{"id":387,"date":"2013-03-13T10:34:05","date_gmt":"2013-03-13T08:34:05","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=387"},"modified":"2013-03-13T10:34:05","modified_gmt":"2013-03-13T08:34:05","slug":"stubaital-juli-oktober-1985-ausgrabungsprotokoll-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=387","title":{"rendered":"Stubaital, Juli \u2013 Oktober 1985, Ausgrabungsprotokoll 5"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/stubi_09_84-9.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-388\" alt=\"stubaital, 1985, arteologie, dr. arkadasch\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/stubi_09_84-9-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Gerade aus einer permanenten Begegnung oder auch unfreiwilligen Konfrontation mit kultureller, soziologischer oder auch entwicklungstechnischer Andersartigkeit resultiert in restriktiv organisierten Gemeinschaften eine oftmals auf die eigenen Befindlichkeiten reduzierte Tradierung der normativen Wertigkeiten, welche sich im Laufe mehrere Generationen zu einem stark konservativ gepr\u00e4gten Eigenverst\u00e4ndnis generiert, welches sich besonders charakteristisch in verschiedenen Tendenzen von Misstrauen gegen\u00fcber dem Fremdartigen bis hin zu bewusster Abschottung und Xenophobie \u00e4ussert. Je strikter daher die moralischen Grunds\u00e4tze in einer Gemeinschaft das Zusammenleben regeln und damit verbunden die Ahndung von vermeintlichen Verst\u00f6ssen gegen Normen und Sitten ahnden, umso gr\u00f6sser erscheint umgekehrt die Angst vor der Begegnung mit Neuem und Ungewohntem. Dies hat auf eindrucksvolle Weise die Soziologin <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">T. Scarlet Tompson<\/i> in ihren jahrzehntelangen \u201e<i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Forschungen zum Einfluss des Tourismus in den alpinen Landschaften Zentraleuropas<\/i>\u201c nachgewiesen und dabei drei grundlegende Merkmale und Symptomatiken heraus gearbeitet:<\/p>\n<p class=\"MsoListParagraphCxSpFirst\" style=\"text-align: justify; text-indent: -18.0pt; mso-list: l0 level1 lfo1;\"><span style=\"mso-fareast-font-family: Arial;\"><span style=\"mso-list: Ignore;\">1.<span style=\"font: 7.0pt 'Times New Roman';\">\u00a0\u00a0\u00a0 <\/span><\/span><\/span>Je geringer der gesellschaftliche Mitbestimmungsfaktor eines Individuums, um so gr\u00f6sser die Bereitschaft der Anerkenntnis von hierarchischen Strukturen.<\/p>\n<p class=\"MsoListParagraphCxSpMiddle\" style=\"text-align: justify;\">Die daraus resultierende Bereitschaft zu Gehorsam und rigoros verinnerlichter Disziplin f\u00fchrt zu edukativer Selbstbeschr\u00e4nkung, welche sich in autorit\u00e4ren Bildungsstrukturen und gruppenmystifizierenden Lehrvorgaben manifestiert.<\/p>\n<p class=\"MsoListParagraphCxSpMiddle\" style=\"text-align: justify; text-indent: -18.0pt; mso-list: l0 level1 lfo1;\"><span style=\"mso-fareast-font-family: Arial;\"><span style=\"mso-list: Ignore;\">2.<span style=\"font: 7.0pt 'Times New Roman';\">\u00a0\u00a0\u00a0 <\/span><\/span><\/span>Diese intellektuelle Selbstbegrenzung f\u00fchrt zu einer nicht mehr hinterfragten \u00dcberh\u00f6hung der eigenen Gruppenwertigkeit und offenbart sich in weiterer Folge in negativen, nationalistischen Ausformungen der Gruppierung als solcher.<\/p>\n<p class=\"MsoListParagraphCxSpLast\" style=\"text-align: justify; text-indent: -18.0pt; mso-list: l0 level1 lfo1;\"><span style=\"mso-fareast-font-family: Arial;\"><span style=\"mso-list: Ignore;\">3.<span style=\"font: 7.0pt 'Times New Roman';\">\u00a0\u00a0\u00a0 <\/span><\/span><\/span>Aus dieser inneren Geschlossenheit einer meist regional und auch soziokulturell eingegrenzten Gemeinschaft erw\u00e4chst eine bewusste Abschottung mit gleichzeitiger offener oder auch versteckter Ablehnung gegen\u00fcber realen oder auch vermeintlichen Beeinflussungen von aussen. In den heutigen Tourismusgebieten des zentraleurop\u00e4ischen Alpenbereichs f\u00fchrte dies zu einer Umkehr des Begriffes \u201eGastfreundschaft\u201c. Aus \u201eGast\u201c und \u201eFreund\u201c wurde innerhalb weniger Jahrzehnte der vorwiegend merkantil definierte Begriff des Fremdenverkehrs. \u201eFremd\u201c und \u201eVerkehr\u201c stehen somit im Mittelpunkt der eigenen Erwartungen in der Begegnung mit Menschen anderer kultureller Soziet\u00e4ten.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Speziell diese Begrifflichkeiten des \u201eFremdseins\u201c und des \u201eVerkehrs\u201c, also das permanente Vorhandensein von transalen und insistalen Wanderbewegungen, charakterisieren grundlegend die Thematik im Bereich der arteologischen Grundlagenforschung, wobei hier weiterf\u00fchrend von soziologischen oder auch anthropologischen Ans\u00e4tzen das Hauptaugenmerk auf der artifiziellen Beeinflussung und einer damit verbundenen allochthonen Entwicklung gelegt wird, welche in Folge sp\u00e4terhin meist als eigenst\u00e4ndiger autochthoner Prozess verstanden wird.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die arteologisch, wissenschaftliche Forschung mit ihrer im Wesentlichen artefaktbezogenen Determinierung beforscht derartige Entwicklungsprozesse und tr\u00e4gt so wesentlich zu einem unvoreingenommenen Verst\u00e4ndnis derartiger ethnologischer und soziokultureller Prozesse bei.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Gerade in einer bev\u00f6lkerungstechnisch derartig inhomogenen Topografie, wie dem nordtirolerischen Besiedelungsraum, ist es unabdingbar aus der kleinstrukturellen Beschaffenheit der unterschiedlichen Besiedelungsgebiete der Seitent\u00e4ler und des Haupttales (Inntal) die komplexe Gesamtverbundenheit aus arteologischer Sicht heraus zu arbeiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerade aus einer permanenten Begegnung oder auch unfreiwilligen Konfrontation mit kultureller, soziologischer oder auch entwicklungstechnischer&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/387"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=387"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/387\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":389,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/387\/revisions\/389"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=387"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=387"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=387"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}