{"id":1489,"date":"2016-11-07T21:43:15","date_gmt":"2016-11-07T19:43:15","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1489"},"modified":"2016-11-07T21:43:15","modified_gmt":"2016-11-07T19:43:15","slug":"zillertal-juni-oktober-2012-ausgrabungsprotokoll-213","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1489","title":{"rendered":"Zillertal, Juni &#8211; Oktober 2012, Ausgrabungsprotokoll 21\/3"},"content":{"rendered":"<p>Im gesamten Bereich der Sedimentzunge wurden keinerlei Hinweise auf eine vorhandene h\u00f6lzerne Abdeckung gefunden, bzw. anhand von lignologischen Analysen in den entsprechenden Bodenproben nachweisbar. Die bei diesen Untersuchungen vorgefundenen organischen Reste von organischem Pflanzenmaterial beinhalten zwar eindeutig Hinweise auf baumartige Pflanzenstrukturen, jedoch sind alle diese Proben von nicht artifiziell geschl\u00e4gerten B\u00e4umen, bzw. von nat\u00fcrlich in ihrem Wachstum unterbrochenen bzw. abgestorbenen H\u00f6lzern. Die <em>Dendrologische Gesellschaft Augsburg<\/em> unter der Leitung von <em>Dr. Detlef<\/em> <em>Vilsinger<\/em>, hat in einem mehrstufigen Ausschlussverfahren eindeutig belegt, dass vor Ort keinerlei verwertbare Spuren von behauenem und\/oder bearbeitetem Deckholz f\u00fcr die Kultnische vorhanden sind. Gleichzeitig zeigt das Fehlen entsprechender Tr\u00e4ger(reste) aus behauenem Stein \u2013 denn nur so w\u00e4re eine passgenaue Einf\u00fcgung in die Kerbungen an der Mauerkrone der Nischenr\u00fcckwand m\u00f6glich \u2013 dass gem\u00e4ss den bisherigen Fundungen im Raum <em>Nordtirol<\/em> auch diesmal mit hoher Wahrscheinlichkeit die Annahme getroffen werden kann, dass auch in diesem Fall der R\u00fcckgriff auf stets und leicht verf\u00fcgbare Rohstoffe aus dem n\u00e4heren Umland zur Abdeckung der Nische erfolgte.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/triptychon-zeichnung.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1490\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1490\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/triptychon-zeichnung-150x150.jpg\" alt=\"triptychon-zeichnung, cult-objecte, zillertal 2012, dr. arkadasch, arteologie\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Die Kultnische hat ein Aussemass von ca. 47 cm in ihrer l\u00e4ngsseitigen Nord-S\u00fcd-Ausrichtung und eine (angenommene) Tiefe von ca. 30 cm, wobei hier mangels klarer Fundament\u00fcberreste auf die Erfahrungswerte \u00e4hnlicher Kultnischenbauten im Raum <em>Nordtirol<\/em> zur\u00fcckgegriffen wird. Insbesondere die Lage der Kultnische am n\u00f6rdlichen Rand des H\u00fcgels l\u00e4sst auch keinerlei zus\u00e4tzlich verbaubaren Raum zu, da zur gegebenen Zeit der Flusslauf des <em>Zillers<\/em> hier eine starke, beinahe rechtwinkelige Windung nach Osten vollzog und somit eine nat\u00fcrliche Gel\u00e4ndebegrenzung darstellte. Der Boden der Kultnische bestand aus gef\u00fcgten und behauenen Granitgneisen, die weitestgehend fugenlos in einem sandigen Bett aus gesiebtem Sediment verlegt wurden. Die H\u00f6he der Nische betr\u00e4gt 27,40 cm, bis hin zur Unterkante der Einkerbungen an der Nischenr\u00fcckwand gemessen.<\/p>\n<p>Die drei <em>Cult-objecte<\/em> die sich in dieser Nische befanden wurden in Form eines Dreiecks aufgestellt, wobei das mittlere <em>Cult-object<\/em> eine um 7 cm nach r\u00fcckw\u00e4rts und um 5 cm erh\u00f6hte Position einnimmt. Die gesamte Darstellung dieses <em>Triptychons<\/em> stellt somit eine gedachte pyramidenartige Vorderansicht dar, deren Spitze vom senkrecht stehenden Mittelteil des erh\u00f6hten <em>Cult-objects<\/em> gebildet wird. Von dieser Spitze aus kann eine Linie beidseitig gelegt werden, die eine vollkommene Gerade bildet, die sich von der Spitze des mittleren, erh\u00f6hten <em>Cult-objects<\/em> beginnend, \u00fcber die Aussenpunkte der Querstrebe des mittleren <em>Cult-objects<\/em> fortsetzt und in ihrer Verl\u00e4ngerung die Aussenpunkte der Querstreben der beiden vorgelagerten <em>Cult<\/em>&#8211;<em>objecte<\/em> ber\u00fchrt. Bei der Fundung wurde festgestellt, dass das vordere, n\u00f6rdlich gelegene <em>Cult-object<\/em> eine leichte Schr\u00e4glage nach Norden aufweist, die einem sp\u00e4teren \u00e4usseren mechanischen Einfluss zuzuschreiben ist und nicht den origin\u00e4ren Aufstellungsparametern entspricht. Dies belegt auch die Untersuchung der entsprechenden Fixierungsstelle, da hier das M\u00f6rtelbett (bestehend aus Pottasche, Kalk und Sand) eine deutliche Bruchstelle aufweist, die einzig bei diesem <em>Cult-object<\/em> feststellbar ist.<\/p>\n<p>Im Vergleich mit entsprechenden Kultnischen, wie etwa der Kultnische an der Furt bei der Grabung im <em>Lechtal<\/em>, f\u00e4llt besonders die exlozierte Positionierung dieser Kultnische auf: w\u00e4hrend an der Furt im <em>Lechtal<\/em> diese Nische durchaus einen demonstrativen kultischen Charakter aufweist, der in sich eine Schutzbefohlenheit im Hinblick auf transzendente M\u00e4chte betont, fehlt diese M\u00f6glichkeit einer \u00f6ffentlichkeitswirksamen Zur-schau-Stellung im Bereich der <em>Imminger<\/em> <em>Furt<\/em> vollkommen, sodass hier erstmals von einer weitestgehend merkantilen infrastrukturellen Wegebewirtschaftung auszugehen ist und somit zwar eine tradierte Form einer kultisch dominierten Verwaltungshoheit immanent bleibt, diese sich jedoch im allt\u00e4glichen Gesch\u00e4ftsgebaren auf eine eher symbolische Bedeutung beschr\u00e4nkt,<a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/steinbruecke-schwaz.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1491\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1491\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/steinbruecke-schwaz-150x150.jpg\" alt=\"steinbruecke-schwaz, zillertal 2012, dr. arkadasch, arteologie\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a> vergleichbar etwa mit den noch heute in <em>Nordtirol<\/em> an Br\u00fccken gerne installierten Nischen f\u00fcr entsprechende christliche Heilige und Schutzpatrone, wie sie etwa bei den Br\u00fccken \u00fcber den Fluss <em>Inn<\/em> in der nahen Bezirkshauptstadt <em>Schwaz<\/em> zu finden sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im gesamten Bereich der Sedimentzunge wurden keinerlei Hinweise auf eine vorhandene h\u00f6lzerne Abdeckung gefunden, bzw&#8230;.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1489"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1489"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1489\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1492,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1489\/revisions\/1492"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1489"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1489"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1489"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}