{"id":1448,"date":"2016-10-05T21:59:13","date_gmt":"2016-10-05T19:59:13","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1448"},"modified":"2016-10-05T21:59:13","modified_gmt":"2016-10-05T19:59:13","slug":"zillertal-juni-oktober-2012-ausgrabungsprotokoll-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1448","title":{"rendered":"Zillertal, Juni &#8211; Oktober 2012, Ausgrabungsprotokoll 14"},"content":{"rendered":"<p>Im Raum von <em>Brixlegg<\/em> wurden die bisher \u00e4ltesten bergbaulichen Spuren im Raum <em>Tirol<\/em> (hier: das Bun<em>d<\/em>esland <em>Tirol<\/em>\/<em>Republik<\/em> <em>\u00d6sterreich<\/em> und <em>S\u00fcdtirol<\/em>\/ seit 1919 eine Provinz der <em>Republik Italien<\/em>) gefunden, die ins 4. Jahrtausend vor Christus datiert werden. <a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/kupfergestein-foto_-maria-klingler.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1449\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1449\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/kupfergestein-foto_-maria-klingler-150x150.jpg\" alt=\"kupfergestein-foto_-maria-klingler, zillertal 2012, dr. arkadasch, arteologie\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Es handelte sich dabei \u00fcberwiegend um Kupferabbau, wie er bis ins ausgehende Mittelalter an zahlreichen Fundorten in <em>Tirol<\/em> betrieben wurde. Dieser Abbau des Kupfers bedingte einerseits eine lokale Sesshaftigkeit im Bereich der Abbauten und f\u00fchrte zudem zu einem regen Handel weit \u00fcber den <em>Alpenraum<\/em> hinaus. So belegen arch\u00e4ologische Funde und arteologische Artefakte vielfach die wechselseitigen Handelsbeziehungen in den mediterranen Raum, als auch in den <em>Norden<\/em> <em>Europas<\/em> bis hinauf nach <em>Britannien<\/em> und in die <em>baltische Region<\/em>. So wurden etwa n\u00f6rdlich des <em>Hadrianwalls<\/em>, in <em>Schottland<\/em>, beim Weiler <em>Dallabrough<\/em> in einer im Torf gefundenen Grabst\u00e4tte vier Haarspangen aus Kupfer gefunden, deren Materialanalyse eindeutig die Herkunft des Kupfers aus dem <em>Tiroler<\/em> <em>Raum<\/em> belegt. Allerdings erscheint es auf Grund der feingliedrigen und durchaus \u00e4sthetischen Formengebung dieser Haarspangen als erwiesen, dass diese Haarspangen zu jener Zeit nicht in <em>Tirol<\/em> hergestellt wurden, da zum einen die handwerkliche Technik, als auch das kunsthandwerkliche Geschick weder Teil des indigen entwickelten, arbeitskulturellen Prozesses darstellten, noch auch in entsprechender Form als transitale und dadurch manifestierte Beeinflussung nachweisbar sind. Im wesentlichen beschr\u00e4nkte sich die Bergbaut\u00e4tigkeit auf die reine Rohstoffgewinnung der Metalle, w\u00e4hrend die handwerkliche Weiterverarbeitung und auch Veredelung der Metalle ausserhalb von <em>Tirol<\/em> stattfand. Wirtschaftliche Bestrebungen neben dem rein prim\u00e4ren Sektor der Rohstoffgewinnung auch eine handwerkliche Produktion im Umfeld der Erzgewinnung zu initiieren, sind als geplante und organisierte Absichtlichkeit erst seit dem ausgehenden <em>Mittelalter<\/em> (15. Jahrhundert) f\u00fcr <em>Gesamttirol<\/em> nachweisbar. Andererseits belegen etwa die arteologischen Funde im <em>Stubaital<\/em>, dass sehr wohl vereinzelt Formen einer ortsspezifischen Metallverarbeitung existierten, allerdings weisen die entsprechenden Fundungen fast ausschliesslich strikt arbeitsablaufbezogene Formgebungen auf, die gr\u00f6sstenteils wohl aus dem t\u00e4glichen Erfahrungsschatz der \u00fcberwiegend im halbnomadischen Landwirtschaftsbereich t\u00e4tigen Bev\u00f6lkerung resultierten. Dies zeigt sich deutlich in der meist lediglich lokal begrenzten Verbreitung dieser Objekte, die zudem keine oder nur sp\u00e4rliche dekorative Gestaltungselemente aufweisen.<\/p>\n<p>Einzig bei den <em>Cult-objecten<\/em> kann daher von einer eigenst\u00e4ndigen formalen Entwicklung gesprochen werden, wobei hier allerdings deutlich die assimilativen \u00dcbernahmen von transitalen Beeinflussungen zu Tage treten.<\/p>\n<p>Der Handel mit Metallen, aber auch mit Vieh, sowie die Erhaltung und Sicherung der entsprechenden Wegestruktur bildete somit bis in die <em>Neuzeit<\/em> neben den Bestrebungen zu einer weitgehend autonomen, wenn auch prek\u00e4ren Selbstversorgung, das Hauptger\u00fcst der wirtschaftlichen T\u00e4tigkeiten und f\u00fchrte im Laufe der Jahrhunderte zu einer generellen Merkantilisierung der indigenen Bev\u00f6lkerung, die sich auch heute noch, meist eingebunden in das Rahmengf\u00fcge einer oberfl\u00e4chlichen touristischen Freundlichkeit, in den verschiedensten Dienstleistungssektoren deutlich zeigt. So wird etwa bereits f\u00fcr die kleinste, in anderen Kulturen als selbstverst\u00e4ndlich betrachtete, Hilfestellung im Alltag eine freiwillige Entgeltgabe im Sinne einer Spende oder eines, wie es hierzulande heisst \u201eTrinkgeldes\u201c erwartet, wobei dieser Begriff, im historischen Kontext betrachtet, kein r\u00fccksichtsloses Abkassieren darstellte, sondern auf Grund der \u00c4rmlichkeit der indigenen Bev\u00f6lkerung einen unverzichtbaren Bestandteil des Basiseinkommens eines Familienverbandes bildete. Der Terminus \u201eTrinkgeld\u201c war und ist dabei als kommunikative Br\u00fccke zum Geber zu verstehen und beinhaltet zum einen die direkte Aufforderung seinen Beitrag zu leisten, definiert aber gleichzeitig die obere Betragsgrenze und somit die spezifische Wertigkeit der eingeforderten Gegenleistung. Dieses \u201eTrinkgeld\u201c ist somit als einkalkulierter Mehrwert oder Grundwert zu verstehen, der es dem Leistenden zus\u00e4tzlich erm\u00f6glicht, einen kleinen, aber bestimmten Zuverdienst zu lukrieren, der in seiner H\u00f6he maximal den Gegenwert eines Getr\u00e4nkes darstellt, aber keineswegs geeignet erscheint eine komplette Mahlzeit zu finanzieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Raum von Brixlegg wurden die bisher \u00e4ltesten bergbaulichen Spuren im Raum Tirol (hier: das&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1448"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1448"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1448\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1450,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1448\/revisions\/1450"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1448"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1448"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1448"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}