{"id":1481,"date":"2016-11-01T19:36:22","date_gmt":"2016-11-01T17:36:22","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1481"},"modified":"2016-11-01T19:36:22","modified_gmt":"2016-11-01T17:36:22","slug":"zillertal-juni-oktober-2012-ausgrabungsprotokoll-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1481","title":{"rendered":"Zillertal, Juni &#8211; Oktober 2012, Ausgrabungsprotokoll 21"},"content":{"rendered":"<p>In den folgenden drei Wochen wurden die bisherigen Fundbereiche systematisch aufgearbeitet und entsprechend dokumentiert. \u00dcber den Expeditionsglaciologen <em>Mag. Peter Stolz<\/em> erfolgte die Anfrage f\u00fcr eine Exkursion der <em>Mies-van-der-Rohe-Stiftung Br\u00fcnn<\/em>, bei der angehende Architekten, die dort im Rahmen dreier Jahre als Stipendiaten Urbanistik mit dem Schwerpunkt der urbanen Formensprache studieren, um hier an der Grabungsstelle <em>Imming<\/em> diese freigelegte Furtpassage im Hinblick auf ihre infrastrukturelle Bedeutung im Kreuzungspunkt der Handelswege von <em>Inntal<\/em>, <em>Zillertal<\/em> und hin\u00fcber \u00fcber den <em>Reitherkogel<\/em> zu untersuchen. Besonders die sehr gut erhaltene Steighilfe an der westseitigen B\u00f6schung mit ihrer durchdachten und praxisorientierten Ausformung erweckte das besondere Interesse dieser Exkursionsteilnehmer um den renommierten St\u00e4dteplaner <em>Boris Pratocek<\/em>. Im nachfolgenden 1 : 1 Modell der Furtpassage, welches in den Studienr\u00e4umen der Stiftung in <em>Br\u00fcnn<\/em> nachgebaut wurde, konnten interessante Prallelen zum Bau der Stadtbahn in <em>Wien<\/em> nachgewiesen werden: so ist etwa die Stufentiefe und Stufenh\u00f6he der Treppen bei den jeweiligen von <em>Otto Wagner<\/em> geplanten Haltestellen, unter Ber\u00fccksichtigung der jeweiligen durchschnittlichen K\u00f6rpergr\u00f6sse erwachsener M\u00e4nner zur gegebenen Zeit, nahezu ident mit der Stufengestaltung dieser <em>Imminger<\/em> Furtpassage, und erm\u00f6glicht ein energieschonendes und dennoch bewegungseffizientes Steigen von mehreren Personen und\/oder Zugtieren zur selben Zeit, selbst in der Ablauffolge eines arbeitsbedingten Transportgeschehens. Die Planung dieser <em>Imminger<\/em> Furtstelle stellt somit durchaus eine artifizielle Leistung dar, die zus\u00e4tzlich zur reinen Infrastrukturplanung auch bewusst ergonomische Anforderungen umfasst.<\/p>\n<p>Einmal mehr zeigt sich auf diese Weise, wie wichtig die interdisziplin\u00e4re Zusammenarbeit der unterschiedlichsten Forschungsbereiche sich befruchtend auf die jeweiligen Erkenntnisse der jeweils anderen Forschungsgebiete auswirkt und so zu einem gr\u00f6sseren Ganzen im wissenschaftlichen Sinne f\u00fchrt und in weiterer Folge zu einem tieferen Verstehen und Wissen insgesamt beitr\u00e4gt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/zilli_cult_object-6.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1482\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1482\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/zilli_cult_object-6-150x150.jpg\" alt=\"cult-objecte, zillertal 2012, dr. arkadasch, arteologie\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Am 12. August 2012 wurde im vorgelagerten Fundamentbereich des n\u00f6rdlichsten Geb\u00e4udes \u2013 somit exloziert vom Geb\u00e4udekomplex samt gepflastertem bzw. eingeebnetem Vorplatz \u2013 eine Nische mit drei metallenen <em>Cult-Objecten<\/em> freigelegt. Die dabei zutage tretende vollkommen neuartige Formengestaltung, die auf den ersten Blick als christlich motiviert erscheint, legte als erste Schlussfolgerung eine um viele Jahrhunderte sp\u00e4ter erfolgte Errichtung nahe, da neben der Formensprache auch das verwendete Metall und dessen Bearbeitung vordergr\u00fcndig auf die Zeit nach erfolgter <em>Christianisierung<\/em> des <em>Alpenraumes<\/em> schliessen liessen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/zilli_cult_object-7.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1483\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1483\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/zilli_cult_object-7-150x150.jpg\" alt=\"cult-objecte (2), zillertal 2012, dr. arkadasch, arteologie\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Der gesamte Nischenbereich besteht aus einem trockenvermauerten, exakt an den L\u00e4ngsseiten in Nord-S\u00fcd-Richtung ausgerichteten Geviert, mit einer L\u00e4ngskantenl\u00e4nge von ca. 47 cm, wobei die beiden Seitenw\u00e4nde nur mehr in rudiment\u00e4ren Spuren vorhanden sind und die vordere L\u00e4ngskante vollkommen fehlt, bzw. durch nat\u00fcrliche oder mechanische Einfl\u00fcsse zur G\u00e4nze abgetragen wurde und nur mehr in Form von wenigen behauenen Einzelsteinen nachweisbar ist. Die metallenen <em>Cult-Objecte<\/em> bilden ein Triptychon aus drei Kreuzen, die \u2013 gleichfalls streng in Nord-S\u00fcd-Richtung ausgerichtet \u2013 die in ihrer Aufstellung ein Dreieck ergeben, wobei das mittlere Kreuz leicht nach r\u00fcckw\u00e4rts versetzt eine erh\u00f6hte Position einnimmt.<\/p>\n<p>Diese Gestaltung stimmt mit den bisherigen Funden \u00e4hnlicher Triptychons im Raum <em>Nordtirol<\/em> formal \u00fcberein, wie auch die bauliche und architektonische Ausf\u00fchrung der Nische als solcher deutlich erkennbare Bez\u00fcge implementiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den folgenden drei Wochen wurden die bisherigen Fundbereiche systematisch aufgearbeitet und entsprechend dokumentiert. \u00dcber&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1481"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1481"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1481\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1484,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1481\/revisions\/1484"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1481"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1481"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1481"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}