{"id":274,"date":"2012-11-26T23:27:01","date_gmt":"2012-11-26T21:27:01","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=274"},"modified":"2012-12-02T10:54:12","modified_gmt":"2012-12-02T08:54:12","slug":"wipptal-august-september-1984-ausgrabungsprotokoll-15","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=274","title":{"rendered":"Wipptal, August \u2013 September 1984, Ausgrabungsprotokoll 15"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Wohl f\u00fcr keine Forscherin und keinen Forscher werden die eigentlichen Augenblicke des Entdeckens, der Findung jemals zur Routine werden! Es ist vielmehr jedes Mal aufs Neue ein Gef\u00fchl unbeschreiblicher Spannung, wenn sich zuerst einmal die Anzeichen mehren, dass man wirklich vor einem Fund stehen k\u00f6nnte. Jene Minuten oder auch Stunden, Tage, (man denke nur an <em style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Carter<\/em> und seine Entdeckung des Grabes von <em style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Tut-Ench-Amun<\/em>) oder auch Wochen und Monate die bis zur endg\u00fcltigen Gewissheit vor einem wissenschaftlich unbekannten Artefakt zu stehen, vergehen, sind einerseits von einer ungeheuren Euphorie gekennzeichnet, weisen aber andererseits immer wieder Phasen des Z\u00f6gerns, des Zauderns, der aus der bohrenden Ungewissheit resultierenden Fragestellungen auf, welche insgesamt zu einem beinahe \u2013 es w\u00e4re nicht das erste Mal, dass sich an einer wissenschaftlichen Expedition Beteiligte der Obhut eines neurologisch und psychiatrisch geschulten Mediziners anvertrauen m\u00fcssen \u2013 als \u201emanisch\u201c zu bezeichnendem Verhalten f\u00fchren k\u00f6nnen. Gerade bei l\u00e4nger anberaumten Grabungen obliegt es ganz wesentlich der Leitung hier mit Fingerspitzengef\u00fchl zwischen dem motivierenden Feuer der Euphorie und den resignativen Talsohlen der allgemeinen Befindlichkeit auszutarieren um einerseits weder die Erwartungen ins Unerf\u00fcllbare wachsen zu lassen, und andererseits nicht die Grabung durch generelle Lethargie und schleichenden Missmut zu gef\u00e4hrden.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich hatte sich der Fund des \u201eInnti\u201c im Jahre 1982 auch unter den eingeborenen Hilfskr\u00e4ften herumgesprochen. So was l\u00e4sst sich nicht vermeiden und soll auch nicht vermieden werden. Schliesslich liegt die Fundstelle des \u201eInnti\u201c nur ca. 47 km von der Grabungsstelle hierorts entfernt und steht sowohl vom Selbstverst\u00e4ndnis der indigenen Bev\u00f6lkerung als auch vom guttural-verbalen-Konnex und den tradiert gewachsenen Sitten und Gebr\u00e4uchen (vom s\u00e4kularen bis hin zum religi\u00f6sen Bereich) in einem sowohl emotionalen als auch \u2013soweit hier \u00fcberhaupt argumentativ diskutiert werden kann \u2013 ethnisch-historischem Zusammenhang. Doch so wie an d\u00f6rflichen Ackerrainen die b\u00e4uerliche Bev\u00f6lkerung beinahe heute noch zu Blutfehden f\u00e4hig ist, wenn es um die Besitzstandsnahme von einer strittigen Bodenfurche geht, umgekehrt jedoch jeder \u201eFremde\u201c vor einer scheinbar geschlossenen Phalanx von eingeschworenen \u201eBlutsbr\u00fcdern\u201c steht, so hat hier in Tirol selbst der sinnlosest scheinende Wettbewerb der Gemeinden und Orte untereinander einen derart verselbstst\u00e4ndigten Charakter, dass Dr. Arkadasch und sein Team \u201eWipptal\u201c oftmals nur mehr ungl\u00e4ubig ihre K\u00f6pfe sch\u00fcttelten, wenn sie feststellen mussten, mit welch nahezu ideologischem Eifer die \u201eWipptaler\u201c ihren eigenen humanoiden Fund unter allen Umst\u00e4nden zu finden hofften.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/DSC03720.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-archive-thumbnail wp-image-278\" title=\"DSC03720\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/DSC03720-220x150.jpg\" alt=\"metallene minituren, wipptal 1984, dr. arkadasch, arteologie\" width=\"220\" height=\"150\" \/><\/a>So kannte die Freude und Genugtuung aller vorerst kaum Grenzen, als dieser erste Fund einer metallenen Miniatur freigelegt wurde. Auch das Leitungsteam teilte in seiner Weise diese Euphorie, hatten doch weder Dr. Arkadasch noch die sonstigen Teilnehmer des Expeditionskorps mit einer derart raschen Auffindung eines so aussergew\u00f6hnlichen Artefakts gerechnet. Alle Vermutungen waren dahingehend, dass zum gr\u00f6sstenteil keramoide Fundst\u00fccke von Alltagsgebrauchsgegenst\u00e4nden, sowie dem transalpinen Warenverkehr zurechenbare Materialfundungen das Gros der arteologischen Grabungsfunde darstellen w\u00fcrden, gleichwohl nahezu eine jede schluchtartige Talenge generell nat\u00fcrlich h\u00e4ufig mit Kultpl\u00e4tzen und dem Kult dienenden, tempelhaften Bauten bewusst eine mystisch-religi\u00f6se Verortung erf\u00e4hrt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/DSC03721.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-archive-thumbnail wp-image-276\" title=\"DSC03721\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/DSC03721-220x150.jpg\" alt=\"metallene miniaturen, wipptal 1984, arteologie, dr. arkadasch\" width=\"220\" height=\"150\" \/><\/a>Ob es sich bei den vorgefundenen Miniaturen um Artefakte in einem kultischen Sinn handelt, werden erst die weiteren Untersuchungen zweifelsfrei belegen k\u00f6nnen.<span style=\"mso-spacerun: yes;\">\u00a0 <\/span>Vorerst galt es<span style=\"mso-spacerun: yes;\">\u00a0 <\/span>nun, diese Funde in bew\u00e4hrter Manier vor unsachgem\u00e4sser Handhabung durch eingeborene Hilfskr\u00e4fte zu sch\u00fctzen und im arteologischen Standardverfahren zu bergen. Dr. Arkadasch eilte umgehend nach dem Bekanntwerden dieser Fundung zur Grabungsstelle, beorderte s\u00e4mtliche Hilfskr\u00e4fte aus der Grube, liess diese in einem Umkreis von f\u00fcnf Metern absperren und befahl s\u00e4mtlichem Grabungspersonal vor Ort zu erscheinen. In den abgez\u00e4unten Bereich durften nur die Mitglieder des Teams \u201eWipptal\u201c, auch wenn sich unter den um die besten Pl\u00e4tze sich dr\u00e4ngelnden einheimischen Hilfskr\u00e4ften das eine oder andere Murren erhob. Dr. Arkadasch verstand es jedoch in seinen Erl\u00e4uterungen den Beitrag der eingeborenen Hilfskr\u00e4fte derart mit einzubinden, dass sich allm\u00e4hlich Neugier und Bewunderung unter den Hilfskr\u00e4ften breitmachten, als sie miterleben durften, mit welcher Pr\u00e4zession und Akribie das Team \u201eWipptal\u201c diese Miniaturen barg.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die Sympathie, oder zumindest ein positives Wohlwollen gegen\u00fcber den Arbeiten der Expedition durch die einheimische Bev\u00f6lkerung zu erreichen und zu erhalten, ist mit einen unabdingbare Voraussetzung f\u00fcr einen weiteren gedeihlichen Verlauf \u2013 vor allem in Hinblick auf folgende, m\u00f6gliche Funde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wohl f\u00fcr keine Forscherin und keinen Forscher werden die eigentlichen Augenblicke des Entdeckens, der Findung&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/274"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=274"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/274\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":284,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/274\/revisions\/284"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=274"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=274"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=274"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}