{"id":1461,"date":"2016-10-10T21:26:01","date_gmt":"2016-10-10T19:26:01","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1461"},"modified":"2016-10-10T21:26:01","modified_gmt":"2016-10-10T19:26:01","slug":"zillertal-juni-oktober-2012-ausgrabungsprotokoll-172","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1461","title":{"rendered":"Zillertal, Juni &#8211; Oktober 2012, Ausgrabungsprotokoll 17\/2"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/furtstelle-ausgrabung.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1462\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1462\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/furtstelle-ausgrabung-150x150.jpg\" alt=\"furtstelle-ausgrabung zillertal, 2012, dr. arkadasch, arteologie\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Die Grabungen an dieser Treppe f\u00fchrten bis in eine Tiefe von 60 cm unterhalb des mittleren Wasserstandpegels des <em>Zillers<\/em> und endeten in einer bereits im Grundwasserbereich angelegten flachen Auslaufzone, die im gewachsenen Felsen als h\u00e4ndisch applanierte Trasse angelegt wurde und eine L\u00e4nge von 3,47 m aufweist. Es handelt sich dabei eindeutig um eine k\u00fcnstlich angelegte Aufstiegshilfe, die an dieser Stelle des Westufers des <em>Zillers<\/em> f\u00fcr den leichteren Ausstieg aus dem Wasser errichtet wurde. Die Gesamtbreite dieser Furtpassage betr\u00e4gt im Mittel 3,26 m, und stellt eine wohldurchdachte und praxisorientierte schiefe Ebene dar, die es selbst einer aus einer Person bestehenden Transporteinheit erm\u00f6glichte mit Zugtier und ein- bis zweiachsigen Wagen diese Furt zu bewerkstelligen. Dazu war es lediglich notwendig, die R\u00e4der des Karrens in die vorgearbeiteten Rinnspuren, die bereits in der flachen Auslaufzone eingearbeitet sind, einzulenken, um sodann mit dieser F\u00fchrung den Wagen \u00fcber die Rampe auf die Krone der Uferb\u00f6schung zu leiten. Die Spurbreite von 1,47 m entspricht dabei der g\u00e4ngigen Spurbreite der Karren und zweiachsigen Wagen, die zur Epoche der <em>Arteologischen Zeit<\/em> im gesamten <em>Alpenraum<\/em> verwendet wurden. <em>Louis Ferrant<\/em> von der <em>Universit\u00e9 de Technologie de Compi\u00e8gne<\/em>, <em>UTC <\/em>in <em>Frankreich<\/em> hat in seiner Studie \u201e<em>Vom Handkarren zum Planwagen \u2013 ein historischer Abriss \u00fcber die vorantike Transporttechnolgie im Alpenraum\u201c<\/em> (deutsch von <em>Monika und Klaus Rosenberg<\/em>, <em>1974, Technik und Forschung, Aachen<\/em>) die Verbreitung dieser Spurweite \u00fcber den gesamten <em>Alpenraum<\/em> erforscht und dabei nachgewiesen, dass bei dieser Spurweite, im Verein mit einer Mindestradgr\u00f6sse von 63 cm im Durchmesser eine relativ hohe Stabilisierung der Ladung mittels einer bewussten Schwerpunktverlegung der Ladehauptlast in den Zwischenachsbereich erreicht werden konnte, die es den fahrenden H\u00e4ndlern und sonstigen Transporten erm\u00f6glichte selbst schwierige Wegepassagen \u2013 sei es nun auf Grund der Oberfl\u00e4chenbeschaffenheit der Trasse, oder aber auf Grund einer engkurvigen Wegf\u00fchrung \u2013 ohne zus\u00e4tzliche Hilfsmittel zu meistern. Diese Mindesterfordernisse an die infrastrukturellen Strassenverbindungen wurden laut <em>Ferrant<\/em> sp\u00e4terhin im <em>Alpenbereich<\/em> auch von den <em>R\u00f6mern<\/em> \u00fcbernommen und in ihr Wegekonzept mit einbezogen.<\/p>\n<p>Bei der \u00dcberquerung der Furtstelle schritt die leitende Person dem Gespann voraus, f\u00fchrte dabei das\/die Zugtier\/e am kurzen Z\u00fcgel und achtete darauf, dass die Zugtiere den Aufstieg, ihm folgend, entlang der aus dem Felsen herausgearbeiteten Treppenstufen durchf\u00fchrten. Insgesamt f\u00fchrt diese Treppe \u00fcber 31 Stufen und \u00fcberwindet dabei eine H\u00f6he von ca. 4,5 m. Die Stufen selbst weisen eine durchschnittliche H\u00f6he von 14,70 cm auf und sind leicht nach innen geneigt, um auf diese Weise sowohl dem Halfterf\u00fchrer als auch den Zugtieren eine m\u00f6glichst gute Trittsicherheit zu gew\u00e4hrleisten. Zus\u00e4tzlich sind alle Stufen von der Mitte aus abfallend in einem Winkel von ca. 3 \u00b0 ausgearbeitet um einen Abfluss des durch die Durchquerung des Wasserlaufes mittransportierten Wassers zu garantieren. Um hierbei kleinere Staupf\u00fctzen zu vermeiden wurde am Winkelpunkt zur n\u00e4chsten Stufe jeweils eine zus\u00e4tzliche Nut aus dem Felsen gearbeitet, die gleichfalls der Entw\u00e4sserung dient und die in vertikale Abflussnuten m\u00fcnden, die links und rechts der Treppe angelegt sind. Die Breite der Stufen betr\u00e4gt 53 cm und der Abstand zu den beiden Rinnspuren f\u00fcr die Aufnahme der Wagenr\u00e4der misst jeweils 47 cm, beidseitig der Treppe. Dies bedingt, dass bei Karren und Wagen mit mehr als einem Zugtier diese entweder hintereinander f\u00fcr diese Furtpassage eingespannt werden, oder aber mittels extern angebrachten Zughilfen die Karren und Wagen \u00fcber diese Steigung angehievt werden mussten. Dazu dienten wohl auch die aus dem Felsen herausgearbeiteten, wenn auch stufenlosen Bereiche der Rampe die sich links und rechts der Rinnspuren anschliessen.<\/p>\n<p>Ab der oberen B\u00f6schungskante verl\u00e4uft die Wegf\u00fchrung dem nat\u00fcrlichen Verlauf der Felszunge folgend in nordwestlicher Richtung weiter und entspricht bis zum <em>Leitnerbach<\/em> der heutigen Trassierung der bestehenden Hochspannungsleitung, wobei jedoch lediglich noch wenige Meter eine k\u00fcnstliche Begradigung der Wegeoberfl\u00e4che aufweisen.<\/p>\n<p>Ausgehend von dieser Furtstelle und ihrer Ausrichtung wurde von Frau Mag. Heike Wutke der wahrscheinliche Furtverlauf im Fliessbereich des <em>Zillers<\/em> ermittelt, um so die entsprechend gegen\u00fcberliegende Ein- bzw. Ausstiegsstelle der Furt zu lokalisieren. Hierbei zeigten sich erschwerend die durchgef\u00fchrten Begradigungs- und Verbauungsmassnahmen, da einerseits weder der urspr\u00fcngliche Uferverlauf, noch die entsprechenden geoterrestrischen Begebenheiten mit freiem Auge nachvollziehbar waren. So brachten etwa die ersten Sondierungsgrabungen entlang der I<em>m<\/em>ming <em>Strasse<\/em>, in jenem Bereich, an dem sich die Strasse dem alten Uferverlauf folgend zur Geh\u00f6ftgruppe hin erstreckt, keinerlei Hinweise auf eine entsprechende \u00dcbergangsstelle \u00fcber den <em>Ziller<\/em>. Erst mit den Untersuchungen am H\u00fcgelbereich konnte jene Stelle, gut 25 m s\u00fcdlich der vermuteten Lage, eindeutig lokalisiert und fixiert werden.<\/p>\n<p>Mit dieser Fundung erfolgte gleichzeitig die Festlegung des Hauptgrabungsgebietes am ostseitigen <em>Zillerufer<\/em>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Grabungen an dieser Treppe f\u00fchrten bis in eine Tiefe von 60 cm unterhalb des&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1461"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1461"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1461\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1463,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1461\/revisions\/1463"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1461"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1461"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1461"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}