{"id":1493,"date":"2016-11-08T21:56:40","date_gmt":"2016-11-08T19:56:40","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1493"},"modified":"2016-11-08T21:56:40","modified_gmt":"2016-11-08T19:56:40","slug":"zillertal-juni-oktober-2012-ausgrabungsprotokoll-214","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1493","title":{"rendered":"Zillertal, Juni &#8211; Oktober 2012, Ausgrabungsprotokoll 21\/4"},"content":{"rendered":"<p>Auch die gestalterische Ausf\u00fchrung der drei <em>Cult-objecte<\/em> dieses Triptychons unterscheidet sich in seiner optischen Pr\u00e4senz und Formensprache deutlich von den bisherigen Funden von <em>Cult-objecten<\/em> im Raum <em>Nordtirol<\/em>. Allerdings ist augenscheinlich, dass eine Gesamtbetrachtung aller bisherigen Fundungen von <em>Cult<\/em>&#8211;<em>objecten<\/em> eine offensichtliche formale Weiterentwicklung darstellt, die sich einerseits in der gew\u00e4hlten Formgebung und andererseits im \u00e4sthetischen Ausdruck zeigt. Die dieser Entwicklung innewohnende Grundtendenz beschreibt einen Werdegang, der von der urspr\u00fcnglichen Unit\u00e4t aus lebensallt\u00e4glicher Verwendbarkeit und kultischer Bedeutung, zu einer immer st\u00e4rkeren Symbolistik mutiert, die letztendlich in einer reinen, aus sich heraus pr\u00e4sentablen Gestaltungsform besteht, deren Sinnhaftigkeit und Aussagekraft einzig im Interpretationsbereich des Kultischen liegt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die \u00e4ltesten Fundungen von <em>Cult<\/em>&#8211;<em>objecten<\/em> im Raum <em>Nordtirol<\/em> eine klar erkennbare Symbiose aus handwerklicher Nutzung und kultischer Verwendung aufweisen (vgl. die Gestaltung der <em>Cult<\/em>&#8211;<em>objecte<\/em> der Ausgrabungen im <em>Inntal<\/em> und <em>Wipptal<\/em>), so zeigt die sukzessive Weiterentwicklung dieser <em>Cult<\/em>&#8211;<em>objecte<\/em> eine schrittweise Abkehr von gebrauchstauglicher Verwendbarkeit und wirtschaftlicher Nutzungsm\u00f6glichkeit hin zu einer rein ornamentalen und aus der Allt\u00e4glichkeit herausgehobenen Formensprache, die letztendlich einzig dazu dient, im Kontext einer spirituellen \u00dcberh\u00f6hung den rituellen Traditionen und Intentionen eine objektbezogene Identifikationsm\u00f6glichkeit zu bieten.<\/p>\n<p>Diese \u201e<em>Immanenz des Ritualen<\/em>\u201c, wie es <em>Albert de Villa Marsone<\/em> in seiner Studie \u201e<em>Die Symbolistik als rituelles Fundament der soziostrukturellen Dynamik\u201c (Theologische Bl\u00e4tter, No. 7, 1986, Universit\u00e4t G\u00f6ttingen)<\/em> beschreibt, entwickelt sich parallel zur gruppenspezifischen Gemeinentwicklung und dient einerseits der Festigung der normativen Identifikation innerhalb der Gruppe, andererseits aber auch der klaren und unmissverst\u00e4ndlichen Abgrenzung nach aussen. Je erfolgreicher diese Entwicklung der eigenen Gruppe zu einer wirtschaftlichen und zwischenmenschlich funktionablen Einheit verl\u00e4uft, umso st\u00e4rker wird im weiteren Verlauf die Beeinflussung durch transitale und insistale Faktoren verlaufen. Sei es nun durch Handel, gewaltbedingter Okkupation oder lediglich durch weitestgehend nachbarschaftlich bedingte Kontakte \u2013 es erfolgt entweder eine oktroyierte oder assimilative \u00dcbernahme von kultischen Normen \u2013 m\u00f6gen diese nun auf Grund des als \u00fcberlegen akzeptierten Erfolges implementiert oder aber von den herrschenden Eliten verordnet sein. Die damit verbundene Verbreitung von Kulten bildet in weiterer Folge eine dogmatische Struktur die sich jedoch spezifisch in ihren Ausformungen an die jeweiligen lokalen Gegebenheiten anpasst.\u00a0So ist etwa noch heute die Gestaltung von christlichen Prozessionen in den einzelnen Ortschaften <em>Tirols<\/em> den jeweiligen gesellschaftlichen Entwicklungen angepasst und dr\u00fcckt sich beispielsweise in einer strengen Hierarchie der Marschfolge der Traditionsvereine und deren jeweiligen spezifischen Aufgaben im Rahmen dieser kultischen Handlung aus.<\/p>\n<p>Mit der <em>Christianisierung<\/em> des <em>Alpenraums<\/em> erfolgte sukzessive eine \u00dcbernahme bisheriger Symboliken, die sich in theologisch zumindest teilweise umstrittenen Praktiken bis heute in Teilen <em>Nordtirols<\/em> erhalten hat. So werden etwa vorwiegend in l\u00e4ndlichen Bereich<img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1494\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/ostereier-150x150.jpg\" alt=\"ostereier, zillertal 2012, dr. arkadasch, arteologie\" width=\"150\" height=\"150\" \/>en nach wie vor vorchristliche Br\u00e4uche und Riten gepflegt, auch wenn diese meist parallel in ein christliches Umfeld mit eingebettet werden, wie etwa das Schm\u00fccken der Rinder beim Verlassen der alpinen Weiden, die sogenannten \u201eRaun\u00e4chte\u201c zur Zeit des Weihnachtsfestes, oder der weitverbreitete Tierkult um den \u201eOsterhasen\u201c und die &#8220;Ostereier&#8221;.<\/p>\n<p>Durch die Herausl\u00f6sung des Symbols aus seiner urspr\u00fcnglichen Bezogenheit zur allt\u00e4glichen Lebenswelt einer Gemeinschaft er\u00f6ffnet sich gleichzeitig ein immer breiter werdender Interpretationsspielraum der kultischen Auslegung und konterkariert damit die urspr\u00fcngliche Absicht seiner identifikatorischen Definition. Dies zeigt sich sehr deutlich in den oftmals wechselseitigen \u00dcbernahmen von Symbolen und den daraus resultierenden kultischen Handlungen, wie sie etwa im j\u00fcdisch-christlichen Bereich oder in der G\u00f6tterwelt der antiken <em>Griechen<\/em> und <em>R\u00f6mer<\/em> vorzufinden sind.<\/p>\n<p>Gleichwohl bedingt jede Entwicklung hin zu einer symbolhaften Darstellung eine kreative Aneignung und auch handwerkliche Umsetzung von abstrakt zu definierenden Inhalten und normativen Identifikationsmustern, die sich in weiterer Folge in einer intellektuellen Vergedanklichung subsummieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch die gestalterische Ausf\u00fchrung der drei Cult-objecte dieses Triptychons unterscheidet sich in seiner optischen Pr\u00e4senz&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1493"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1493"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1493\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1495,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1493\/revisions\/1495"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1493"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1493"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1493"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}