{"id":1472,"date":"2016-10-17T20:15:46","date_gmt":"2016-10-17T18:15:46","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1472"},"modified":"2016-10-17T20:15:46","modified_gmt":"2016-10-17T18:15:46","slug":"zillertal-juni-oktober-2012-ausgrabungsprotokoll-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1472","title":{"rendered":"Zillertal, Juni &#8211; Oktober 2012, Ausgrabungsprotokoll 19"},"content":{"rendered":"<p>Am n\u00f6rdlichen Ausl\u00e4ufer des H\u00fcgels wurden bereits mit der Entfernung der Humusschichten Mauerreste freigelegt, die auf Grund ihrer Legetechnik als Trockenfundament verifiziert werden konnten. Dies entspricht auch den potamologischen Ans\u00e4tzen zur urspr\u00fcnglichen M\u00e4anderung des <em>Zillers<\/em> die an dieser Gel\u00e4ndestelle einen R\u00fcckstaubereich ausweisen, der sich s\u00fcd\u00f6stlich des H\u00fcgels taleinw\u00e4rts ausdehnt und wohl zeitweise auch die Verkehrsituation vom <em>Tuxerjoch<\/em>, als auch vom <em>Kerschbaumer<\/em> <em>Sattel<\/em> her besonders in den Zeiten der Schneeschmelze wesentlich beeintr\u00e4chtigte. Darauf deutet auch eindeutig die Trassenf\u00fchrung des historischen Handelspfades hin, der sich \u2013 zumindest am westseitigen <em>Zillerufer<\/em> \u2013 genau an die nat\u00fcrliche Felsenzunge h\u00e4lt, die vom <em>Reither<\/em> <em>Kogel<\/em> her \u00fcber <em>Imming<\/em> ins Tal quert. Die Erstellung eines Trockenfundaments aus Natursteinen stellt dabei eine seit der <em>Prae-Arteologischen-Zeit<\/em> angewandte Mauerungstechnik dar, die es erm\u00f6glicht lokale Hochw\u00e4sser ohne \u00fcberstrake Str\u00f6mungskr\u00e4fte weitestgehend schadlos f\u00fcr die Grundstruktur der darauf errichteten Geb\u00e4ude zu \u00fcberstehen, da zum Einen durch die m\u00f6rtellose Verlegung der insgesamte Widerstand gegen die Str\u00f6mungsverh\u00e4ltnisse so minimal wie m\u00f6glich gehalten wurde und zum Zweiten die nachfolgende Trocknung durch Versickerung und Bel\u00fcftung relativ rasch erfolgen konnte.<\/p>\n<p>Bis zum Abschluss der Expedition wurden am rechten <em>Zillerufer <\/em>im Grabungsgebiet drei Geb\u00e4udefundamente freigelegt, die auf Grund ihrer Ausrichtung zum Furtverlauf als administrative und auch der \u00dcbergangs\u00fcberwachung dienende Geb\u00e4ude identifiziert wurden. Am linken <em>Zillerufer<\/em> konnten lediglich vereinzelte Fundamentreste freigelegt werden, wobei hier noch nicht abschliessend gekl\u00e4rt ist, ob hier s\u00e4mtliche Teile einer gemeinsamen Epoche zuschreibbar sind, oder aber den wirtschaftlichen Bed\u00fcrfnissen unterschiedlicher Zeitspannen dienten.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/zilli_cult_object-2.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1473\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1473\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/zilli_cult_object-2-150x150.jpg\" alt=\"zillertal, geb\u00e4udefundamente, 2012, arteologie, dr. arkadasch\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>S\u00e4mtliche Geb\u00e4ude wurden aus Holz errichtet, wie aus den vorgefundenen Balkenaufnahmestellen, insbesondere an den basalen Grundlinien der Fundamente ableitbar ist. Holz, als generell lokal reichlich verf\u00fcgbares Baumaterial stellt auch heute wieder, bzw. noch, einen wesentlichen Grundbestandteil der architektonischen Grundcharakteristik im <em>Nordtiroler<\/em> <em>Raum<\/em> dar. Bauelemente die auf den Einsatz von betonartigen Gemengen verweisen, sind lediglich im Zeitraum der <em>r\u00f6mischen<\/em> <em>Okkupation<\/em> nachweisbar und wurden erst wieder ab dem 19. Jahrhundert bautechnisch eingesetzt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/zilli_cult_object-3.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1474\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1474\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/zilli_cult_object-3-150x150.jpg\" alt=\"zillertal, fundamente, drei geb\u00e4ude, 2012, arteologie, dr. arkadasch\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Im gesamten Grabungsbereich konnten allerdings keinerlei h\u00f6lzerne \u00dcberreste gefunden werden, so dass jede Form einer rekonstruktiven Analyse auf den Vergleich mit bisherigen Funden im <em>Raum<\/em> <em>Nordtirol<\/em> angewiesen bleibt. Die St\u00e4rke der vorgefundenen Fundamente im Nordbereich des H\u00fcgels legt jedoch die Schlussfolgerung nahe, dass dieser Geb\u00e4udekomplex f\u00fcr den Schutz und die entsprechende Administrierung der Furtpassage errichtet wurde, da mit dieser Furt der direkte Zugang zum <em>Inntal<\/em> gew\u00e4hrleistet war. Das gr\u00f6sste der drei Geb\u00e4ude weist eine Seitenl\u00e4nge von 11,45 m auf und eine Breite von 7,95 m. Zur Furtstelle hin liegt ein behauener Schwellenstein aus Granitgneis mit einer L\u00e4nge von 4,05 m, der an seiner Aussenkante starke Nutzungsspuren im Sinne einer eingeschliffenen Abrundung entlang der Kante aufweist. Der davorliegende Bereich wurde teils aus dem blockartigen Felsgestein herausgearbeitet bzw. mittels Aussch\u00fcttungen und Pflasterungen mit Natursteinen eingeebnet und erstreckt sich bis zum angehenden B\u00f6schungsbereich der rechtsuferigen Furtpassage. Die beiden anderen Geb\u00e4ude, liegen s\u00fcd\u00f6stlich zum Hauptgeb\u00e4ude versetzt, und verf\u00fcgen \u00fcber keinen eigenst\u00e4ndigen Zugang zum Furtbereich.<\/p>\n<p>Entsprechend den Grabungsergebnissen, wie sie etwa im <em>Lechtal<\/em> vorgefunden wurden, kann somit von einer zeittypischen Kontrollstation ausgegangen werden, die einerseits der Sicherheit der Reisenden diente, andererseits aber auch den Hoheitsanspruch der lokalen Eliten vor Ort, verbunden mit den entsprechenden kultischen Einrichtungen in sich vereinte. Eingedenk der traditionellen Verhaftetheit und den gemeinschaftlichen Interessen von Kultus und Herrschaft ist davon auszugehen, dass sich diese soziokulturelle Symbiose im architektonischen Gesamtgef\u00fcge niedergeschlagen hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am n\u00f6rdlichen Ausl\u00e4ufer des H\u00fcgels wurden bereits mit der Entfernung der Humusschichten Mauerreste freigelegt, die&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1472"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1472"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1472\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1475,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1472\/revisions\/1475"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1472"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1472"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1472"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}