{"id":408,"date":"2013-04-07T14:37:47","date_gmt":"2013-04-07T12:37:47","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=408"},"modified":"2013-04-07T14:37:47","modified_gmt":"2013-04-07T12:37:47","slug":"stubaital-juli-oktober-1985-ausgrabungsprotokoll-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=408","title":{"rendered":"Stubaital, Juli \u2013 Oktober 1985, Ausgrabungsprotokoll 10"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die Situation vor Ort stellte sich folgendermassen dar: am rechtsseitigen Trassenrand der Strasse (aus Richtung Telfes kommend), zum absch\u00fcssigen Gel\u00e4nde in den Uferbereich der Ache zweigt nach einer ausladenden Rechtskurve ein unbefestigter Feldweg ab, der hinunter in den Aubereich der Ache f\u00fchrt. Die linksseitige Strassenbefestigung zu einem bewaldeten bzw. reich mit Buschwerk durchzogenem Hang wird durch eine Natursteinmauer geb\u00f6scht, welche gleichzeitig mit einem Oberfl\u00e4chenwassergerinne versehen ist, um so eine Festigkeit der asphaltierten, doppelspurigen Fahrbahn zu gew\u00e4hrleisten. Durch die anhaltenden Frostsch\u00e4den der vorangegangenen Winter (der Temperaturverlauf des Winters 1984\/85 zeitigte in dieser inneralpinen Region relativ langandauernde Frostperioden, abgewechselt durch wenige Tauwettertage, welche wie in dieser Region vermehrt auftretend, einer lokalen Wetterlage mit warmen Fallwinden \u2013 hierorts als \u201eF\u00f6hn\u201c bezeichnet [vgl. hiezu die sprachl. Verwandtschaft des Wortes \u201eHaarf\u00f6hn\u201c] zu verdanken sind) gepaart mit teilweise extensiver Salzstreuung (die Strassen und Wege m\u00fcssen im Sinne der touristischen Erfordernisse der Talschaft selbst im Hochwinter nahezu problemfrei mit Winterreifen befahrbar bleiben), welche sich in einer sehr starken Erodierung der Asphaltschicht sowie der umgebenden, das<span style=\"mso-spacerun: yes;\">\u00a0 <\/span>extrem mit Salzen angereicherte Schmelzwasser aufnehmenden Seitentrassierung des Banketts niederschl\u00e4gt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Erst nach Ablauf des Winters, welcher kalenderspezifisch in dieser Region auf Grund tradierter Wetterregelwerke erst mit dem 15. Mai zusammenf\u00e4llt (<i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">sh. Giles Vanderstroven, \u201eWetterg\u00f6tter, Wetterspr\u00fcche und Lostage im Alpenraum\u201c, Society Press, 1956<\/i>), erfolgt die j\u00e4hrliche Begutachtung diverser Strassensch\u00e4den und die daraufhin angeordnete Reparatur, geordnet nach verkehrslogistischen Schwerpunkten und finanziellen Ressourcen. Bereits im Oktober endet normalerweise klimabedingt diese Zeitspanne f\u00fcr sinnvolle Instandsetzungen. Alles hernach kann lediglich als verkehrstechnisches Provisorium gelten und wird von aus maximal f\u00fcr die Dauer eines Winters angelegt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Dieses Bewusstsein, einerseits um die Wertigkeit einer tourismusf\u00f6rderlichen Infrastruktur (schliesslich werden mehr als 77 % der Wirtschaftsleistung dieser Talschaft direkt oder indirekt im Fremdenverkehr erwirtschaftet) und andererseits um das relativ kurze zeitliche Fenster in dem Reparaturen im Bereich von Fundamentierungen und Trassierungen durchgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen, schl\u00e4gt sich in einem von Fleiss und Exaktheit gepr\u00e4gtem Arbeitsstil nieder, welcher zum einen von einer autorit\u00e4ren Hierarchie innerhalb der Arbeitsgruppen gepr\u00e4gt ist, andererseits aber auch dem typischen Nimbus der tirolerischen Eingeborenen insgesamt weitestgehend entspricht, da sich hier der soziale Status, wie selten anderswo, fast ausschliesslich \u00fcber monet\u00e4ren Erfolg und Besitztum definiert.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/keramoider_fund_stubaital-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-409\" alt=\"keramoider fund, stubaital 1985, dr. arkadasch, arteologie\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/keramoider_fund_stubaital-1-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Es entspricht daher den \u00fcblichen Gepflogenheiten, dass im Juli 1985 umgehend nach Besichtigung der Frostsch\u00e4den dieser Strassenbereich mit schwerem Ger\u00e4t und entsprechender Mannschaftsst\u00e4rke als vorrangiger Bauabschnitt behandelt wurde. Die Fahrbahn wurde auf eine Fahrspur reduziert, der Mittelstreifen mit mechanischen Trennelementen gez\u00e4unt und jeweils am Anfang und Ende der Baustelle mit einer halbautomatisierten Ampelanlage gesichert. So konnte der linksseitige Trassenrand des Strassenbanketts mit Baggern und Presslufth\u00e4mmern aufgerissen werden, um derart auch den Unterbau der Fahrbahnbefestigung neu zu fundamentieren und zu sanieren. Im Zuge dieser Arbeiten wurden sodann die ersten keramoiden Fundst\u00fccke ans Tageslicht bef\u00f6rdert. Dass es sich hierbei um keine schonende oder gar sorgf\u00e4ltige Behandlung von arteologisch-wissenschaftlichen Funden handeln konnte, ergibt sich nahezu zwingend aus dieser Situation.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/keramoider_fund_stubaital-5.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-410\" alt=\"keramoider fund, bild 2, stubaital 1985, dr. arkadasch, arteologie\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/keramoider_fund_stubaital-5-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Vielmehr wurde auf einem mehrmeterigen Bereich der Baustelle \u2013 in diesem Fall gl\u00fccklicherweise genau bei der oben beschriebenen Abzweigung eines unbefestigten Weges zur Ache hin \u2013 durch den Einsatz einer Baumaschine eine optisch auffallende Gruppe von keramoiden Bruchst\u00fccken zu Tage bef\u00f6rdert. Der unmittelbare Baustopp in diesem Abschnitt und die Hinzuziehung von Experten erm\u00f6glichte es Dr. Arkadasch und seinem Team zeitnah zu einer Beurteilung dieser Fundst\u00fccke zu gelangen und so die weitere Vorgangsweise mit den zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden und politisch verantwortlichen abzustimmen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Diese keramoiden Bruchst\u00fccke, wobei erst eine genaue Analyse dar\u00fcber Auskunft geben kann, ob der Bruch der Keramika schon vor dem Einsatz der Baumaschinen zur G\u00e4nze erfolgte, oder aber postmechanisch dem Arbeitseinsatz der Baumaschinen zugeordnet werden muss, weisen eine stark farbpigmentierte Einheitsf\u00e4rbung auf. Die Bruchkanten entsprechen einheitlich einer kreideweissen, irdenen Brandtechnik und zeigen klare Risskanten ohne oberfl\u00e4chenspannungsrelevante Fortsetzungen im Bereich der unifarbigen Glasur. Die Verteilung dieser Bruchst\u00fccke an der maschinell aufgebrochenen Oberfl\u00e4che entspricht dem im Nachhinein nachgevollzogenen Maschinenaufwand. Bereits wenige Zentimeter tiefer wurde jedoch die zentrale Fundstelle dieser keramoiden Bruchst\u00fccke geortet und abgesichert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Situation vor Ort stellte sich folgendermassen dar: am rechtsseitigen Trassenrand der Strasse (aus Richtung&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/408"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=408"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/408\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":411,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/408\/revisions\/411"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=408"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=408"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=408"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}