{"id":240,"date":"2012-10-31T20:25:39","date_gmt":"2012-10-31T18:25:39","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=240"},"modified":"2012-10-31T20:25:39","modified_gmt":"2012-10-31T18:25:39","slug":"wipptal-august-september-1984-ausgrabungsprotokoll-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=240","title":{"rendered":"Wipptal, August \u2013 September 1984, Ausgrabungsprotokoll 7"},"content":{"rendered":"<p>Eine gelungene Expedition ben\u00f6tigt generell im Hintergrund ein bestens eingespieltes und aufeinander abgestimmtes Team mit Experten aus den verschiedensten Wissensgebieten und Aufgabenbereichen. Dabei steht der wissenschaftlich \u2013 arteologische Spezialist zwar an vorderster verantwortlicher Stelle, doch es muss allen Beteiligten von Anfang an klar sein, dass ein positives Ergebnis letztendlich nur durch eine gleichwertige Ber\u00fccksichtigung aller ausgrabungsrelevanten Parameter erzielbar bleibt. Auch wenn das planungsm\u00e4ssige Primat auf der arteologisch \u2013 wissenschaftlichen Pr\u00e4misse liegt, so darf durch diese in sich schl\u00fcssige und vor allem praxisbew\u00e4hrte hierarchische Strukturierung s\u00e4mtlicher relevanter Aufgaben, keine neidhafte oder gar mit Verhinderungsabsicht agierende Zersplitterung in verschiedene Gruppen und Arbeitsteams auftreten \u2013 denn dies muss \u00fcber kurz oder lang zu gegenseitigem Vertrauensverlust und Streit f\u00fchren.<\/p>\n<p>Es ist nicht genug zu betonen, dass diese scheinbar logischen und sich aus dem Ablauf einer Planung und Durchf\u00fchrung einer Expedition ergebenden organisatorischen Schwerpunkte auf keinen Fall im Bereich der eigenen direkten Verantwortlichkeit der finanzierenden und\/oder planenden enden darf, sondern dass es f\u00fcr den tats\u00e4chlichen Erfolg einer jeden Expedition unerl\u00e4sslich ist, nicht nur die \u00f6rtlichen Gegebenheiten vor Ort, sondern auch die sozio\u00f6konomischen und soziotraditionellen Erscheinungsformen des unmittelbaren Bereiches der durch die Expedition betroffenen Gebiete restlos mit ein zu beziehen. Wie oft schon zeigten die wissenschaftlichen Befunde und die daraus resultierenden neuen Erkenntnisse, dass die Historie so manches ethnologischen Selbstverst\u00e4ndnisses durch eben diese Erkenntnisse in ihren Grundfesten gest\u00f6rt, wenn nicht gar zerst\u00f6rt wird. Um so wichtiger ist und bleibt eine weitestreichende Einbindung der lokalen Bev\u00f6lkerung, der lokalen administrativen W\u00fcrdentr\u00e4ger, der kultischen Tr\u00e4ger sowie s\u00e4mtlicher lokaler und \u00fcberregionaler Medien. Hierbei fr\u00fchzeitig eine Vertrauensbasis zu schaffen (z.B. durch Einbindung in die Planungen, das Anstellen von \u00f6rtlichen Eingeborenen, Auftr\u00e4ge an heimische Wirtschaftsbetriebe [wie Fuhrunternehmen, forstwirtschaftliche Betriebe, oder die Errichtung von Baracken und Werkst\u00e4tten durch Gewerbebetriebe vor Ort]) bedingt als erstes den direkten Draht zur Wohnbev\u00f6lkerung rund um das Ausgrabungsgebiet herzustellen. Ist hier ein positives Einverst\u00e4ndnis erzielt, wird es sp\u00e4terhin eventuell leichter sein zwangsweise Um- und Absiedelungen vorzunehmen, sofern dies der wissenschaftliche Grabungsverlauf verlangen sollte. Hierbei dienten vor allem die Erfahrungen der arteologischen Ausgrabung im Jahr 1982 im Inntal als Planbeispiel mit allen seinen positiven aber auch den wenigen negativen Erfahrungen. Damals gelang es Dr. Arkadasch in einer bewusst gestalteten medialen Offensive, das anfangs ins negative kippende Image der Expedition doch noch so weit ins positive zu korrigieren, dass zumindest einem weiteren Arbeiten keine direkten Widerst\u00e4nde durch Sachbesch\u00e4digungen oder dergleichen mehr entgegengebracht wurden. Auch wenn sich mit dem Fund des \u201eInnti\u201c alles in Wohlwollen aufl\u00f6ste, so blieb doch die Erfahrung zur\u00fcck, beim n\u00e4chsten Mal gleich von Anbeginn auf die richtige Einbindung der eingeborenen Bev\u00f6lkerung vor Ort zu achten.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/detailkarte.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-archive-thumbnail wp-image-241\" title=\"wegkarte, grabungsgebiet wipptal 1984, arteologie, dr. arkadasch\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/detailkarte-220x150.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"150\" \/><\/a>Es wurden daher sowohl die Schl\u00e4gerungsarbeiten als auch das Einz\u00e4unen des gesamten Grabungsgel\u00e4ndes an heimische Betriebe vergeben. Auch die Errichtung der beiden Versorgungsh\u00fctten, so wie die Erschliessung mit elektrischer Energie, die Wasserzuf\u00fchrung und Abwasserableitung wurde mit regionalen Firmen, so weit als m\u00f6glich (die Einrichtung des Labors und des Kommunikationsbereiches der B\u00fcror\u00e4ume erforderte dann doch Spezialisten aus Izmir) abgewickelt, um so von Haus jede Separatierung des Grabungsteams und seiner arteologischen Zielsetzungen hintan zu halten.<\/p>\n<p>Ehe die tats\u00e4chlichen Grabungsarbeiten (abgesehen von den notwendigen Sondierungen f\u00fcr die Drainagierungen) begannen, war somit tats\u00e4chlich eine wirtschaftliche Wertsch\u00f6pfung vor Ort (noch dazu in einem \u00f6konomischen Pauperit\u00e4tsgebiet) erzielt worden, welche vorrangig und nachweislich haupts\u00e4chlich der eingeborenen Bev\u00f6lkerung vor Ort zu gute gekommen ist.<\/p>\n<p>Wissenschaft ist Zukunft, auch wenn sie sich in verschiedensten Bereichen mit Vergangenem besch\u00e4ftigen muss. Wenn dieses Verst\u00e4ndnis bei allen Beteiligten Einzug gehalten hat, ist auch der Boden f\u00fcr eine kritische Auseinandersetzung mit etwaigen neuen Erkenntnissen bereitet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine gelungene Expedition ben\u00f6tigt generell im Hintergrund ein bestens eingespieltes und aufeinander abgestimmtes Team mit&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/240"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=240"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/240\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":242,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/240\/revisions\/242"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=240"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=240"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=240"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}