{"id":436,"date":"2013-05-13T17:41:22","date_gmt":"2013-05-13T15:41:22","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=436"},"modified":"2013-05-13T17:41:22","modified_gmt":"2013-05-13T15:41:22","slug":"stubaital-juli-oktober-1985-ausgrabungsprotokoll-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=436","title":{"rendered":"Stubaital, Juli \u2013 Oktober 1985, Ausgrabungsprotokoll 14"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Es kann das n\u00e4chste gr\u00f6ssere Seitental in Richtung Westen \u2013 das \u00d6tztal \u2013 \u00fcbergangsartig zwar nicht in einer direkten Gebirgspassverbindung erreicht werden, jedoch scheint es m\u00f6glich zu sein, dass \u00fcber die mittelgebirgische Verbindung zum Siedlungsraum s\u00fcdwestlich von Innsbruck (Kreith, Mutters, G\u00f6tzens und Birgitz; wie die D\u00f6rfer und Weiler heute heissen), und dann weiter \u00fcber das \u201eSellraintal\u201c eine fussl\u00e4ufige Ausweichroute \u00fcber das im \u00d6tztal gelegene \u201eHochjoch\u201c und\/oder \u201eTimmelsjoch\u201c bestanden haben k\u00f6nnte. Dies belegt auch die zuordenbarkeitliche N\u00e4he der keramoiden Funde zu den keramoiden Funden an der Fundstelle Wipptal \u2013 welche sich sowohl in stilistischer als auch verarbeitungstechnischer Weise innert desselben Herstellungsverfahrens befinden. Diese vermeintliche Abgelegenheit der Fundstelle von der nat\u00fcrlich vorgegebenen Hauptverkehrsader \u00fcber den Brennerpass und das Wipptal wird erst mit der Bezugnahme auf die fussl\u00e4ufige Verbindung zum \u00d6tztal hin verst\u00e4ndlich und bezeugt den regelm\u00e4ssigen Austausch von Handelswaren und \u2013g\u00fctern zwischen dem nord- und s\u00fcdeurop\u00e4ischen Raum, wobei die daraus entstandene sozi\u00e4tive Verflechtung (wobei hier bis zum Auftauchen gegenteiliger Funde durchwegs von einer friedlichen bzw. zumindest gewaltfreien symbiotischen Indoktrination ausgegangen werden kann) in eben diesen offensichtlich \u00fcber weite Gebiete hin verwendeten Materialien und Formgebungen ihren artifiziellen Niederschlag belegt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/karabiner_1.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-437\" alt=\"karabiner, stubaital 1985, arteologie, dr. arkadasch\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/karabiner_1-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Dennoch beweist gerade das n\u00e4chste Fundst\u00fcck an der Fundstelle Stubaital eine durchaus individuelle und vorrangig wohl auch der lokalen Entwicklung der Handwerkskunst entsprechende Eigenst\u00e4ndigkeit, speziell im metallverarbeitenden Sektor. Auch wenn hiezu Parallelen am Fundort \u201eWipptal\u201c (siehe Ausgrabungsprotokoll \u201eWipptal\u201c 15, ff) insbesondere mit den beiden metallenen Miniaturen augenscheinlich sind, so stellt doch die Verarbeitung des Erzes, als auch die Gesamtfunktionalit\u00e4t des Fundst\u00fcckes insgesamt eine technische Innovation dar, die ohne bisher zuordenbare Beeinflussungen oder Vorbilder von aussen, hierorts eigenst\u00e4ndig entwickelt und umgesetzt wurde.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">\u00dcber die Verwendung dieses \u201eUrkarabiners\u201c gibt es wohl keinerlei Zweifel. Dass gerade im alpinen Bereich \u2013 und hier in einer halbnomadenhaften Gesellschaft, welche viel Zeit und wirtschaftliche T\u00e4tigkeiten (meist verbunden mit Viehzucht, Viehtransport und Milchwirtschaft) im gebirgsnahen und hochgebirglichen Umfeld zu bewerkstelligen hat \u2013 auf praktische und leicht verwendbare technische Hilfsmittel gr\u00f6sster Wert gelegt wurde, ersieht man sowohl aus der Handlichkeit als auch konsequenten Formgebung dieses Urkarabiners.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Von der Verwendung her eindeutig zum Aufnehmen und Absichern von Seilen und Tauen gedacht und deren daran befestigten Menschen, Tiere und\/oder Gegenst\u00e4nde, leitet sich schon vom Namen her \u201ecarabin\u201c (kleines Reittier, etym. Vorkeltisch [?]) der vorgesehene Gebrauch dieses aus lediglich zwei St\u00fccken bestehenden Metallwerkzeugs ab. Wie bahnbrechend diese Erfindung in diesem kleinen Seitental des nordtiroler Alpenraums war und ist, zeigt sich noch heute im vielf\u00e4ltigen, verschiedenen und dennoch leicht dem urspr\u00fcnglichen Zeck zuordenbaren Gebrauch dieses Ausdrucks: der Karabiner &#8211; Handfeuerwaffe (mit urspr\u00fcnglich durch einen Hacken am Sattel versichertem Halteriemen), der Karabiner als nach wie vor verwendeter Metallb\u00fcgel f\u00fcr Sicherungsarbeiten mit\/bei Seilen bis hin zum Klettern und \u2013 was hier in diesem transistalen Kontext etymologisch besonders interessant erscheint, die italienischen \u201eCarabinieri\u201c, einer italienischen Einheit der Exekutive, welche sich heute vornehmlich mit der Sicherung des Starssenverkehrs und derartigem mehr befasst.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Dass mit dieser Erfindung \u00fcber viele Jahrhunderte hinweg die wirtschaftliche Sicherheit dieses kleinen Tales gesichert wurde, zeigt ganz besonders die gegenw\u00e4rtige handwerkliche Fertigungssituation im Stubaital. Nach wie vor werden h\u00f6chstqualitative Werkzeuge &#8211; insbesondere f\u00fcr den alpinen Arbeits- aber auch Freizeitbereich \u2013 hergestellt (es befindet sich sogar eine eigen berufsbildende Schule mit Internat f\u00fcr junge Burschen in diesem T\u00e4lchen), wobei jedoch lediglich auf die j\u00fcngere bis j\u00fcngste Geschichte traditionell verwiesen wird, der wahre arteologische Ursprung bis dato aber keinerlei Beachtung erfuhr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es kann das n\u00e4chste gr\u00f6ssere Seitental in Richtung Westen \u2013 das \u00d6tztal \u2013 \u00fcbergangsartig zwar&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/436"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=436"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/436\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":438,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/436\/revisions\/438"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=436"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=436"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=436"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}