{"id":181,"date":"2012-09-25T20:51:58","date_gmt":"2012-09-25T18:51:58","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=181"},"modified":"2012-09-25T20:51:58","modified_gmt":"2012-09-25T18:51:58","slug":"inntal-juni-august-1982-ausgrabungsprotokoll-172","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=181","title":{"rendered":"Inntal, Juni \u2013 August 1982, Ausgrabungsprotokoll 17\/2"},"content":{"rendered":"<p>Die weitere Einordnung in die arteologische Systematik erforderte neben einen hohen zeitlichen Aufwand auch eine interdisziplin\u00e4re Verschr\u00e4nkung verschiedenster wissenschaftlicher Zug\u00e4nge, um eine beweisbare soziokulturelle Verortung des Fundes zu bewerkstelligen. Dabei wird generell folgender Ablauf festgehalten:<\/p>\n<ol>\n<li>Besichtung und Generalkategorisierung des Fundmaterials<\/li>\n<li>Erhaltung und, soweit notwendig, physikalisch \u2013 chemische Konservierung<\/li>\n<li>Materialforensische Analysen der verwendeten Werkstoffe<\/li>\n<li>Interdisziplin\u00e4re Auswertung aller so erhaltenen Daten<\/li>\n<li>Arteologischer Endabgleich<\/li>\n<li>Erfassen des musealen und bildungstechnischen Potenzials<\/li>\n<li>Erstellung von Rekonstruktionen<\/li>\n<li>Weitere permanente wissenschaftliche objekt- und kontextbezogene Forschungen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Allein die Besichtigung und Generalkategorisierung beanspruchte das Team mehr als eine Woche. Bereits nach zwei Tagen stellte sich heraus, dass zwei weitere Splitterteile nicht zum Fundst\u00fcck \u201eKultgef\u00e4ss\u201c (Arbeitstitel) geh\u00f6ren konnten, da ihre Oberfl\u00e4chentextur weder vom coloralen Konzept als auch von der Auftragungsbeschichtung in einem direkten Bezug zu den anderen Fundteilen standen. Gegen Ende der Woche gelang es zum ersten Mal aus den teilen als solches die Grundform des Kultgef\u00e4sses in seiner Anschaulichkeit optisch zu erfassen. Dazu fotografierte der einheimische Fotografenmeister Herr Herwig Angerer jedes Fundteil in einer genau vorher festgelegten Winkelparamentierung, mit konstantem Abstand und m\u00f6glichst schattenfreier Beleuchtung. Nach der fotochemischen Entwicklung der Bilder im campeigenen Labor, wurden die fotografischen Fundteile s\u00e4uberlich ausgeschnitten und wie eine Art Puzzle auf gelegt. Daraus formte Dr. Arkadasch sodann in m\u00fchevoller Kleinarbeit das Kultgef\u00e4ss nach und befestigte es mittels Stecknadeln um einen Kern aus runder Kartonage. Somit konnte erstmals gezeigt werden, dass die Henkelanordnung zu genau 180 \u00b0 gegen\u00fcber dem Mittelpunkt einer gr\u00f6sserfl\u00e4chigen Bebilderung mit einem leicht floralen Symbol und schriftzeichenartigen Kennzeichnungen liegt. Sowohl das leicht florale Symbol als auch die schriftzeichenartigen Kennzeichnungen sind in den Farben Schwarz und Gold gehalten.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/kultgefaess-1_-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-archive-thumbnail wp-image-182\" title=\"kultgefaess 1, rekonstruktion, arteologie, inntal 1982, dr. arkadasch\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/kultgefaess-1_-2-220x150.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"150\" \/><\/a>Das florale Symbol wird aus einer blatt\u00e4hnlichen, in der Mitte geteilten Fl\u00e4che gebildet, wobei die linke Blattseite ein senkrechtes, aus zwei Streifen bestehendes geometrisches Muster aufweist, und die rechte Seite von drei zacken- bis hackenartigen Querstreifen unterbrochen wird. Die Grundfarbe der blatt\u00e4hnlichen Flache ist Schwarz, w\u00e4hrend die eingelassenen Zeichen und Streifen golden sind. An der Spitze des Blattes ist ein aufgesetztes, detailloses Profil mit einer Art Ponyfrisur zu erkennen, welche am Scheitel eine kronenartige Haube (dreizackig) tr\u00e4gt. \u00dcber dieser Haube erhebt sich ein katzenartiges, auf seinen Hinterbeinen posierendes Raubtier, welches in seinen Vorderpfoten (vom Betrachter aus gesehen nach links zeigend) eine verkleinerte Form des Kultgef\u00e4sses selbst tr\u00e4gt. Links und rechts des detaillosen Profils spriessen florale Ranken halbkreisf\u00f6rmig und stark ver\u00e4stelt um die blatt\u00e4hnliche Fl\u00e4che. Insgesamt weist diese Symbolgruppe eine H\u00f6he von 2,30 cm in der Breite als auch in der H\u00f6he auf.<\/p>\n<p>Links davon prangt ein viergliedriges, schriftzeichenartiges Gebilde, wobei das erste Zeichen dem Hauptzeichen der direkt darunter befindlichen schriftartigen Kennzeichnung weitestgehend entspricht und in seiner Gr\u00f6sse im verh\u00e4ltnis von 2:3 zu den beiden nachfolgenden zeichen steht, w\u00e4hrend das vierte wiederum die Gr\u00f6sse des ersten hat.<\/p>\n<p>Rechts des floralen Symbols steht eine Kombination aus Strichen und Kreisen, welche aufgrund ihrer mathematischen Zuordenbarkeit auch als chronologische Verortung gedeutet werden k\u00f6nnen. Die Gr\u00f6sse dieser vier mathematischen Zeichen entspricht der Gr\u00f6sse des ersten schriftzeichenartigen Gebildes linksseitig des floralen Symbols.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/kultgefaess-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-archive-thumbnail wp-image-183\" title=\"kultgefaess 1, seitenansicht, rekonstruktion, inntal, arteologie, dr. arkadasch\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/kultgefaess-1-220x150.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"150\" \/><\/a>Das Hauptaugenmerk f\u00e4llt jedoch unweigerlich auf die 13 schriftzeichenartigen Gebilde, welche in einer Breite von 7,10 cm und in einer H\u00f6he von 1,50 cm unterhalb des floralen Symbols angebracht sind. Auch hier wurden nur die Farben Schwarz und Gold verwendet. Allein schon die Zahl 13 nimmt direkten Bezug auf kultische Grundkonstanten, die aus sich heraus die Rechtfertigung f\u00fcr ornamentale Verallgemeinerungen innerhalb einer Soziet\u00e4t nach sich ziehen. Dreimal wird dabei das selbe Symbol (Grundh\u00f6he innerhalb der Schriftzeichenabfolge: 0,90 cm) verwendet, wobei es ein weiteres Mal, an dritter Stelle aufscheinend nahezu auf dem Kopf zu stehen scheint. Des weiteren wird ebenso drei Mal ein rechtshackiges, senkrechtes Symbol verwendet, welches sowohl von vorne gesehen an vierter Stelle liegt, als auch von r\u00fcckw\u00e4rts betrachtet und zudem den Abschluss dieser schriftzeichenartigen Reihe bildet. Bis auf ein weiteres, bogenf\u00f6rmiges Zeichen, welches genau die Mitte dieser Zeichenreihe bildet, weisen die restlich verwendeten Zeichen Ober- bzw. Unterl\u00e4ngen im Ausmass von 0,30 cm auf. Dass diese Anordnung auf mathematische, kultbezogenen Regeln beruht ist mehr als augenscheinlich. Ebenso verweist der reiche Gebrauch der Farbe Gold auf bewusst zur Schau gestellte hohe Wertigkeit und die Versymbolisierung von Natur (Blatt, Ranken), Mensch (Profilansicht mit kronenartiger Haube) und Raubtier, welches zudem am Kopfe des dargestellten humanoiden Profils steht, stellen einen direkten Bezug zu G\u00f6ttergaben und Gebetsritualen her. Ein Opfergebrauch derartiger Gef\u00e4sse ist nicht auszuschliessen.<\/p>\n<p>Die letzte \u201eZeile\u201c dieser schriftzeichenartigen Gef\u00e4ssaussengestaltung besteht aus einem Block von vier Einheiten, wobei hier der eher streng geometrische Formenansatz der 13 schriftzeichenartigen Gebilde dar\u00fcber nicht weiter verwendet wird, sondern mehr eine spielerische oder auch verspielte Komponente der Gestaltung zum Tragen kommt. Nach bisherigen wissenschaftlichen alphabetiven Ergebnissen d\u00fcrfte es sich dabei mit gr\u00f6sster Wahrscheinlichkeit um eine Art Huldigung oder Segensspruch handeln, mit dem das Trankopfer (wobei anzumerken ist, dass es sich hierbei tats\u00e4chlich um einen rein theoretischen Ansatz handelt) eingeleitet oder aber abgeschlossen wurde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die weitere Einordnung in die arteologische Systematik erforderte neben einen hohen zeitlichen Aufwand auch eine&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/181"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=181"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/181\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":184,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/181\/revisions\/184"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=181"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=181"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=181"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}