{"id":345,"date":"2013-01-31T20:43:42","date_gmt":"2013-01-31T18:43:42","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=345"},"modified":"2013-01-31T20:43:42","modified_gmt":"2013-01-31T18:43:42","slug":"wipptal-august-september-1984-ausgrabungsprotokoll-27","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=345","title":{"rendered":"Wipptal, August \u2013 September 1984, Ausgrabungsprotokoll 27"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die Sperre des Grabungsgel\u00e4ndes f\u00fcr jeglichen Besucherverkehr brachte den Vorteil mit sich, dass die tats\u00e4chlichen grabungsarbeiten ohne weitere, der \u00d6ffentlichkeitsarbeit geschuldeten St\u00f6rungen vonstattengehen konnten. Gleichwohl waren Dr. Arkadasch als auch Dr. Sudanavesi in dieser Zeit vorwiegend in der Grabungszentrale in Innsbruck gebunden um dort unter anderem die Einschulungen der Guides vorzunehmen und anderseits die wissenschaftlichen Beforschungen am humanoiden Fund des \u201eWippi\u201c zu koordinieren und zu leiten. Hierbei zeigte sich einmal mehr wie wichtig in der modernen Forschung das Teamwork ist: denn ohne die perfekte und uneigenn\u00fctzige Arbeit s\u00e4mtlicher im Team \u201eWipptal\u201c beteiligter Kr\u00e4fte (eine Internationalit\u00e4t die aus sieben verschiedenen Staatszugeh\u00f6rigkeiten besteht) ist eine einzig dem Forschungsziel zugewandte Werksorientiertheit ohne pers\u00f6nliche Eitelkeiten oder gar nationale Einflussnahmen (durch die entsendenden Universit\u00e4ten und deren Geldgeber im Hintergrund) schier verunm\u00f6glicht. Diese Tatsache \u2013 und das kann generell nicht genug betont werden \u2013 widerspricht dem landl\u00e4ufigen Vorurteil, dass die Wissenschaftler per se wie scheuklappenbehaftet in ihren abgeschlossenen K\u00e4mmerleinen vor sich hin forschen, ohne jeglichen Kontakt nach aussen oder gar zu Kollegen innerhalb der Forschergemeinde. Die moderne Arteologie, wie wohl die moderne Wissenschaft insgesamt, ist auf diesem Gebiet ein Musterbeispiel der ressentimentlosen Zusammenarbeit \u00fcber kulturelle und traditionelle Grenzen hinaus, welche sich weder durch ideologische Dogmen noch durch quasireligi\u00f6sen Fundamentalismus einschr\u00e4nken l\u00e4sst. Die Formung, die interne als auch die externe Gestaltung dieser Zusammenarbeit w\u00fcrde wohl gen\u00fcgend beeindruckendes Material f\u00fcr eine eigenst\u00e4ndige soziologische Beforschung bieten!<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Neben einigen interessanten keramoiden Funden aus der prae-arteologischen Epoche und der arteologischen Epoche sind wohl die im obersten Abschnitt vorgefundenen Trockenmauerreste (hocharteologische Epoche) nicht nur vom arteologischen, sondern auch vom arch\u00e4ologischen Gesichtspunkt aus bemerkenswert. Insbesondere die Bearbeitung der Steine, welche ausschliesslich dem geologischen Material des umliegenden Zentralalpenmassivs zuordenbar sind, zeugt von schl\u00fcssigen Querverbindungen zur arteologischen Steinmetztradition, wie sie in nahezu identer Weise auch im S\u00fcdalpenbereich von Trento bis ins Obere Engadin vorzufinden ist. Die breitfundamentierten Mauern ruhen in einem k\u00fcnstlich vorgeschotterten Frostkoffer, welcher neben hervorragenden Sickerfunktionen auch eine innerstatische Relevanz zu terrestischen Verschiebungen im Oberfl\u00e4chengef\u00fcge aufweist, die insgesamt f\u00fcr eine dauerhafte Best\u00e4ndigkeit von gr\u00f6sster Bedeutung ist. Aus architektonischer Sicht gilt als epochentypisch die akribische Sorgfalt im Bereich der Materialbearbeitung und der mauertechnischen Schichtung, welche zum einen zu einer in sich ruhenden hohen Tragf\u00e4higkeit des Mauerwerks f\u00fchrt und zum anderen durch den Verzicht auf Bindemittel (Kalkm\u00f6rtel und kalkhaltige M\u00f6rtel) der Zersetzung durch Feuchtigkeit (Wasser, Regen, Schmelzw\u00e4sser und Luftfeuchtigkeit) eine sehr Hohe Dauerbest\u00e4ndigkeit entgegensetzt. Der Vergleich mit anderen Funden aus dieser Epoche welche im gesamten mitteleurop\u00e4ischen Raum beforscht wurden, zeigt, dass hier im Wipptal \u2013 wohl auch auf Grund der besonderen verkehrstechnischen Situation der transalen Bewegung von Warenstr\u00f6men und Bev\u00f6lkerungsgruppen \u2013 diese Art der Trockenmauerung zu ihrer H\u00f6chstform gefunden hat.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/wippi_cultobjekt_1.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-346\" alt=\"wipptal, 1984, kultobject, arteologie, dr. arkadasch\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/wippi_cultobjekt_1-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Am 28. September 1984 wurde im Zuge der weiteren systematischen Grabungsarbeiten der n\u00e4chste arteologisch bedeutsame Fund ausgegraben, der besonders aus der Sicht einer kontextualen Analyse, im Verein mit den Funden des Teams \u201eInntal\u201c aus dem Jahre 1982 zu einer neuen Sichtweise der Traditionsgenese im Alpenraum f\u00fchrt. Es handelt sich dabei um zwei metallene 8 cm grosse, flache Fundst\u00fccke, die in ihrer morphologischen Funktionalit\u00e4t eindeutig dem Kultobject 1 aus der Grabung \u201eInntal\u201c thematisch zuordenbar sind. Dies zeigt, dass bereits in der prae-arteologischen Zeit tats\u00e4chlich von einer intrinsichen, gegenseitigen Beeinflussung (sei sie nun als geplant oder gewohnheitsm\u00e4ssig zu betrachten) ausgegangen werden muss, welche den direkten lokalen Bezug aufhebt und die soziale Vernetzung \u00fcber den eignen direkten Wirkungskreis hinaus eindeutig belegt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Sperre des Grabungsgel\u00e4ndes f\u00fcr jeglichen Besucherverkehr brachte den Vorteil mit sich, dass die tats\u00e4chlichen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/345"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=345"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/345\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":347,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/345\/revisions\/347"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=345"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=345"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=345"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}