{"id":1496,"date":"2016-11-09T22:10:40","date_gmt":"2016-11-09T20:10:40","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1496"},"modified":"2016-11-09T22:10:40","modified_gmt":"2016-11-09T20:10:40","slug":"zillertal-juni-oktober-2012-ausgrabungsprotokoll-215","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1496","title":{"rendered":"Zillertal, Juni &#8211; Oktober 2012, Ausgrabungsprotokoll 21\/5"},"content":{"rendered":"<p>Der erste Ansatz einer christlich religi\u00f6sen Kultnische erwies sich aufgrund der Altersbestimmung des Bauwerks, als auch der Radiocarbondatierung der metallurgischen Verbindungen der metallenen Querstreben an den kreuzartig ausgebildeten <em>Cult-objecten<\/em> des <em>Imminger<\/em> <em>Tritychons<\/em> als falsch. Die Datierung der metallurgischen Verbindungen wurde am <em>Metallurgischen Institut der Montanuniversit\u00e4t in Leoben<\/em> (<em>Steiermark<\/em>, <em>\u00d6sterreich<\/em>) am 20. August 2012 durchgef\u00fchrt und l\u00e4sst sich mit einer Genauigkeit von +\/- 30 Jahren am Schnittpunkt zwischen der <em>Arteologischen<\/em> <em>Zeitepoche<\/em> und der <em>Hocharteologischen<\/em> <em>Zeitepoche<\/em> festmachen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/cult_object_zeichnung_vorderansicht.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1497\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1497\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/cult_object_zeichnung_vorderansicht-150x150.jpg\" alt=\"cult_object_zeichnung_vorderansicht, zillertal 2012, dr. arkadasch, arteologie\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Alle drei kreuzartigen <em>Cult-objecte<\/em> bestehen aus Rundeisen mit einem durchschnittlichen Durchmesser von 7,70 mm. Sie weisen eine polierte Oberfl\u00e4che auf, die derart glatt pr\u00e4pariert wurde, dass st\u00e4rkere Oxidationsspuren lediglich an den hammerverschweissten Nahtstellen aufgetreten sind. Die gesamte L\u00e4nge der senkrecht aufragenden Standelemente betr\u00e4gt, abz\u00fcglich der eingesenkten und mit M\u00f6rtel verklebten Fundamentierungsteile im Schnitt 110 bis etwa 112 mm. Die Anbringung der beiden Querstreben erfolgte im rechten Winkel, wobei es hier in der jeweiligen Strebenl\u00e4nge unterschiedliche Gesamtausmasse zwischen 32,05 mm und 34,95 mm gibt, die aber nicht einer divergierenden Abmessung geschuldet, sondern vielmehr mechanisch durch die erfolgte Verschweissung bedingt sind. Gleichwohl l\u00e4sst die Art dieser im Wesentlichen \u00e4usserst filigranen Verschweissungen in Hammerschlagtechnik auf eine hohe Kunst der entsprechenden Metallverarbeitung schlissen, wie sie in dieser Art und Weise bisher im <em>Alpenraum<\/em> nicht vorzufinden war. Die Metallurgin <em>Dr. Elizabeth Burner<\/em>, Leiterin des <em>Technoarch\u00e4ologischen Instituts des Britischen Museums<\/em> kommt in ihrem Vergleich dieser Arbeiten mit den fr\u00fchen Techniken der <em>damaszenischen Messer- und Klingenerzeugung<\/em> zur Schlussfolgerung, dass es sich bei diesen Arbeiten des <em>Imminger<\/em> <em>Triptychons<\/em> um zugekaufte Fremdleistungen aus dem Raum des <em>Mittleren<\/em> <em>Ostens<\/em> handeln muss, da sowohl die Schlagtechnik der Hammerf\u00fchrungen, als auch die mehrfache \u00dcberlappung der metallenen Schichten in der Verschweissung zu dieser Zeit lediglich von den Handwerkern der damaszener Werkst\u00e4tten angewandt wurde. Die beim <em>Imminger<\/em> <em>Triptychon<\/em> verwendeten Metalle stammen zur G\u00e4nze aus dem <em>Kitzb\u00fchler<\/em> Raum. Somit ist belegt, dass diese <em>Cult-objecte<\/em> in der r\u00e4umlichen N\u00e4he des Fundortes, zumindest aber im Raum des heutigen <em>Nordtirols<\/em> erzeugt wurden, da eine reine Verbringung der Grundmaterialien \u00fcber weite Strecken oder gar \u00fcber das <em>Mittelmeer<\/em> und die anschliessende R\u00fcckf\u00fchrung von gefertigten Werkst\u00fccken zum Ursprungsort der Mineralerze nicht verifizierbar ist. Zwar wurde ein Warenaustausch \u00fcber den gesamten europ\u00e4ischen Raum zu dieser Zeitepoche regelm\u00e4ssig vollzogen, jedoch beschr\u00e4nkte sich dieser G\u00fcteraustausch \u00fcberwiegend auf Gew\u00fcrze, Schmuck und entsprechend verarbeitete Luxusg\u00fcter und keinesfalls auf den Transport von reinen Rohstoffen der wirtschaftlichen Urproduktion, mit der Ausnahme von Salz und unbearbeitetem Bernstein, der nachweislich von der <em>Ostsee<\/em> bis nach <em>\u00c4gypten<\/em> gehandelt wurde.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/cult_object_foto-1.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1498\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1498\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/cult_object_foto-1-150x150.jpg\" alt=\"imminger triptychon, zillertal 2012, dr. arkadasch, arteologie\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Die metallurgische Bearbeitung der drei kreuzartigen <em>Cult-objecte<\/em> des <em>Imminger<\/em> <em>Triptychons<\/em> durch Handwerker aus dem <em>Mittleren<\/em> <em>Osten<\/em> stellt somit eine transitale Aneignung einer Dienstleistung dar, die mit hoher Wahrscheinlichkeit gegen ein entsprechendes Entgelt im Auftrag der kultischen Eliten veranlasst wurde. Dies erscheint umso folgerichtiger, als die Handelswege \u00fcber den <em>Alpenhauptkamm<\/em> f\u00fcr jede von S\u00fcden nach Norden und umgekehrt verlaufende Bewegungsrichtung eine zwingend vorgegebene Streckenf\u00fchrung darstellten, da weder der Seeweg noch andere Transportm\u00f6glichkeiten zur Verf\u00fcgung standen. Dass es hierbei an einem Schnittpunkt von \u00fcberregional bedeutsamen Handelswegen zu einem regelm\u00e4ssigen Austausch von Erfahrungen und handwerklichen Techniken kam, liegt einerseits in der lokalen Bedeutung der infrastrukturell perfekt ausgebauten <em>Imminger<\/em> <em>Furt<\/em> und andererseits an der merkantilen Ausrichtung der eingeborenen Bev\u00f6lkerung <em>Nordtirols<\/em>, die seit Anbeginn aufgrund der wirtschaftlichen und klimatischen Gegebenheiten auf eine Duldung von durchreisenden Gruppen angewiesen war, sofern sie nicht bei Widerstand mit gewaltt\u00e4tigen Konsequenzen zu ihrem eigenen Nachteil konfrontiert wurde. Es spricht f\u00fcr die Assimilationsbereitschaft der indigenen <em>Tiroler<\/em> Bev\u00f6lkerung, dass es ihr \u00fcber all diese Zeitepochen hinweg gelungen ist, durch eine vordergr\u00fcndig willf\u00e4hrige Kooperationsbereitschaft ein Minimum an Eigenst\u00e4ndigkeit und Identit\u00e4t zu wahren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der erste Ansatz einer christlich religi\u00f6sen Kultnische erwies sich aufgrund der Altersbestimmung des Bauwerks, als&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1496"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1496"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1496\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1499,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1496\/revisions\/1499"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1496"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1496"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1496"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}