{"id":1536,"date":"2016-12-29T22:52:59","date_gmt":"2016-12-29T20:52:59","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1536"},"modified":"2016-12-29T22:52:59","modified_gmt":"2016-12-29T20:52:59","slug":"arteologische-kontextbefundung-der-fundrelevanten-grabungsergebnisse-der-grabungsstelle-zillertal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=1536","title":{"rendered":"Arteologische Kontextbefundung der fundrelevanten Grabungsergebnisse der Grabungsstelle \u201eZillertal\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Arteologische Kontextbefundung der fundrelevanten Grabungsergebnisse der Grabungsstelle \u201eZillertal\u201c, Team \u201eZillertal\u201c; Bearbeitungsstatus: April 2014.<\/strong><\/p>\n<p><strong>1.Prim\u00e4re Gesamtsichtung der inhumanoiden Artefakte in Bezug auf besiedlungstechnische und habitatsimmanente arteologische Strukturen<\/strong>:<\/p>\n<p>Die Funde der Grabungsstelle \u201e<em>Zillertal<\/em>\u201c lassen sich in vier Kategorien einteilen:<\/p>\n<ol>\n<li>keramoide Funde<\/li>\n<li>metallene Miniaturen und Werkzeuge<\/li>\n<li>besiedelungsrelevante infrastrukturelle und architektonische Fragmente, und:<\/li>\n<li>ein humanoider Fund<\/li>\n<\/ol>\n<p>ad 1) Die Grabungsstelle \u201e<em>Zillertal<\/em>\u201c ist im Gegensatz zu den bisherigen acht arteologischen Grabungsstellen im Raum <em>Nordtirol<\/em> durch eine kleinr\u00e4umige Inhomogenit\u00e4t des Fundgebietes gepr\u00e4gt, die einerseits auf die topografischen Besonderheiten des nat\u00fcrlichen Verlaufes des Flusses Ziller und andererseits aber auch auf die erfolgte Verbauung dieses Flussabschnittes zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Die dadurch notwendige Ausdehnung des untersuchten Gel\u00e4ndeabschnittes richtete sich dabei entlang des rechten Flussufers nach dem seinerzeitigen nat\u00fcrlichen und immer wieder m\u00e4andernden Verlauf, und am linken Flussufer nach der mit freiem Auge nur unklar erkennbaren Gel\u00e4ndekante, die gegenw\u00e4rtig auch der Trassierung der talausw\u00e4rtsf\u00fchrenden Hochspannungsleitung dient.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das zentrale Element der Grabungsstelle bildet dabei die gut bis sehr gut erhaltene Furtstelle (\u201e<em>Imminger<\/em> <em>Furt<\/em>\u201c) die hierbei als zentrale \u00dcbergangsstelle f\u00fcr den talausw\u00e4rts gelegenen Schnittpunkt der historischen Handelswege des <em>Inntals<\/em> mit den inneralpinen Gebirgs\u00fcberg\u00e4ngen nach S\u00fcden (<em>Tuxer Joch<\/em>), nach S\u00fcdosten (<em>Gerlospass<\/em>) und nach Osten (<em>Reither Kogel<\/em>) von hoher infrastruktureller Bedeutung war.<\/p>\n<p>Dies zeigt sich auch in den vorgefundenen Geb\u00e4udefundamenten die direkt n\u00f6rdlich an die rechtsufrige Furtpassage anschliessen, die auf Grund ihrer Ausmasse und formalen, sowie materialtechnischen Umsetzung, sowohl den \u00f6konomischen als auch repr\u00e4sentativen Anspruch der Furtbetreiber widerspiegeln.<\/p>\n<p>Gleichwohl sind die keramoiden Funde sowohl im Bereich der Geb\u00e4udefundamente, als auch am gepflasterten Vorplatz, sowie entlang der freigelegten Wegtrassenabschnitte, insbesonders im Vergleich zu anderen Fundstellen im Raum <em>Nordtirol<\/em> (vgl. u.a. Grabungsstelle \u201e<em>Lechtal<\/em>\u201c) sp\u00e4rlich und beschr\u00e4nken sich ausnahmslos auf fragmentarische Reste von Alltagsgegenst\u00e4nden die dem t\u00e4glichen Bedarf der Reisenden sowie der eingeborenen Bev\u00f6lkerung vor Ort entsprachen. So wurden keinerlei typische rituelle Gef\u00e4sse \u2013 auch nicht im Inneren der Geb\u00e4udestrukturen \u2013 oder auch funktionsentsprechende Ansammlungen von Geschirren und\/oder Koch\u00adutensilien vorgefunden. Dieses Fehlen derartiger, den Alltag bew\u00e4ltigender Artefakte deutet klar und deutlich auf eine geplante und geordnete Auflassung dieser Furtstelle hin \u2013 zumindest im Hinblick auf die verwaltungs\u00f6konomische und lokal strategische Bedeutung dieses infrastrukturellen Verkehrsknotenpunkts. Inwieweit hier naturbedingte Ver\u00e4nderungen des Flusslaufes, oder aber regulative, bauliche Eingriffe seitens der Betreiber den endg\u00fcltigen Beschluss der Auflassung evozierten kann zurzeit nicht abschliessend bewertet werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die vorgefundenen keramoiden Reste stellen per se ein Sammelsurium aus einfacher, indigener T\u00f6pferware bis hin zu fein gearbeiteten, d\u00fcnnwandigen Keramiken dar, wie sie zu jener Zeit typisch f\u00fcr den mediterranen Raum anzusehen sind. Es l\u00e4sst sich somit f\u00fcr den Raum <em>Zillerta<\/em>l kein R\u00fcckschluss auf eine eventuelle eigenst\u00e4ndige, handwerkliche Entwicklung im Bereich der T\u00f6pferkunst ziehen, vielmehr ist auf Grund der wenigen indigenen Scherbenfunde davon auszugehen, dass lediglich Gebrauchskeramik in funktioneller Absicht hergestellt wurde, ohne jeden Anspruch auf stilistische Feinheiten und\/oder ornamentale Ausschm\u00fcckung. Die vorgefundenen Ritzmuster an einzelnen Scherben aus einheimischer Produktion lassen auf handwerkliche Routinen ohne jeglichen gestalterischen Anspruch schliessen, wobei der Vergleich mit wesentlich \u00e4lteren Keramiken aus dem Raum <em>Triest<\/em> deutlich zeigt, dass selbst diese Grundformen einer ornamentalen Gestaltung keine origin\u00e4re Entwicklung darstellen, sondern eindeutig transitalen Ursprungs sind und entsprechen somit der generellen Bereitschaft, den eigenen Mangel an Innovation und intellektueller Auseinandersetzung durch assimilatives Verhalten zu kompensieren, und in weiterer Folge \u00fcber ritualisierte Traditionsmuster als Ausformung einer normativen Eigenleistung im soziokulturellen Gef\u00fcge zu stilisieren.<\/p>\n<p>ad 2) Die bei der Grabung \u201e<em>Zillertal<\/em>\u201c vorgefundenen metallenen Miniaturen (= <em>Cult-objecte<\/em>) und Werkzeuge (ausschliesslich metallene Gebrauchsgegenst\u00e4nde) sind in zwei voneinander gegens\u00e4tzliche Gestaltungsgruppen einzuteilen. Bei den Werkzeugen und werkzeug\u00e4hnlichen Gebrauchsgegenst\u00e4nden handelt es sich einerseits um Artefakte die im h\u00e4uslichen Umfeld der famili\u00e4ren Versorgung ihre Verwendung fanden, wie z.B. Messerklingen, Kochspiesse und Halterungen f\u00fcr Ger\u00e4tschaften, die in ihrer Ausf\u00fchrung eine rein funktionelle Gestaltung ohne jeglichen Anspruch auf ornamentale \u00c4sthetisierung aufweisen und andererseits um landwirtschaftliche, bzw. der Zugtierhaltung und dem Transport zugeh\u00f6rende Teile, wie etwa Ringe f\u00fcr Zaumzeug, Klemmen f\u00fcr Spannseile und Halterungen f\u00fcr Transportgut. Der \u00fcberwiegende Teil dieser Funde besteht aus Bronze deren Kupferanteil aus dem Grossraum <em>Schwaz<\/em> und den dortigen Erzgruben entstammt, w\u00e4hrend die wenigen Fundst\u00fccke aus Eisen ihrer mineralogischen Herkunft nach dem nordgriechisch-albanischen Raum zuzuordnen sind und somit die merkantilen Verbindungen, respektive die innereurop\u00e4ische Nutzung der Alpentransversalen im Raum <em>Zillertal<\/em> belegen. Das Fehlen origin\u00e4rer stilistischer Gestaltungselemente und der Mangel an eigenst\u00e4ndiger Formensprache bei s\u00e4mtlichen Funden aus Bronze deuten auf eine rein zweckbetonte Ausarbeitung dieser Gegenst\u00e4nde hin, wobei hier, wie bereits bei der Grabung im <em>Stubaital<\/em> nachgewiesen, durchaus von einem gewissen technischen Verst\u00e4ndnis ausgegangen werden kann, welches sich vor allem in spezifischen Details f\u00fcr eine bessere Verwendbarkeit, in rudiment\u00e4ren Ans\u00e4tzen niedergeschlagen hat. Die dabei zugrunde liegenden Basisformen sind aus entsprechenden Funden im gesamten Mittelmeerraum bis hin zu <em>fr\u00fchbabylonischen<\/em> Fundungen bekannt und belegen die transistal bedingte \u00dcbernahme von Entwicklungen und Techniken, die ihren origin\u00e4ren Ursprung ausserhalb des Raumes <em>Nordtirol<\/em> hatten. Im gesamten Grabungsgebiet \u201e<em>Zillertal<\/em>\u201c wurden keinerlei Hinweise auf gewaltsame Okkupationen im besagten Zeitraum festgestellt. Der gesamte Alpenraum war bis zu Zeit der <em>r\u00f6mischen Besetzung<\/em> wirtschaftlich gesehen ohne gr\u00f6ssere Bedeutung, lediglich die strategisch wichtigen Handelsrouten mit ihren Alpentransversalen stellten einen \u00fcberregionalen Nutzwert dar, der durch merkantile \u00dcbereink\u00fcnfte und\/oder politisches Kalk\u00fcl, im Sinne einer Weg- und Trassenerhaltung durch die indigene Bev\u00f6lkerung gew\u00e4hrleistet werden konnte. Sowohl f\u00fcr die n\u00f6rdlich als auch s\u00fcdlich des <em>Alpenhauptkammes<\/em> ans\u00e4ssigen V\u00f6lker gen\u00fcgte meist die Androhung von wirtschaftlichen und\/oder milit\u00e4rischen Sanktionen, um die eingeborenen Bev\u00f6lkerung <em>Tirols<\/em> in die Grenzen ihres lokalen Habitats nachhaltig zu verweisen und eventuell dar\u00fcber hinausgehende Anspr\u00fcche bereits im Keim zunichte zu machen. Dies zeigt sich auch deutlich daran, dass erst im 12.Jahrhundert erste Ans\u00e4tze eines gemeinschaftlich definierten Gebietes entstanden, welches mit immer wieder wechselnden Herrschaften und Zuordnungen erst im 20. Jahrhundert in seinen heutigen Grenzen ausgebildet wurde. Bis dahin blieb eine generelle Kleinstrukturiertheit vorherrschend, die sich sowohl sprachlich (<em>bajuwarsiche<\/em>, <em>allemanische<\/em> und <em>romanische<\/em> <em>Dialekte<\/em>) als auch rechtlich (unterschiedliche b\u00e4uerliche Erbrechte) niedergeschlagen hat. Selbst das heutige Eigenverst\u00e4ndnis der nordtiroler Bev\u00f6lkerung als \u201estolzes Volk in den Alpen\u201c entbehrt nicht nur etymologisch gesehen jeglicher Substanz, sondern kaschiert gleichzeitig auch das oftmals naiv erscheinende Bestreben der <em>Tiroler<\/em> Bev\u00f6lkerung nach eigenst\u00e4ndiger Authentizit\u00e4t.<\/p>\n<p>Die drei <em>Cult-objecte<\/em> des \u201e<em>Imminger Triptychons<\/em>\u201c, deren Radiocarbondatierung die Entstehung dieser <em>Cult-objecte<\/em> am Schnittpunkt zwischen der <em>Arteologischen Zeitepoche<\/em> und der <em>Hocharteologischen Zeitepoche<\/em> fixiert, stellen (vermutlich) zugekaufte handwerkliche Fremdleistungen aus dem Raum des heutigen <em>Mittleren Ostens<\/em> dar, da zu dieser Zeit eine derartige Bearbeitungstechnik nahezu ausschliesslich von Meistern der <em>damaszener Werkst\u00e4tten <\/em>durchgef\u00fchrt werden konnte. Die Wertigkeit dieser Arbeiten erschliesst sich aus dem F\u00fchrungsprimat der rituellen Eliten, da derartige Aufwendungen, sowohl in \u00e4sthetischer als auch wirtschaftlicher Hinsicht, einen hoheitlichen Anspruch \u00fcber das Gemeinverm\u00f6gen bedingen, \u2013 insbesondere im Hinblick auf den Fund der M\u00e4dchenmumie \u201e<em>Zilli<\/em>\u201c \u2013 die als Zielsetzung die Manifestierung und Festigung des hierarchischen Aufbaus der lokalen Gemeinschaft ausweist, und dergestalt jene Symbolhoheit pr\u00e4sentiert, die in weiterer Folge die \u00fcberwiegend bedingungslose Folgschaft der untergebenen Gemeinbev\u00f6lkerung absichert. Diese Ausformung einer rituellen Herrschaft zeigt sich auch noch heute sehr eindrucksvoll, da selbst in den abgelegendsten Geh\u00f6ftgruppen in den engsten Seitent\u00e4lern <em>Nordtirols<\/em> ein, meist reich geschm\u00fcckter, Sakralbau steht, der als bewusster Kontrapunkt zur ansonsten \u00fcberwiegend \u00e4rmlichen Umgebungsbehausung steht.<\/p>\n<p>Der Ansatz durch \u00fcberdimensionierte und reich verzierte Pr\u00e4sentationsbauten die absolute Legitimit\u00e4t der rituellen und politischen Eliten zu demonstrieren, verweist auf jene tradierte und meist unhinterfragte Demutshaltung die auch heute noch das Alltagsleben der nordtiroler Bev\u00f6lkerung in vielen Teilen charakterisiert.<\/p>\n<p>Mit dem \u201e<em>Imminger Triptychon<\/em>\u201c wurde gestalterisch und formal der Prozess einer funktionell begr\u00fcndeten rituellen Handlung zu einer rein symbolhaften Metapher, im Sinne einer spirituellen Deutungsautarkie vollzogen: nunmehr bedingte nicht mehr eine aus und im Alltagsleben verifizierbare Nutzung die generelle und spezifische Wertigkeit des <em>Cult-objects<\/em>, sondern vielmehr oblag ab diesem Gestaltungsschritt einer bewussten Abstraktion, die Interpretationshoheit ausschliesslich im Machtbereich der rituellen Eliten, die sich damit vom gesellschaftlichen Gesamtgef\u00fcge einer gemeinsamen Lebenswelt emanzipierten und ihren eigenst\u00e4ndigen und unantastbaren Hoheitsbereich schufen, der jederzeit durch eine Berufung auf \u201eh\u00f6here M\u00e4chte\u201c autorisiert werden konnte.<\/p>\n<p>Dass sich hier in weiterer Folge das <em>Christentum<\/em> dieser vorgegebenen Strukturen bediente, entspricht den \u00fcblichen usurpatorischen Gepflogenheiten, wie sie in nahezu allen Kulturen nachweisbar sind: die neuen Herrscher assimilieren entweder durch Zwang und\/oder einer offenen oder versteckten Neuinterpretation vorgefundener Symbole die tradierten Sitten und Gebr\u00e4uche derart, bis sie von der jeweiligen Bev\u00f6lkerung als eigenst\u00e4ndig entwickelte und als elit\u00e4r empfundene rituelle Handlungen kritiklos \u00fcbernommen werden. Reste alter Traditionen und kultischer Handlungen \u00fcberdauern dabei oftmals in Form anachronistischer Form, wie z. B. in <em>Nordtirol<\/em> die sogenannten \u201eRaun\u00e4chte\u201c um die Zeit des christlichen Weihnachtsfestes.<\/p>\n<p>Die Fundungen s\u00e4mtlicher <em>Cult-objecte<\/em> im Raum Nordtirol weisen in eindrucksvoller Weise den Weg vom Trankopfer zum christlichen Symbol des Kreuzes auf, und zeigen, dass uralte mythologische Strukturen im Wandel der Zeit ihre Dauerhaftigkeit bis in unsere heutige Zeit, jenseits der jeweiligen kultischen Deutungen, manifestieren.<\/p>\n<p>ad 3) Bei den im Grabungsgebiet \u201e<em>Zillerta<\/em>l\u201c freigelegten besiedelungs\u00adrelevanten infrastrukturellen und architektonischen Fundungen handelt es sich<\/p>\n<ol>\n<li>um Trassierungen der entsprechenden Wegzul\u00e4ufe zur und von der \u201e<em>Imminger Furt<\/em>\u201c, die am rechten Ufer im Wesentlichen dem nat\u00fcrlichen Verlauf des Flusses folgen und am linken Ufer entlang der nat\u00fcrlichen Felsenkante in Richtung Nordwesten angelegt sind. Der rechtsufrige Wegabschnitt war lediglich im Einfahrtsbereich der Furt pflasterartig mit flachen Findlingssteinen, auf eine L\u00e4nge von ca. 30 m, ausgelegt, die jedoch oberfl\u00e4chenwasserdurchl\u00e4ssig und frostsicher auf einem aufgesch\u00fcttetem Bett aus Kieseln, die dem Uferbereich des <em>Zillers<\/em> entstammen, verlegt wurden. Der weitere Wegverlauf dieses alten Handelspfades bestand taleinw\u00e4rts \u00fcberwiegend aus einer unbefestigten Trasse, die an neuralgischen Punkten durch Auf\u00adschotterungen oder mittels Querverlegung von Rundh\u00f6lzern in orts\u00fcblicher Manier gewartet wurde.<\/li>\n<li>Die Furtstelle selbst stellt mit ihrer aus dem gewachsenen Felsen herausgearbeiteten Uferrampe eine bautechnische Leistung der <em>Hocharteologischen Epoche<\/em> dar, wie sie bisher im Raum <em>Nordtirol<\/em> noch nirgendwo vorgefunden wurde. Sowohl die Bearbeitung als solche, als auch die funktionelle Gesamtgestaltung zeugen von der plagiativen Bereitschaft der eingeborenen Bev\u00f6lkerung und ihrer leitenden Eliten, Techniken und Gestaltungen zumindest in ihren einfachen Grundformen zu \u00fcbernehmen, um daraus jenen wirtschaftlichen Nutzen zu ziehen, der aus einer erleichterten und risiko\u00e4rmeren \u00dcberquerung des Flusses zu erzielen ist. In welcher Form dabei eine Gegenleistung (Tauschgesch\u00e4fte?) eingehoben wurde, kann zurzeit nicht beurteilt werden. Insgesamt entspricht diese fr\u00fche Entwicklungsstufe eines Wegzolls dem merkantilen Charakter der eingeborenen Bev\u00f6lkerung, der weiterf\u00fchrend in der konsequenten Umdeutung des Begriffs der Gastfreundschaft in den rein \u00f6konomisch definierten Terminus \u201eFremdenverkehr\u201c seine heutige Ausgestaltung erf\u00e4hrt.<\/li>\n<li>Die freigelegten Geb\u00e4udefundamente am linken <em>Zillerufer<\/em> bestehen aus vereinzelten Fundamentresten, die nach derzeitigem Wissenstand nicht eindeutig in die sp\u00e4te <em>Arteologische Epoche<\/em> in die <em>Hocharteologische Epoche <\/em>eingeordnet werden k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Der aus drei Geb\u00e4uden bestehende Komplex am Nordbereich des H\u00fcgels der rechtsufrigen Furtpassage weist die epochentypische Fundamentierung mittels unbehauener und teilweise behauener Natursteine auf. Die vorgefundenen Balkanaufnahmestellen an diesen basalen Grundlinien belegen die weitere Bauausf\u00fchrung in Holz und entsprechen somit der architektonischen Grundcharakteristik im betreffenden Zeitrahmen. Gleichwohl konnten im gesamten Grabungsbereich keinerlei h\u00f6lzerne \u00dcberreste dieser Geb\u00e4ude gefunden werden. Eine Abtragung durch Brand ist mangels nachweisbarer Spuren auszuschliessen. Der Vorplatz dieses Geb\u00e4udekomplexes wurde teilweise aus dem nat\u00fcrlichen Felsgestein herausgearbeitet bzw. aufgesch\u00fcttet und mit Natursteinen gepflastert und erstreckt sich bis zum angehenden B\u00f6schungsbereich der rechtsuferigen Furtpassage. Auf Grund der strategischen Bedeutung der Furtstelle f\u00fcr die Handelswege zum und vom Inntal ist somit von einer administrativen, zeittypischen Kontroll- und Wartungsstation auszugehen, die gleichzeitig, belegt durch die Funde der <em>Cult-objecte<\/em> und durch den humanoiden Fund der M\u00e4dchenmumie \u201e<em>Zilli<\/em>\u201c, zumindest von lokaler kultischer Bedeutung war (vgl. dazu die noch heute \u00fcbliche Tradition in <em>Nordtirol<\/em>, Br\u00fccken, \u00dcberg\u00e4nge und Wegkreuzungen durch rituelle Symbole dem Schutz \u201eh\u00f6herer M\u00e4chte\u201c anzuvertrauen), und damit sowohl den rituellen als auch soziokulturellen Hoheitsanspruch der kultischen Eliten gegen\u00fcber jedweder rein politischen F\u00fchrung nachhaltig postulierte. Dieses Primat des Kultischen findet in <em>Nordtirol<\/em> bis heute noch mancherorts seinen Niederschlag, in einer als undemokratisch zu bezeichnenden Vermengung aus wirtschaftlichen und religi\u00f6s verbr\u00e4mten Interessensgemeinschaften, die merkantile Umsetzungen vor das Allgemeinwohl stellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong>Arteologische Befundung des humanoiden Fundes der Grabung \u201eZillertal\u201c:<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/hand-5.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1537\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1537\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/hand-5-150x150.jpg\" alt=\"&quot;zilli&quot;, maedchenmumie, zillertal 2012, dr. arkadasch, arteologie\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Bei der dunkelh\u00e4utigen Kleinkindmumie eines M\u00e4dchenk\u00f6rpers handelt es sich um den ersten Fund einer post mortem zur G\u00e4nze artifiziell konservierten Person, die im gesamten Alpenraum vorgefunden wurde. Bei den bisherigen acht arteologischen Ausgrabungen im Raum <em>Nordtirol<\/em> wurden lediglich obere Gliedmassen in verschiedenen Abschnittsbereichen \u2013 vom einzelnen Finger bis zum gesamten Unterarm \u2013 vorgefunden, wobei es jedoch bei keiner einzigen dieser Fundungen zu einer nachtr\u00e4glichen Abtrennung von einem gr\u00f6sseren Ganzen gekommen ist. Vielmehr stellt jede dieser Fundungen eine in sich geschlossene kultische Reliquie dar, die, vergleichbar mit diversen anderen religi\u00f6sen Lehren, die aus konservierten und\/oder konservierbaren K\u00f6rperteilen von zu Lebzeiten bereits gew\u00fcrdigten oder f\u00fcr \u201eheilig\u201c gehaltenen Personen, Objekte der Anbetung und gebetshaften Anrufung schufen, denen dann meist in weiterer Folge bestimmte wundert\u00e4tige Kr\u00e4fte zuerkannt wurden. <em>Dr. Elsbeth von Margarethen<\/em> vergleicht in ihrem Werk \u201e<em>Vom Talisman zum Tabernakel \u2013 Kulturhistorische Studien zur rituellen Symbolik\u201c (Dawkinsche Verlagsanstalt, Frankfurt, Deutschland, 2009)<\/em> unter anderem die verschiedenen Totenkulte historischer Epochen und weist nach, dass insbesondere der Versuch \u00fcber den Tod hinaus die Verg\u00e4nglichkeit des K\u00f6rpers hintanzuhalten proportional mit der jeweilig religi\u00f6sen Doktrin einer Vorstellung von einem Leben nach dem Tode so lange einhergeht, bis eine abstrahierte Symbolik das Sterben als solches zu einem \u00dcbergang in eine neue und bessere Lebensform postuliert. Ein Schnittpunkt dieses intellektuellen Werdegangs zeigt sich bei der Ausgrabung \u201e<em>Zillertal<\/em>\u201c in aller Deutlichkeit: zum Einen in der erstmalig im <em>Alpenraum<\/em> vorgefundenen reinen Abstraktion der drei <em>Cult-objecte<\/em> des \u201e<em>Imminger Triptychons<\/em>\u201c und zum Anderen in der epochengleichen Mumifizierung des M\u00e4dchens \u201e<em>Zilli<\/em>\u201c, die gleichzeitig die qualitative H\u00f6chststufe der Mumifizierungstechnik im Alpenraum darstellt. Anhand der religi\u00f6sen Artefakte des <em>Christentums<\/em>, die in jeder Kirche im Raum <em>Nordtirol<\/em>, in Form von Figuren, Statuen und der Darstellung des am Kreuz verstorbenen <em>Jesus von Nazareth<\/em>, vorzufinden sind, kann die logische Weiterentwicklung des urspr\u00fcnglichen Wunsches nach Erhalt der K\u00f6rperlichkeit, hin zu einer reinen artifiziellen und meist auch \u00e4sthetisierenden Gestaltung, schl\u00fcssig nachvollzogen werden.<\/p>\n<p>Die bisherigen interdisziplin\u00e4ren Forschungsergebnisse k\u00f6nnen wie folgt zusammengefasst werden:<\/p>\n<ol>\n<li>Die Mumie des humanoiden Fundes im Grabungsgebiet \u201e<em>Zillertal<\/em>\u201c besteht aus dem \u00e4usserlich unverletzten K\u00f6rper eines M\u00e4dchens, das im Alter zwischen drei und maximal sieben Monaten eines nat\u00fcrlichen Todes verstorben ist. Die Untersuchungen der Anthropologin <em> Marga Sudanavesi<\/em> und von <em>Dr. Norbert Inseni<\/em> belegen die hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Todesursache durch <em>sudden infant death syndrom (SIDS)<\/em> eingetreten ist, da keinerlei Hinweise auf organisch bedingte Sch\u00e4den oder Krankheiten vorgefunden wurden.<\/li>\n<li>S\u00e4mtliche Analysen des organischen Materials best\u00e4tigen die zweifelsfreie Zugeh\u00f6rigkeit der \u201e<em>Zilli<\/em>\u201c (so der popul\u00e4rwissenschaftliche Name dieser Fundung) zur spezifischen indigenen Bev\u00f6lkerung im entsprechenden Epochenzeitraum. Die biogenetische Vermengung von maghrebinisch-pal\u00e4stinensischem Erbmaterial mit der eingeborenen Bev\u00f6lkerung belegt die transitalen Beeinflussungen und oktroyierenden Assimilations\u00adtendenzen, die insgesamt als typisch f\u00fcr die Gesamtgenese der Bev\u00f6lkerung im Raum <em>Nordtirol<\/em><\/li>\n<li>Die anatomischen Merkmale indes entsprechen ausnahmslos dem indogermanischen Typus, w\u00e4hrend die dermatologische Struktur der Haut die urspr\u00fcnglich maghrebinisch-pal\u00e4stinensische Herkunft nachhaltig manifestiert.<\/li>\n<li>Die dunkelh\u00e4utige M\u00e4dchenmumie \u201e<em>Zilli<\/em>\u201c entspricht in ihrer k\u00f6rperlichen Ausbildung einem normalen Kleinkind der entsprechenden Altersstufe. Sowohl die Oberfl\u00e4che der Haut, als auch die sorgsam gepflegten Extremit\u00e4ten (so wurden etwa sowohl die Finger- als auch Zehenn\u00e4gel regelm\u00e4ssig beschnitten) weisen darauf hin, dass es sich bei diesem M\u00e4dchen um ein Kleinkind einer wirtschaftlich abgesicherten und damit zur Elite geh\u00f6renden Gruppierung gehandelt haben muss. Die Mumifizierung als solche deutet dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit auf ein verwandtschaftliches Naheverh\u00e4ltnis zur kultischen F\u00fchrungschicht hin. Die These eines Opferrituals scheint dabei, auf Grund des nat\u00fcrlichen Todeseintritts nicht haltbar, und wurde im Alpenraum in dieser Form weder in der <em>Arteologischen<\/em>&#8211; noch in der <em>Hocharteologischen Epoche<\/em>, nicht praktiziert.<\/li>\n<li>Das auf der linnenen Umwicklung des M\u00e4dchentorsos aufgetragene Symbol belegt zudem die transitalen Beeinflussungen nicht nur im soziokulturellen Umfeld des Alltags, sondern spiegelt auch die in der <em>Tiroler<\/em> Bev\u00f6lkerung nach wie vor vorhandene freiwillige Bereitschaft wider, f\u00fcr einen vermeintlichen Vorteil nahezu kritiklos Denk- und Handlungsmuster assimilativ zu \u00fcbernehmen und in weiterer Folge als origin\u00e4r entwickelte Eigenleistungen zu definieren.<\/li>\n<li>Abschliessend ist festzustellen, dass es somit den typischen \u201e<em>Tiroler<\/em>\u201c nicht gibt, sondern dass die sogenannte einheimische Bev\u00f6lkerung ein sich st\u00e4ndig ver\u00e4nderndes Gemenge aus unterschiedlichen V\u00f6lkern vom afrikanischen Kontinent, \u00fcber den Balkan bis hin zu s\u00fcd- und nordeurop\u00e4ischen Siedlungsr\u00e4umen darstellt.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arteologische Kontextbefundung der fundrelevanten Grabungsergebnisse der Grabungsstelle \u201eZillertal\u201c, Team \u201eZillertal\u201c; Bearbeitungsstatus: April 2014. 1.Prim\u00e4re Gesamtsichtung&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1536"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1536"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1536\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1538,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1536\/revisions\/1538"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1536"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1536"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1536"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}