{"id":1418,"date":"2016-09-11T19:14:02","date_gmt":"2016-09-11T17:14:02","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1418"},"modified":"2016-10-04T20:50:40","modified_gmt":"2016-10-04T18:50:40","slug":"zillertal-juni-oktober-2012-ausgrabungsprotokoll-6-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1418","title":{"rendered":"Zillertal, Juni &#8211; Oktober 2012, Ausgrabungsprotokoll 7"},"content":{"rendered":"<p>Die Seitent\u00e4ler des <em>Zillertales<\/em> wurden erst im Laufe des 20. Jahrhunderts \u2013 und hier wieder besonders ab den 50er Jahren mit dem Erstarken des Fremdenverkehrs wintersicher erschlossen. Insbesondere das 10 km lange <em>Tuxertal<\/em> war vom <em>Zillertal<\/em> aus bis dahin nur sehr schwer erreichbar, bzw. im Winter oft \u00fcber Wochen oder gar Monate vom <em>Zillertal<\/em> her unpassierbar. <a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/berit-mrugalska-friedhof-mauern-schmirn.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1419\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1419\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/berit-mrugalska-friedhof-mauern-schmirn-150x150.jpg\" alt=\"berit-mrugalska-friedhof-mauern-schmirn, arteologie, dr. arkadasch\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/berit-mrugalska-friedhof-mauern-schmirn-150x150.jpg 150w, https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/berit-mrugalska-friedhof-mauern-schmirn-300x300.jpg 300w, https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/berit-mrugalska-friedhof-mauern-schmirn.jpg 514w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>In Folge orientierte sich verwaltungstechnisch \u2013 was im \u00fcberwiegenden Ausmass personenstandsrechtlich gleichbedeutend mit kirchenrechtlichen Agenden \u00fcbereinstimmend in Aus\u00fcbung und Administration war \u2013 die Weilergruppe <em>Tux<\/em> (bestehend aus den Ortsteilen <em>Vorderlanersbach<\/em>, <em>Lanersbach<\/em>, <em>Juns<\/em>, <em>Madseit<\/em> und <em>Hintertux<\/em>) an der <em>Wipptaler<\/em> Gemeinde <em>Schmirn<\/em>, da \u00fcber das <em>Tuxerjoch<\/em> dieses Seitental des <em>Wipptales<\/em> in der Vergangenheit leichter erreichbar war, als das <em>Zillertal<\/em> als solches. Die Verstorbenen etwa wurden deshalb im Friedhof <em>Mauern<\/em> im <em>Wipptal<\/em> begraben und \u00fcber einen sogenannten \u201eTotenweg\u201c dorthin verbracht. Dieser Transport war im Winter meist unm\u00f6glich und so wurden die Verstorbenen in <em>Tux<\/em> \u00fcber die Wintermonate in einem \u201eTotenkasten\u201c (meist am Dachboden des Hauses) aufbewahrt und erst im kommenden Fr\u00fchjahr zur Beerdigung nach <em>Mauern<\/em> gebracht.<\/p>\n<p>Dieses Beispiel verdeutlicht eindrucksvoll wie bis vor wenigen Jahrzehnten \u00fcbernommene Traditionen und klimatisch sowie infrastrukturell bedingte Faktoren das Alltagsleben der Eingeborenen in den h\u00f6her gelegenen alpinen Bereichen bestimmten. Die vergleichsweise rasante Entwicklung hin zu einem modernen soziokulturellen Gef\u00fcge weist daher \u2013 nicht nur im <em>Zillertal<\/em> sondern in allen Bereichen des Siedlungsraumes <em>Nordtirol<\/em> \u2013 die typischen Br\u00fcche und Verwerfungen auf, wie sie speziell auch in den sogenannten 3. Welt-L\u00e4ndern des angehenden 21. Jahrhunderts zu finden sind: Generationskonflikte, Abwanderung, Strukturwandel weg von der Eigenversorgung hin zu diversen, meist nieder bezahlten Dienstleistungst\u00e4tigkeiten, Traditionsverfall, Alkohol- und Drogenprobleme und Prostitution.<\/p>\n<p>So gilt etwa das <em>Zillertal<\/em> neben der Landeshauptstadt <em>Innsbruck<\/em> als der bedeutendste Drogenumschlagplatz von <em>Nordtirol<\/em>, wobei hier aber sicherlich der Einfluss des Fremdenverkehrs \u2013 den kritische Einheimische bereits als \u00fcberbordend charakterisieren \u2013 einen wesentlichen Beitrag leistet. Der Alkoholmissbrauch ist in ganz <em>Nordtirol<\/em> weit verbreitet und nicht selten m\u00fcssen mittlerweile selbst Jugendliche beiderlei Geschlechts vermehrt in den Krankenh\u00e4usern wegen Alkoholmissbrauch behandel werden. W\u00e4hrend der Genuss von Nikotin \u2013 einem weltweiten Trend folgend \u2013 auch gesellschaftlich zunehmend verp\u00f6nt scheint, ist eine derartige Bewusstseinsbildung im Bezug auf Alkohol nicht feststellbar. Noch immer ist es \u00fcblich \u2013 wie das Expeditionsteam selbst immer wieder feststellen konnte \u2013 bei der Begr\u00fcssung starken Branntwein offeriert zu bekommen und es gilt gemeinhin als unh\u00f6flich ein derartiges \u201eSchnapserl\u201c abzulehnen. Traditionsvereine wie Blasmusikkapellen und Sch\u00fctzen werden dabei von jungen Frauen und M\u00e4dchen in Tracht unterst\u00fctzt, deren einzige Aufgabe darin besteht aus einem umgeh\u00e4ngten h\u00f6lzernen Panzen an die Zuschauer und G\u00e4ste gegen Entgelt hochprozentigen Alkohol auszuschenken.<\/p>\n<p>Die Frage, inwieweit derartige \u201eBr\u00e4uche\u201c tats\u00e4chlich traditionellen Ursprungs sind, kann zurzeit aus arteologischer Sicht nicht beantwortet werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Seitent\u00e4ler des Zillertales wurden erst im Laufe des 20. 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