jungrinder und in steilen Gel\u00e4ndeabschnitten die Bergbeweidung durch Schafe bevorzugt.<\/p>\n<p>Beim mesolithischen Fund am <em>Tuxer<\/em> <em>Joch<\/em> wurden f\u00fcr die Jagd und das Aufbrechen des Wildes typische Steinger\u00e4te gefunden, die teils aus <em>Feuerstein<\/em> (<em>lapis<\/em> <em>vivus<\/em>) aus der <em>Kreidezeit<\/em> und teils aus <em>Hornstein<\/em> (<em>Jurazeit<\/em>) bestehen. <a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/feuerstein.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1416\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1416\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/feuerstein-150x150.jpg\" alt=\"feuerstein werkzeug, arteologie, dr. arkadasch\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Diese werkzeugtechnische Spezifikation belegt eine bewusste arbeitsabl\u00e4ufige Verwendung unterschiedlicher Materialien gem\u00e4ss den Erfordernissen der jeweiligen manipulativen T\u00e4tigkeiten, wie sie in Ans\u00e4tzen bereits typisch f\u00fcr das <em>Jungpal\u00e4olithikum<\/em> war. Weitere derartige Entdeckungen im <em>Nordtiroler<\/em> Raum wurden in der Gemeinde <em>M\u00fcnster<\/em> (<em>Unterinntal<\/em>) am <em>Ziereinersee<\/em> (<em>Rofangebirge<\/em>), sowie in <em>Osttirol<\/em> (<em>St. Jakob in Defreggen<\/em>, in der N\u00e4he der <em>Lappach-Alm<\/em>) get\u00e4tigt. Gemeinsam ist diesen Funden, dass sie ausschliesslich auf eine nomadische Gesellschaft von J\u00e4gern und Sammlern hinweisen.<\/p>\n<p>Eine erste und d\u00fcnne Besiedelung des <em>Zillertales<\/em> erfolgte vermutlich zwischen 1200 und 800 v. Chr. in der ausgehenden <em>Bronzezeit<\/em>, Siedlungsreste aus der <em>j\u00fcngeren<\/em> <em>Eisenzeit<\/em> (500 v. Chr.) belegen eine sesshafte Bev\u00f6lkerung ab diesem Zeitabschnitt. Einige Ortsnamen tragen in sich vorgermanische und sp\u00e4terhin auch vorr\u00f6mische Sprachwurzeln. Mit der Eroberung des Alpenraumes im Jahre 15 v. Chr. durch die <em>R\u00f6mer<\/em> bildete vermutlich der <em>Ziller<\/em> die Grenze zwischen den Provinzen <em>R\u00e4tien<\/em> im Westen und <em>Noricum<\/em> im Osten. Die eingeborene Bev\u00f6lkerung wurde allm\u00e4hlich romanisiert und teilassimiliert bis um 560 von Norden her eine transitale bajuwarische Einwanderung erfolgte.<\/p>\n<p>Im Jahr 889 erfolgte die erstmalige urkundliche Erw\u00e4hnung als \u201eCilarestale\u201c. Der reiche Grundbesitz der <em>Salzburger<\/em> <em>Erzbisch\u00f6fe<\/em> wurde durch eine Reihe von Schenkungen begr\u00fcndet deren Verwaltung die Meier\u00e4mter von <em>Zell am Ziller<\/em>, <em>Schwendau<\/em> und <em>F\u00fcgen<\/em> \u00fcbernahmen. Im Laufe des 8. Jahrhunderts erfolgte die Christianisierung des <em>Zillertales<\/em> und m\u00fcndete im Jahr 739 in der Festlegung der Bistumsgrenzen zwischen der <em>Di\u00f6zese S\u00e4ben-Brixen<\/em> und der <em>Di\u00f6zese Salzburg<\/em>, wobei der <em>Ziller<\/em> \u2013 den r\u00f6mischen Grenzziehungen entsprechend \u2013 den Grenzfluss bildete. Diese Grenzziehung ist heute noch kirchenrechtlich aufrecht und an der Dachgestaltung der Kircht\u00fcrme ersichtlich: auf der westlichen Seite (heute <em>Di\u00f6zese<\/em> <em>Innsbruck<\/em>) sind die Kircht\u00fcrme \u00fcberwiegend mit roten Ziegeld\u00e4chern eingedeckt, w\u00e4hrend die Kircht\u00fcrme auf der \u00f6stlichen Seite (<em>Di\u00f6zese<\/em> <em>Salzburg<\/em>) gr\u00fcn gedeckt sind. Diese Farbgebung entsteht durch die Verwendung von Kupferblechen, welche sich die reichere <em>Di\u00f6zese<\/em> <em>Salzburg<\/em> leisten konnte.<\/p>\n<p>Erst im Jahr 1816 kam es zur Vereinigung des westlich des <em>Zillers<\/em> gelegenen Talteils mit dem Kronland <em>Tirol<\/em> und damit auch zu <em>\u00d6sterreich<\/em>.<\/p>\n<p>Im Zuge der regen Bergbaut\u00e4tigkeit um <em>Schwaz<\/em> (Silberbergbau) ab 1500 \u2013 <em>Schwaz<\/em> war damals die gr\u00f6sste Bergbaumetropole der damals bekannten Welt \u2013 brachten die Bergknappen auch die lutherische Lehre ins <em>Zillertal<\/em>, die vor allem im inneren Teil grosse Verbreitung fand. Diese \u201e<em>Inklinanten<\/em>\u201c genannten <em>Protestanten<\/em> wurden im Zuge der <em>Gegenreformation<\/em> (<em>Konzil von Trient<\/em>, ab 1545) wurden zunehmend verfolgt und 1837 zum Auswandern gezwungen.<\/p>\n<p>Im 19.Jahrhundert erfolgte mit der Errichtung von Schutzh\u00fctten und entsprechenden Wegen eine erste touristische Erschliessung die in den Jahren 1953 und 1954 mit dem Bau des Skigebietes <em>Gerlosstein<\/em> und der Er\u00f6ffnung der Mayrhofner <em>Penkenbahn<\/em> den Startpunkt f\u00fcr die heutige fremdenverkehrstechnische Industrialisierung setzte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neben dem Wipptal mit dem Brennerpass, der mit 1374 m \u00fc. 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