{"id":338,"date":"2013-01-19T22:43:20","date_gmt":"2013-01-19T20:43:20","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=338"},"modified":"2013-01-19T22:43:20","modified_gmt":"2013-01-19T20:43:20","slug":"wipptal-august-september-1984-ausgrabungsprotokoll-25","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=338","title":{"rendered":"Wipptal, August \u2013 September 1984, Ausgrabungsprotokoll 25"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die eingehenden Untersuchungen und Analysen dieser rechten Hand konnten erst im November 1984 beginnen, da zuvor umfangreiche Vorbereitungen im Rahmen der Pr\u00e4parierung und Konservierung sowie einer fundst\u00fcckgetreuen und wissenschaftlich dienlichen Lagerung getroffen werden mussten. Die r\u00f6ntgenologischen Aufnahmen wurden an der Technischen Hochschule in Bern gefertigt, da dies das n\u00e4chstliegende Institut ist, welches \u00fcber eine derartig hochaufl\u00f6sende r\u00f6ntgenologische Apparatur verf\u00fcgt. F\u00fcr den Transport nach Z\u00fcrich\/Schweiz kam erstmals jener arteologischen Transportcontainer zum Einsatz welcher an der Freien Universit\u00e4t Izmir nach dem Fund des \u201eInnti\u201c speziell f\u00fcr derartige Zwecke entwickelt wurde. Dieser Container verf\u00fcgt \u00fcber eine innere Klimazelle, welche jeweils den fundsymptomatischen Gegebenheiten komplett angepasst werden kann und so eine Verbringung der jeweiligen Fundst\u00fccke zu ihrem jeweiligen Bearbeitungs- und\/oder Ausstellungsort ohne Schadensnehmung gew\u00e4hrleistet. Der Container verf\u00fcgt \u00fcber ein eigenes autarkes Energiesystem, welches entweder extern \u00fcber Strom unterst\u00fctzt werden kann, oder aber mittels Dieselaggregat, der auch mit Pflanzen\u00f6len betriebsbereit ist, einen vollkommen eigenst\u00e4ndigen Einsatz erm\u00f6glicht. Zudem gilt der Container gem\u00e4ss allen geltenden Vorschriften als hochseetauglich und bleibt bis zu einer Wassertiefe von 14 m dicht und einsatzbereit und h\u00e4lt mindestens \u00fcber 72 Stunden entweder die tiefstm\u00f6gliche Temperatur oder aber die klimatisch aufw\u00e4ndigste Balance zwischen Temperatur, Luftfeuchtigkeit und der gew\u00fcnschten S\u00e4ttigung mit CO\u00b2.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/humanoid_wippi_1.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-339\" alt=\"humanoider fund, wipptal, 1984, protokollzeichnung 2, arteologie, dr. arkadasch\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/humanoid_wippi_1-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Dank dieses Containers bleibt sichergestellt, dass \u201eWippi\u201c niemals aus seiner Climatechain entnommen werden muss und so einer Sch\u00e4digung durch Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsschwankungen unterliegt, sondern in einem nach strengen Laborbestimmungen gesicherten wissenschaftlichen Umfeld vor Kontaminierungen jeder Art bei s\u00e4mtlichen Untersuchungen gesch\u00fctzt ist. Nicht umsonst gilt auf dem Gebiet der Arteologisch-Forensischen-Konservierung das arteologische Institut der Freien Universit\u00e4t Izmir als federf\u00fchrend.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Zudem bietet dieser Container die M\u00f6glichkeit der direkten Vernetzung mit weiteren Forschungsmodulen wie chemischen, physikalischen und pathologischen Laboren, sodass es ab Ende Dezember 1984 in der Grabungszentrale in Innsbruck (= Leitstelle der Expedition \u201eWipptal\u201c in Tirol\/\u00d6sterreich) m\u00f6glich war, s\u00e4mtliche weiteren Untersuchungen des \u201eWippi\u201c quasi \u201evor Ort\u201c durchzuf\u00fchren. Wie wichtig eine derartige lokale N\u00e4he der Forschungseinrichtungen zum Fundort tats\u00e4chlich ist, ergibt sich aus der Tatsache, dass s\u00e4mtliche Daten betreffend Umfeld und terrestrische Spurenanalyse in st\u00e4ndigem direkten Austausch mit den Grabungskr\u00e4ften an der Fundstelle verifiziert und erg\u00e4nzt werden konnten.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Diese rechte Hand des \u201eWippi\u201c ist in ihrer \u00e4usseren Erscheinung von einer surfalen Ledrigkeit gekennzeichnet, welche ihren Ursprung in der moorastigen Lagerung \u00fcber einen langen Zeitraum hinweg zeitigt. Durch den Mangel bzw. Ausschluss von Sauerstoff erfolgte eine stetige Dehydrierung in einem bodensaueren Umfeld, welche sich in der endg\u00fcltigen Mumifizierung der Hand manifestierte. Die dabei einhergehende Gewichtsreduktion f\u00fchrte zu einer volumin\u00f6sen Reduktion des organischen Materials unter gleichzeitiger Hintanhaltung von Verwesungsprozessen. Dies ist auch aus der deutlichen Betonung der kn\u00f6chernen Strukturen erkennbar und findet ihre Best\u00e4tigung in der erhaben dargestellten Ausbettung der Fingern\u00e4gelwurzeln.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die Hand weist eine Gesamtl\u00e4nge von 17,84 cm aus und eine bogenhafte Handspannung, wobei die Handwurzel und der Ring- sowie der Kleine Finger die tiefliegendsten Punkte ergeben.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Der Kleine Finger ist 5,50 cm lang, w\u00e4hrend der Daumen vom handseitigen Gelenksh\u00f6cker bis zur Spitze eine direkt gemessene L\u00e4nge von 5,95 cm aufweist.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Der Zeigefinger \u2013 gemessen von der Fingerspanne zwischen Daumen und Zeigefinger \u2013 misst 9,38 cm und die Spanne zwischen Daumenspitze und Zeigefingerspitze betr\u00e4gt 7,01 cm.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Der Ringfinger des \u201eWippi\u201c ist um 2,55 cm l\u00e4nger als der Kleine Finger, und der L\u00e4ngenunterschied \u2013 jeweils von der Fingerspitze aus gemessen &#8211; zwischen Ring- und Mittelfinger, der zugleich der l\u00e4ngste Finger dieser Hand ist, wenn er auch optisch nur geringf\u00fcgig l\u00e4nger zu sein scheint, betr\u00e4gt 1,27 cm.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die Fingerspreizung zwischen Mittel- und Zeigefinger betr\u00e4gt 3,20 cm.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Dr. Marga Sudanavesi konnte durch vergleichende Versuchsanordnungen mit lebendigen Freiwilligen nachweisen, dass eine derartige Fingerspreizung, bei gleichzeitiger Handr\u00fcckenw\u00f6lbung im dem Fundst\u00fcck entsprechendem Ausmass eine typische Handhaltung f\u00fcr Rechtsh\u00e4nder impliziert, welche von ihrer T\u00e4tigkeit her nicht den manuellen Berufssystematiken von Arbeitern und\/oder Landwirten entspricht. Es wird daher festgestellt, dass es sich bei dieser rechten Hand \u2013 die eindeutig aufgrund ihrer kn\u00f6chernen und gelenkstypischen Strukturen als die Hand eines erwachsenen Menschen angesehen werden muss \u2013 um die Hand eines Menschen handeln muss, der entweder im administrativen Bereich t\u00e4tig gewesen sein muss, bzw. dessen Alltagst\u00e4tigkeiten eher dem handwerksfernen T\u00e4tigkeitsfeld eines monet\u00e4r abgesicherten Lebensumfeldes zuzuschreiben sind.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Der \u201eWippi\u201c ist daher dem elit\u00e4ren Gesellschaftsgef\u00fcge seiner Zeit zuzuordnen und kann auch aufgrund der Beschaffenheit der Hautoberfl\u00e4che eindeutig als Person einer von manipulativer T\u00e4tigkeit befreiten Bev\u00f6lkerungsschicht zugerechnet werden.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die sich daraus ergebende Frage ob wir es bei dieser durch chirurgische Massnahmen abgetrennten Hand (welche, wie die Forschungen eindeutig belegen post mortem erfolgte) mit einem Ritual einer Bestattung zu tun haben, muss vorerst unbeantwortet bleiben. Diese Frage wird wohl erst durch die Kontextualisierung des vollst\u00e4ndigen Materials der arteologischen Forschung im Wipptal zumindest ansatzweise beantwortbar sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die eingehenden Untersuchungen und Analysen dieser rechten Hand konnten erst im November 1984 beginnen, da&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/338"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=338"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/338\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":340,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/338\/revisions\/340"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=338"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=338"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=338"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}