{"id":265,"date":"2012-11-20T00:06:34","date_gmt":"2012-11-19T22:06:34","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=265"},"modified":"2012-11-20T00:06:34","modified_gmt":"2012-11-19T22:06:34","slug":"wipptal-august-september-1984-ausgrabungsprotokoll-13","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=265","title":{"rendered":"Wipptal, August &#8211; September 1984, Ausgrabungsprotokoll 13"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12.0pt; mso-bidi-font-size: 11.0pt; line-height: 115%; font-family: 'Arial','sans-serif';\">Gerade der aussenstehende Beobachter, die Beobachterin, welche selbst in einem anderen Kulturkreis sozialisiert wurde, der Forscher, welcher unbedarft und als Fremder an seine Erkundungen herangehen kann, die Studierenden, welche fernab ihrer Heimat v\u00f6llig neuartigten Eindr\u00fccken ausgesetzt werden und dann diese Beobachtungen und neuen Erkenntnisse in einen Kontext des Generellen einbringen und daraus ihre Schlussfolgerungen und Beweise zu \u00fcberregionalen Gemeinsam\u00adkeiten ziehen, welche nicht immer auf genoide Verwandtschaftsver\u00adh\u00e4ltnisse zur\u00fcck zu f\u00fchren sind, sondern wohl insgesamt der Spezies Mensch als humanoide Eigenart zugerechnet werden m\u00fcssen \u2013 das sind oft jene Momente im Forscherleben, welche aus den tutoralen Feldstudien, begleitend zur eigentlichen Forschungsarbeit, jene kontextuale Konsensualisierung erfahren, welche letztendlich jedem wissenschaft\u00adlichen Streben, abseits einer Maximierung zur N\u00fctzlichkeit, jene sinnstiftende Tiefe verleihen, welche insgesamt wohl als der hehrste Beweggrund jeder Forscher\u00adt\u00e4tigkeit gelten muss.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12.0pt; mso-bidi-font-size: 11.0pt; line-height: 115%; font-family: 'Arial','sans-serif';\">Es waren die Beobachtungen der lokalen, tirolerischen Volkst\u00e4nze und trachtenartigen Kost\u00fcme, welche Dr. Arkadasch sowohl in ihrer Farbgebung, als auch Webtechnik und geschlechtsspezifischen Trageweise starke Parallelen zu gleichartigen indigenen Traditionen in den s\u00fcdamerikanischen Andenregionen, als auch im tibetanischen Hochland ziehen liess, ohne nun hierbei jedoch einen diesen Rahmen sprengenden weiteren ethnologischen Diskurs f\u00fchren zu wollen.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12.0pt; mso-bidi-font-size: 11.0pt; line-height: 115%; font-family: 'Arial','sans-serif';\">Die Gastfreundschaft und das gemeinsame Erleben von Speise- und Trankritualen erzeugt immer wieder eine Art von gegenseitigem Verst\u00e4ndnis und von wechselweiser Akzeptanz, welche in sich die Voraussetzungen f\u00fcr eine gedeihliche Zusammenarbeit \u00fcber ein rein monet\u00e4res Verh\u00e4ltnis hinaus besitzt. Dies zeigte sich umgehend in den Sicherungs-, Sanierungs- und Grabungsarbeiten, welche parallel nach der erfolgreichen Katastrophenkataster\u00fcbung und dem Abschlussabend begannen. Sowohl die Stimmung als auch die Arbeitsfreude der eingeborenen Hilfskr\u00e4fte zeugten von diesem neuen Geist eines Miteinanders, sodass schon nach wenigen Tagen, alle Drainagierungen, selbst im unwegsamsten Bereich des Grabungsgel\u00e4ndes wieder voll funktionst\u00fcchtig waren und die Zu- und Abl\u00e4ufe f\u00fcr die Oberfl\u00e4chenw\u00e4sser derart verbessert, dass ein neuerliches Unwetter kaum mehr jene Sch\u00e4den nach sich ziehen w\u00fcrde, wie dasjenige wenige Tage zuvor. <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12.0pt; mso-bidi-font-size: 11.0pt; line-height: 115%; font-family: 'Arial','sans-serif';\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/wippi_09_82-10.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-archive-thumbnail wp-image-266\" title=\"dr. arkadasch, arteologie, grabung wipptal 1984\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/wippi_09_82-10-220x150.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"150\" \/><\/a>Grabungstechnisch wurden die Sondierungen zuerst auf die oberste, strassenseitig gelegene und relativ ebene Terrasse konzentriert. Durch die Starkregeng\u00fcsse und die damit einhergehenden Verschlammungen durch wassergebundene Feinst\u00e4ube, Kiesel und Trassierungsmaterialien (\u00fcberwiegend grobschotterige Dolomite), verbunden mit der Auftrocknung und Austrocknung der letzten Tage, zeigte sich nahezu die vollst\u00e4ndige Terassenfl\u00e4che unter feinkrustigen Trockenschwemmungen, welche vom Grabungsaufwand her \u00e4usserste Sorgfalt und Umsicht erforderten, die nicht nur an das Material die h\u00f6chsten Anforderungen stellten, sondern auch an die Feinf\u00fchligkeit und Geduld der Grabungskr\u00e4fte. Es musste auf jedes schwerere Ger\u00e4t (sprich Meisel und Vorschlagh\u00e4mmer) verzichtet werden, um etwaige Fundstrukturen (die ohnehin durch das Regenwetter in Mitleidenschaft gezogen worden waren) nicht zus\u00e4tzlich zu verletzen oder gar zu zerst\u00f6ren. Somit waren die Spitzhacke und die Schaufel die Werkzeuge dieser ersten Stunden und Tage, bis tats\u00e4chlich unter der feinkrustigen Trockenschwemmung an leichter zu bearbeitende und abzutragende Bodenschichtungen herangegangen werden konnte. Eine an sich schon kr\u00e4ftezehrende und schweisstreibende T\u00e4tigkeit welche durch die starke Hitze eines dauerhaften meteorologischen Hochs zus\u00e4tzlich erschwert wurde und sowohl von Leitung als auch Mannschaft ein ger\u00fcttelt Mass an Motivation erforderte. Dr. Arkadasch scheute sich daher bewusst nicht, selbst an den heissesten Stunden des Tages mit Hand an zulegen und eingeh\u00fcllt in Staub und Schweiss f\u00fcr s\u00e4mtliche an der Grabung beteiligten Kr\u00e4fte als Vorbild zu wirken. Nur wer selbst weiss, was zu leisten ist, kann einen derartigen Einsatz auch von seinen Mitarbeitern nachhaltig einfordern.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerade der aussenstehende Beobachter, die Beobachterin, welche selbst in einem anderen Kulturkreis sozialisiert wurde, der&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/265"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=265"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/265\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":267,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/265\/revisions\/267"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=265"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=265"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=265"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}