{"id":258,"date":"2012-11-15T19:45:42","date_gmt":"2012-11-15T17:45:42","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=258"},"modified":"2012-11-15T19:45:42","modified_gmt":"2012-11-15T17:45:42","slug":"wipptal-august-september-1984-ausgrabungsprotokoll-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=258","title":{"rendered":"Wipptal, August \u2013 September 1984, Ausgrabungsprotokoll 11"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Schon die Erfahrungen die zwei Jahre vorher bei der Expedition \u201eInntal\u201c gemacht wurden, zeigen auf, wie wichtig es f\u00fcr jede Expedition ist, so weit als m\u00f6glich die Unterst\u00fctzung der eingeborenen W\u00fcrdetr\u00e4ger und \u2013 als bestes Szenario \u2013 der eingeborenen Bev\u00f6lkerung vor Ort zu erlangen. Wenn man sich vor Augen h\u00e4lt, dass es bei wissenschaftlichen Expeditionen universit\u00e4rer Usus ist, ohne Ansehen auf Herkunft und\/oder Person jenes wissenschaftliche Personal zu entsenden, welches von seiner Kompetenz und Umsetzungskraft her am besten geeignet ist, die Zielsetzungen eines derartigen Aufwandes an Mitarbeitern, Kosten und materiellem Einsatz zu einem erkenntnistheoretischen Zuwachs und belegbaren Befundst\u00fccken, unter Ber\u00fccksichtigung der finanziellen Gebarung und der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Geldgeber zu f\u00fchren, dann wird klar, dass hierbei selten einheimische oder gar eingeborene Kr\u00e4fte zur Verf\u00fcgung stehen werden. Zum Einen ist davon auszugehen (wie hier im Fall von \u00d6sterreich\/Tirol), dass die prinzipiellen bildungsm\u00e4ssigen Voraussetzungen generell fehlen (so findet sich in \u00d6sterreich bis dato KEIN EINZIGER Lehrstuhl f\u00fcr Arteologie!), und zum Zweiten, dass gerade in den in wissenschaftlichen Zusammenh\u00e4ngen verorteten Zielgel\u00e4nden die Wohnbev\u00f6lkerung \u00fcber Sitte und Tradition derart f\u00fcr das eigene Selbstverst\u00e4ndnis zurecht gebogene Vorstellungen \u00fcber Herkunft und arteologischen Werdegang pflegt, dass jeder wissenschaftliche Zugang von Haus aus einer Anmassung von Aussenstehenden gleicht, die in nahezu refelexartigem Chauvinismus in allen Belangen abgelehnt oder gar aktiv bek\u00e4mpft wird. Die Leitung einer Expedition erfordert daher neben den wissenschaftlichen Kompetenzen auch ein ger\u00fcttelt Mass an diplomatischer Empathie, Organisations- und Improvisationstalent, um all jene Klippen zu \u201eumschiffen\u201c welche einer derartigen Erkundung von neuen \u201eGew\u00e4ssern\u201c im Wege stehen. Und seien es lediglich Oberfl\u00e4chenw\u00e4sser\u2026<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/blaulichtuebung_wippi.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-archive-thumbnail wp-image-259\" title=\"arteologische bergungs\u00fcbung 1984, wipptal, arteologie, dr. arkadasch\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/blaulichtuebung_wippi-220x150.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"150\" \/><\/a>Durch die \u00dcbung am 2. September 1984 gelang es in allen Umlandgemeinden und Hofgruppen des Grabungsgel\u00e4ndes \u201eWipptal\u201c sowohl die vereinsm\u00e4ssig organisierten Freiwilligenhilfseinrichtungen als auch die Bev\u00f6lkerung, wenn schon nicht direkt einzubinden, so doch zu eher wohlwollenden Beobachtern des Fortlaufes der arteologischen Expedition im Wipptal zu erziehen. Nach dem einschl\u00e4gigen Vorbereitungsseminar in der Innsbrucker Expeditionszentrale (welches die eingeborenen Leitungskr\u00e4fte mit einem Zertifikat der Freien Universit\u00e4t Izmir abschlossen \u2013 Titel, Zertifikate und Bescheinigungen aller Art sind dem Wesen der Tiroler und \u00d6sterreicher affin) war es tats\u00e4chliche \u00e4usserst erfreulich mit zu verfolgen, mit welchem Freude und Eifer alle an dieser Katastrophen\u00fcbung beteiligten Kr\u00e4fte sich an der Umsetzung der Planungsziele beteiligten. Dr. Arkadasch hatte vollkommen richtig erkannt, dass eine reibungslose Zusammenarbeit hier nach eindeutigen Ordnungsstrukturen und hierarchischen Verantwortlichkeiten verlangt, da es weder die einheimischen Arbeits- und Hilfskr\u00e4fte, noch der personelle Aufbau der administrativen Stellen gewohnt sind, in einem derartigen Umfeld eigenverantwortlich, zielorientiert und teamf\u00e4hig zu arbeiten. Dr. Arkadasch und sein Team \u00fcbernahmen daher die milit\u00e4risch gepr\u00e4gte Kommandostruktur von Gendarmerie (eine Art von Polizei) und von den \u201eFreiwilligen Feuerwehren\u201c und entwickelten daraus klare Befehlsabl\u00e4ufe mit genau vorgegebenen R\u00fcckmeldungsprozessen und Berichterstattungspflichten. Die dazu notwendigen kommunikativen Sprachbilder wurden in kurze, pr\u00e4gnante und themenspezifisch vorgefertigte Dienstanweisungen \u00fcbersetzt, welche dem H\u00f6rverst\u00e4ndnis aller beteiligten Kr\u00e4fte vertraut sind und somit zu einer ad\u00e4quaten Umsetzung im Handeln f\u00fchrten.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die praktische \u00dcbung am 2. September 1984 bewies eindr\u00fccklich die generelle Tauglichkeit dieses insgesamten Vorgehens und fand seinen Niederschlag im <em style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">\u201eInternationalen Merkblatt f\u00fcr arteologische\/arch\u00e4ologische Sicherungen und Bergungen im Fall von Naturkatastrophen<\/em>\u201c.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Es soll daher abschliessend zu dieser Thematik bewusst fest gehalten werden, dass jede wissenschaftliche Arbeit \u2013 wie aus diesem Beispiel deutlich ersichtlich ist \u2013 neben der direkten Erweiterung von Wissen zus\u00e4tzlich zu kollateralem gesellschaftlichem Gewinn f\u00fchrt, welcher in seiner Nachhaltigkeit und Wertigkeit oft gar nicht hoch genug eingesch\u00e4tzt werden kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon die Erfahrungen die zwei Jahre vorher bei der Expedition \u201eInntal\u201c gemacht wurden, zeigen auf,&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/258"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=258"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/258\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":260,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/258\/revisions\/260"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=258"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=258"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=258"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}