{"id":1439,"date":"2016-10-04T20:48:57","date_gmt":"2016-10-04T18:48:57","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1439"},"modified":"2016-10-04T20:48:57","modified_gmt":"2016-10-04T18:48:57","slug":"zillertal-juni-oktober-2012-ausgrabungsprotokoll-13","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1439","title":{"rendered":"Zillertal, Juni &#8211; Oktober 2012, Ausgrabungsprotokoll 13"},"content":{"rendered":"<p>Eine Miteinbeziehung der lokalen \u00dcberlieferungen (M\u00e4rchen, Sagen, Mythen etc.) in die theoretische Analyse eines Grabungsgebietes gilt seit <em>Heinrich Schliemann<\/em>, der in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts als einer der ersten die \u00dcberlieferungen als arch\u00e4ologisch nutzbringende Wegweiser betrachtete, als basale Grundlagenarbeit, die es in weiterer Folge oftmals schon vorab erm\u00f6glicht verschiedene Ans\u00e4tze als zielf\u00fchrend oder aber als Irrtum zu erkennen. Je eingehender eine diesbez\u00fcgliche Erfassung und Auswertung der lokalen \u00dcberlieferungen erfolgt, umso genauer und strukturierter kann dann in der weiteren Abfolge einer Expeditionsplanung darauf aufgebaut werden. Dabei ist es von gro\u00dfem Vorteil direkt vor Ort mit allteingesessenen Vertretern und Vertreterinnen der indigenen Bev\u00f6lkerung Kontakt aufzunehmen, ihr Vertrauen zu gewinnen und sie in einem pers\u00f6nlichen Rahmen zu ermutigen nicht nur die lokalen Mythen und Sagen zu erz\u00e4hlen, sondern auch \u00fcber ihre jeweiligen Biografien zu sprechen, da sich daraus oftmals indirekte Hinweise auf historische Besiedelungsabl\u00e4ufe, aber auch beispielsweise Naturkatastrophen ergeben, die zwar nicht in den Geschichtsschreibungen realiter erfasst wurden, sich aber dennoch in der Meme der \u00dcberlieferungen im kollektiven Unbewussten einspeicherten. So stellen etwa Fabeln \u00fcber Riesen oder andere Wesen mit \u00fcbernat\u00fcrlichen Kr\u00e4ften die steinewerfend hausgro\u00dfe Findlinge in urbar gemachtes Gel\u00e4nde schleuderten (vgl. auch den steineschleudernden <em>Polyphem<\/em> in der <em>Odysssee<\/em>), einen deutlichen Hinweis dar, dass in diesem Gel\u00e4nde durch einen Bergrutsch, eine Vermurung, eine \u00dcberschwemmung oder ein Erdbeben einschneidende topografische Ver\u00e4nderungen stattgefunden haben, denen sich die eingeborene Bev\u00f6lkerung zu jenen Zeiten schutzlos ausgeliefert f\u00fchlte.<\/p>\n<p>Im Bereich der ausgewiesenen Grabungsstelle am Zillerufer im Ortsteil <em>Imming<\/em> konnte mittels einer Sondierungsgrabung die im Vorfeld getroffene Annahme best\u00e4tigt werden, dass sich das Flussbett des <em>Zillers<\/em> in diesem Gel\u00e4ndeabschnitt urspr\u00fcnglich m\u00e4andernd in mehreren starken Windungen entlang der unbesiedelten Talmitte immer wieder ver\u00e4nderte. S\u00e4mtliche Besiedlungen dieses Talabschnitts erfolgten an den aufsteigenden Hangr\u00e4ndern, um so den Starkwassern der Schneeschmelze und den Starkregen des Sommers besiedelungstechnisch weitestm\u00f6glich zu entgehen. Erst mit den Verbauungen des <em>Zillers<\/em> im 20. Jahrhundert wurde der Talboden zunehmend f\u00fcr h\u00e4usliche, gewerbliche und infrastrukturelle Baumassnahmen freigegeben.<\/p>\n<p>So breitet sich das Dorf <em>Bruck<\/em> \u2013 zu dem auch der Ortsteil <em>Imming<\/em> und verstreute H\u00f6fe am <em>Bruckerberg<\/em> verwaltungstechnisch geh\u00f6ren \u2013 in Form eines Strassendorfs auf einer niedrigen Terasse \u00f6stlich des <em>Zillers<\/em> aus. \u00dcber den 1111 m hohen <em>Kerschbaumersattel<\/em> besteht eine Verbindung in das \u00f6stlich gelegene <em>Alpachtal<\/em>, die heute als befahrbare Strasse ausgebaut ist. Bereits zur Zeit der <em>R\u00f6mer<\/em> bestand mit hoher Wahrscheinlichkeit ein wichtiger Strassen\u00fcbergang im Bereich des <em>Inntals<\/em> \u00fcber den <em>Ziller<\/em>, der gleichzeitig die Grenze zwischen den r\u00f6mischen Provinzen <em>Raetia<\/em> im Westen und <em>Noricum<\/em> im Osten bildete. Als \u201eVilla Prukke\u201c wurde das Dorf <em>Bruck<\/em> im Jahr 1187 erstmalig urkundlich erw\u00e4hnt. Der Name deutet auf das Bestehen einer festen Br\u00fccke \u00fcber den <em>Ziller<\/em> hin. Der Ortsteil <em>Imming<\/em> wird erstmalig nachweisbar im Jahr 976 als \u201e<em>Himinga<\/em>\u201c erw\u00e4hnt und weist auf eine transitale bajuwarische Besiedelung hin.<\/p>\n<p>Mit dem Aufkommen des \u201e<em>Schwazer Silbersegens<\/em>\u201c im 15. Jahrhundert wurde auch am \u00f6stlich von <em>Bruck<\/em> liegenden <a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/reither-kogel.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1440\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1440\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/reither-kogel-150x150.jpg\" alt=\"reither-kogel, zillertal 2012, dr. arkadasch, arteologie\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><em>Reitherkogel<\/em> nach Silber und Kupfer gesch\u00fcrft. Beim Bergbau in <em>Schwaz<\/em> wurden auch bronzezeitliche bergbauliche Spuren festgestellt, sodass als sicher anzunehmen ist, dass in dieser Region bereits in der Sp\u00e4tsteinzeit montanistische T\u00e4tigkeiten stattgefunden haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Miteinbeziehung der lokalen \u00dcberlieferungen (M\u00e4rchen, Sagen, Mythen etc.) in die theoretische Analyse eines Grabungsgebietes&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1439"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1439"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1439\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1441,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1439\/revisions\/1441"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1439"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1439"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1439"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}