{"id":1522,"date":"2016-12-13T21:05:37","date_gmt":"2016-12-13T19:05:37","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1522"},"modified":"2016-12-13T21:05:37","modified_gmt":"2016-12-13T19:05:37","slug":"zillertal-juni-oktober-2012-ausgrabungsprotokoll-225","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1522","title":{"rendered":"Zillertal, Juni &#8211; Oktober 2012, Ausgrabungsprotokoll 22\/5"},"content":{"rendered":"<p>Die r\u00f6ntgenologischen Untersuchungen ergaben, dass es keinerlei skelettale Verletzungen, weder zu Lebzeiten noch post mortem gab. Selbst die Entnahme der inneren Organe im Zuge der Mumifizierung erfolgte ohne irgendwelche Besch\u00e4digungen der Knochenstruktur, wobei hier die Untersuchung im MRT-Verfahren belegt, dass die sowohl die Entnahme der inneren Organe, als auch des Gehirns per rectum erfolgte; einer bisher im Alpenraum nicht nachweisbaren Methode. Die dabei ausgewiesene Professionalit\u00e4t bezeugt den hohen Stand der anatomischen und auch pathologischen F\u00e4higkeiten der damaligen Mumifizierungsexperten und legt die noch zu pr\u00fcfende Schlussfolgerung nahe, dass mit dem transitalen biologischen Austausch nicht nur eine genetische Vermischung mit Erbgut aus dem maghrebinisch-pal\u00e4stinensischen Raum erfolgte, sondern dass epochengleich gleichzeitig auch eine assimilative \u00dcbernahme verschiedenster Techniken und F\u00e4higkeiten erfolgte, wie etwa die beim <em>Imminger Triptychon<\/em> angewandte damaszenische Klingentechnik, oder die Mumifizierungstechnik mittels rectaler Organentnahme bei der <em>Imminger<\/em> Kleinkindmumie \u201e<em>Zilli<\/em>\u201c. Inwieweit hier nicht lokal beheimatete Experten ihr K\u00f6nnen und Wissen einbrachten, oder aber indigene Fachkr\u00e4fte, die ihr Handwerk durch \u00dcbernahme und Nachahmung erlernt haben, zum Einsatz kamen, kann zur Zeit nicht abschliessend bewertet werden. Gleichwohl aber deutet die hohe Qualit\u00e4t der Mumifizierung \u2013 die durchaus vergleichbar ist mit Funden aus der <em>pr\u00e4dynastischen<\/em> <em>Zeit<\/em> <em>\u00c4gyptens<\/em> (ca. 4000 \u2013 3032 v. Chr.) \u2013 sehr klar auf einen transitalen Wissenstransfer hin, da weder die erforderlichen Techniken noch die Kenntnisse um die dabei erforderlichen Materialien und Rohstoffe in dieser Weise im Raum <em>Nordtirol<\/em> origin\u00e4r entwickelt und\/oder vorhanden waren.<\/p>\n<p>Die Dehydrierung des weiblichen Kleinkindleichnams erfolgte mittels Einreibungen von Potasche, die mit einem 5 %igen Anteil Basaltstaub vermischt wurde. Spuren davon wurden sowohl unter einzelnen Finger- als auch Zehenn\u00e4geln nachgewiesen. Mit einer langen, hackenf\u00f6rmigen Nadel wurden die inneren Organe entnommen und \u00fcber einen Durchstoss am Gaumen die Entnahme des Gehirns durchgef\u00fchrt. Der daf\u00fcr n\u00f6tige Entnahmekanal liegt in der genauen Verl\u00e4ngerung der Speiser\u00f6hre und erm\u00f6glichte auf diese Weise den Verzicht auf eine Bohrung am Hinterhauptbein (<em>Os<\/em> occ<em>i<\/em>pitale), bzw. an der Sch\u00e4delbasis (<em>Pars<\/em> <em>basilaris<\/em>). Dass hierbei die in <em>\u00c4gypten<\/em> \u00fcbliche Entnahmetechnik \u00fcber die Nase nicht zur Anwendung kommen musste, ergibt sich einzig aus der k\u00f6rperlichen Kleinkindhaftigkeit des Mumifizierungsobjekts. Durch diese bisher einzigartige Vorgangsweise blieb der gesamte Sch\u00e4delbereich in seiner physiognomischen Ausgestaltung komplett unversehrt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/humanoider_fund_Fundprotokollzeichnung_detail_kopf.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1523\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1523\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/humanoider_fund_Fundprotokollzeichnung_detail_kopf-150x150.jpg\" alt=\"humanoider_fund_fundprotokollzeichnung_detail_kopf, zillertal 2012, dr. arkadasch, arteologie\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Die Breite des Kopfes misst, gemessen an der Aussenkante der Jochbeine (<em>Os<\/em> <em>zygomaticum<\/em>), 94,90 mm, die gesamte Kopfl\u00e4nge betr\u00e4gt 110,30 mm. Die beiden Ohrmuscheln messen rechts 38,15 mm und links 36,97 mm. Der ge\u00f6ffnete Mund weist von den Mundwinkeln aus gemessen eine Breite von 38,00 mm auf. Der Abstand zwischen den Augen betr\u00e4gt 30,05 mm. Das linke Auge mit 19,96 mm ist um 0,11 mm breiter als das rechte, mit einem Querduchmesser von 19,85 mm. Der Abstand des Augenquerschnitts zur Scheitelpunktlinie betr\u00e4gt 51,05 mm.<\/p>\n<p>Diese anatomischen Abmessungen entsprechen der insgesamten Lebensaltersangabe von minimal drei bis maximal sieben Monaten.<\/p>\n<p>Nach der erforderlichen Dehydrierung des gesamten K\u00f6rpers erfolgte die weitere Mumifizierung anhand von zahlreichen Einreibungen mit einem wechselnden Gemenge aus verschiedenen Harzen, die allesamt sowohl antiseptische als auch fungistatische Wirkungen vereinen.<\/p>\n<p>Der gesamte Mumifizierungsprozess erfolgte \u00fcber mehrere Wochen, wobei erst in den letzten Abschnitten die entsprechenden Umwicklungen mit linnen Streifengeweben durchgef\u00fchrt wurden. Die als aussergew\u00f6hnlich zu wertende Freilassung von ungesch\u00fctzten K\u00f6rperteilen war einzig aufgrund der vorsorglichen Lagerung in feinem Basaltsand m\u00f6glich, wobei hier wiederum auf eine vollkommen trockene und vom gewachsenen Felsboden abgeschirmte Endruhest\u00e4tte geachtet wurde.<\/p>\n<p>Mit der Beisetzung der kindlichen Mumie der \u201e<em>Zilli<\/em>\u201c, beschr\u00e4nkte sich die kultische Tradition einzig auf den hermetisch abgeschlossenen Bereich der Grabesnische und erfuhr ihren Fortbestand ausschliesslich im nachfolgenden Narrativ der kultischen Eliten. Dies l\u00e4sst sich noch heute in alten oral \u00fcberlieferten und lokal begrenzten M\u00e4ren und Sagen von Kindsweglegungen und\/oder Kindsrauben nachweisen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die r\u00f6ntgenologischen Untersuchungen ergaben, dass es keinerlei skelettale Verletzungen, weder zu Lebzeiten noch post mortem&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1522"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1522"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1522\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1524,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1522\/revisions\/1524"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1522"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1522"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1522"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}