{"id":1485,"date":"2016-11-04T15:44:21","date_gmt":"2016-11-04T13:44:21","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1485"},"modified":"2016-11-04T15:44:21","modified_gmt":"2016-11-04T13:44:21","slug":"zillertal-juni-oktober-2012-ausgrabungsprotokoll-212","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1485","title":{"rendered":"Zillertal, Juni &#8211; Oktober 2012, Ausgrabungsprotokoll 21\/2"},"content":{"rendered":"<p>Die Freilegung dieser Fundstelle erforderte von den Grabungskr\u00e4ften \u00e4usserste Umsicht und Vorsicht, da die r\u00fcckseitige Trockenmauer in ihrer gesamten L\u00e4nge von ca. 47 cm extrem labil in sich selbst verschoben war. Es ist anzunehmen, dass diese Verschiebungen auf jenen extern einwirkenden Kr\u00e4ften beruhen, die sich aus der Abtragung, bzw. Zerst\u00f6rung des s\u00fcdw\u00e4rts anschliessenden Geb\u00e4udekomplexes ergaben. Die Bodenanalysen belegen f\u00fcr den fraglichen Zeitraum mehrere und auch l\u00e4nger anhaltende (das heisst hydrotemporal bewertet zumindest \u00fcber f\u00fcnf aufeinanderfolgende Tage) \u00dcberschwemmungen, wobei der aus blockartigen Felsformationen bestehende H\u00fcgelabschnitt lediglich in den Fundamentteilen der Geb\u00e4ude in Mitleidenschaft gezogen wurde. Dies ist aus den Sedimentspuren der Ablagerungen deutlich erkennbar. Somit ist mit hoher Wahrscheinlichkeit die Abtragung der Geb\u00e4ude durch oberfl\u00e4chenterrestrische Einwirkungen prim\u00e4r auszuschliessen, wenn auch f\u00fcr sp\u00e4tere Zeitspannen kurzzeitige und vollst\u00e4ndige Unterwassersetzungen des Grabungsgel\u00e4ndes nachweisbar sind, die in ihrer Gesamtwirkung infolge der Str\u00f6mungsrichtung von S\u00fcd nach Nord und der damit einhergehenden Schutzfunktion des H\u00fcgels, die n\u00f6rdlich gelegene Kultnische nicht weiter in Mitleidenschaft zogen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/zilli_cult_object-9.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1486\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1486\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/zilli_cult_object-9-150x150.jpg\" alt=\"kultnische, zillertal 2012, dr. arkadasch, arteologie\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Die Trockenmauerung der Kultnische folgt an ihrer L\u00e4ngsseite dem nat\u00fcrlichen Verlauf einer felsigen Blockbildung und wurde lediglich um ca. 10 cm im Schnitt (gemessen an der Aussenkante der Trockenmauer) vorgemauert, um so einerseits eine nat\u00fcrliche Drainage f\u00fcr Regen- und Oberfl\u00e4chenwasser zu bilden und andererseits die stets vorhandenen seismologischen Kr\u00e4fte nach M\u00f6glichkeit auszugleichen. Schliesslich liegt der gesamte <em>Alpenbereich<\/em> in einer geologisch sensiblen Zone, die immer wieder \u2013 bis in die Jetztzeit \u2013 regelm\u00e4ssig von leichten bis schweren Erdbeben heimgesucht wird.<\/p>\n<p>Die Verschiebungen in der Trockenmauer weisen jedoch keinerlei nennenswerte seismologische Kr\u00e4fteeinwirkungen aus tiefer gelegenen Schichten auf, vielmehr zeigt eine Vektoranalyse der Bewegungsstrukturen der Nischenwand, dass diese Verschiebungen eindeutig aus direkter s\u00fcdlicher Richtung und weitestgehend an und \u00fcber der Oberfl\u00e4che des gewachsenen Bodens ihren Ausgang genommen haben m\u00fcssen. Zudem ist aufgrund der relativen Geringf\u00fcgigkeit der Verschiebung \u2013 es handelt sich dabei de facto um zwei Bewegungsrichtungen: zum einen um eine in der Mauer in L\u00e4ngsrichtung auftretende Verschiebung von unter 1 cm und um eine quer zur Mauerrichtung verlaufende Verschiebung von bis zu 2,50 cm \u2013 von lediglich lokal wirkenden Kr\u00e4ften auszugehen, da weder in den tieferen Fundamentbereichen, noch in der Pflasterung des Vorplatzes zum Geb\u00e4udekomplex weitere derartige Verschiebungen festgestellt wurden.<\/p>\n<p>Es erwies sich bei der Freilegung der Kultnische als vorteilshaft, dass der innere Bereich der Nische mit feinsandigen Sedimenten angef\u00fcllt und bis zu einer St\u00e4rke von 7 cm \u00fcberdeckt war und sich diese Sedimentzunge, dem Gef\u00e4lle der H\u00fcgelstruktur folgend bis zur Trassierung der <em>Imming Strasse<\/em> in diesem Bereich fortsetzt. So konnte schichtweise die Kultnische vom Sand befreit und gleichzeitig die Nischenr\u00fcckwand an ihrer R\u00fcckseite mit mineralischem Spezialkleber gesichert und fixiert werden. Die Vorderseitenfixierung erfolgte durch schichtweise Aufspr\u00fchung eines transparenten Kunstharzgemsiches. Auf diese Weise gelang es die Nischenr\u00fcckwand komplett freizulegen und vor Einsturz zu sichern und gleichzeitig die metallenen <em>Cult-objecte<\/em> an ihren Fixierungspunkten f\u00fcr die weitere Dokumentierung und anschliessende Bergung zu sichern.<\/p>\n<p>\u00dcberreste der Seitenw\u00e4nde und der vorderen Nischenmauer wurden in der sich nach Norden hin abfallend ausbreitenden Sedimentzunge geborgen, wobei es sich dabei um teilweise behauene Granitgneissteine, \u00fcberwiegend aber um unbehauene Naturformen handelt.<\/p>\n<p>Die Mauerkrone der erhaltenen Nischenr\u00fcckwand weist insgesamt f\u00fcnf U-f\u00f6rmige Einkerbungen auf, die wahrscheinlich einer (h\u00f6lzernen?) Abdeckung der Nische dienten. Aufgrund der klimatischen Bedingungen ist anzunehmen, dass es sich dabei um eine schr\u00e4ge, dachartige Konstruktion handelte, die einen steten Abfluss von Regenw\u00e4ssern gew\u00e4hrleistete.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Freilegung dieser Fundstelle erforderte von den Grabungskr\u00e4ften \u00e4usserste Umsicht und Vorsicht, da die r\u00fcckseitige&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1485"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1485"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1485\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1487,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1485\/revisions\/1487"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1485"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1485"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1485"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}