{"id":425,"date":"2013-04-29T16:57:08","date_gmt":"2013-04-29T14:57:08","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=425"},"modified":"2013-04-29T16:57:08","modified_gmt":"2013-04-29T14:57:08","slug":"stubaital-juli-oktober-1985-ausgrabungsprotokoll-123","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=425","title":{"rendered":"Stubaital, Juli \u2013 Oktober 1985, Ausgrabungsprotokoll 12\/3"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die relativ hohe Kunst der keramischen Fertigung dieser beiden zusammengeh\u00f6renden(?) keramoiden Fundst\u00fccke und deren eindeutige Materialzuordenbarkeit in den geographischen raum von Ravenna (Italien) wirft unweigerlich die Frage auf, ob wir es mit diesen Materialfunden lediglich mit einer Verarbeitung von Tonerden vor Ort zu tun haben, welche per Import aus der nachgewiesenen Gegend von Ravenna stammen, oder aber, ob hier bereits ein h\u00f6herwertiger Austausch von Waren, Gebrauchsgegenst\u00e4nden als auch Luxusg\u00fctern im Sinne merkantiler Handelsbeziehungen vorliegt, welcher in weiterer Folge und Vorausgesetztheit eine sozi\u00e4tive Struktur ben\u00f6tigt, deren Gesamtpr\u00e4gung eine klare Trennung in verschiedene Arbeitsteilungen beinhaltet, welche typischerweise charakteristisch sind f\u00fcr den \u00dcbergang einer ruralen Gesellschaft zu einer arbeitsteiligen Gemeinschaftsform. Erst mit dieser Abkehr von einer streng b\u00e4uerlichen Soziet\u00e4t (welche gerade in Tirol mit der Verbringung des Nutzviehs auf die sommerlichen Bergweiden noch immer einen Restbezug zum Nomadentum aufweist) hin zu bleibender Sesshaftigkeit und damit verbunden handwerklichen Dienstleistungen und klar verortbaren administrativen und religi\u00f6sen Strukturen (die sich in ihrer strengen Hierarchie durchaus als \u00fcberregionale Einheiten darstellen konnten) sind auf Dauer jene Voraussetzungen m\u00f6glich, welche einen dauerhaften Handel mit Waren und G\u00fctern aller Art auch \u00fcber die eigenen Grenzen hinweg sichern. Hierbei geht es prim\u00e4r nicht so sehr um die topografischen Hindernisse, welche Berge, T\u00e4ler und Fl\u00fcsse darstellen m\u00f6gen, sondern vielmehr um die gesellschaftlichen Komponenten von gegenseitiger Vertragstreue bis hin zu gesch\u00e4ftlichem Vertrauen und Sicherheit f\u00fcr die fahrenden H\u00e4ndler.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/stubi_aschenbecher_3.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-426\" alt=\"stubaital 1985, keramoide funde, arteologie, dr. arkadasch\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/stubi_aschenbecher_3-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Die bisherigen arteologischen Erkenntnisse legen hier die Schlussfolgerung nahe, dass es sich bei den keramoiden Funden im Stubaital tats\u00e4chlich um \u201eImportware\u201c aus dem Raum von Ravenna (Italien) handelt, welche im Zuge des Warenaustausches \u00fcber den Brennerpass ihren Weg ins Stubaital gefunden hat. W\u00e4hrend n\u00e4mlich die bisherigen Fundst\u00fccke im Inntal und besonders im Wipptal durchaus auf verschiedene handwerkliche F\u00e4higkeiten im origin\u00e4ren als auch im plagitiven Sinne hinweisen, fehlen in der Be- und Verarbeitung von keramischen Feingut aller Art die dazugeh\u00f6renden arteologischen Beweise zur G\u00e4nze. Die Anfertigung von einfachen, eher grob gestalteten Gebrauchskeramiken (Teller, Trinkschalen, Kr\u00fcge udglm.) gilt als erwiesen, l\u00e4sst gleichzeitig aber keineswegs die \u2013 zur Zeit absolut unbelegte &#8211; Schlussfolgerung auf \u00e4sthetische, keramoide Artefakte zu. Vielmehr muss wohl auch hier im Stubaital das Hauptaugenmerk auf die transistalen Bewegungen von Handelsreisenden, als auch von Gruppen und Clans gelegt werden, welche wohl im \u00fcberwiegenden Teil per friedlichem Austausch von G\u00fctern als auch durch nachfolgende Niederlassung zu einer Vermischung und\/oder Auffrischung der \u00f6rtlichen Bev\u00f6lkerungsgruppen, sowohl in \u00f6konomischer als auch sozialer Hinsicht f\u00fchrte.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/keramoider_fund_stubaital-7.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-427\" alt=\"keramoide funde, rekonstruktion, stubaital 1985, arteologie, dr. arkadasch\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/keramoider_fund_stubaital-7-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Bei den zwei keramoiden Fundst\u00fccken mag zwar der endg\u00fcltige Verwendungszweck noch nicht eindeutig zuordenbar sein, so ergeben sich dennoch aus den vorhandenen Kombinationsm\u00f6glichkeiten, welche insbesondere durch die Rekonstruktionen von Mag. Peter Stolz erm\u00f6glicht wurden, interessante und weiterf\u00fchrende Ans\u00e4tze, die f\u00fcr die arteologische Kontextbefundung von wesentlicher Bedeutung sind.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Bereits eine Woche nach Beginn der Sicherungs- und Bergungsarbeiten dieser Oberfl\u00e4chenfunde konnten in weiterer Folge zus\u00e4tzliche Fundstellen lokalisiert und grabungstechnisch betreut werden. Diese Funde runden das arteologische Gesamtbild f\u00fcr die Region Stubaital umfassend wenn auch nicht generell ab, und tragen so wesentlich f\u00fcr ein tieferes Verst\u00e4ndnis insgesamt bei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die relativ hohe Kunst der keramischen Fertigung dieser beiden zusammengeh\u00f6renden(?) keramoiden Fundst\u00fccke und deren eindeutige&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/425"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=425"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/425\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":428,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/425\/revisions\/428"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=425"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=425"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=425"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}