{"id":488,"date":"2013-09-06T14:50:43","date_gmt":"2013-09-06T12:50:43","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=488"},"modified":"2013-09-06T14:50:43","modified_gmt":"2013-09-06T12:50:43","slug":"lechtal-juli-september-1992-ausgrabungsprotokoll-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=488","title":{"rendered":"Lechtal, Juli \u2013 September 1992, Ausgrabungsprotokoll 2"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die eher als \u201eabwarten\u201c zu bezeichnende Haltung der \u00f6ffentlichen Stellen Nordtirols konterkarierte im Jahre 1985 das allgemeine und auch wissenschaftliche Interesse, welches den arteologischen Funden im Inntal, Wipptal und Stubaital entgegengebracht wurde. Insbesondere das kleine Museum in Matrei am Brenner erfreute sich grosser Beliebtheit bei Einheimischen, Schulklassen diverser Schultypen als auch bei ausl\u00e4ndischen G\u00e4sten. Im Verein mit den der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglichen Teilen der arteologischen Ausgrabungen unterhalb der Gemeinde Sch\u00f6nberg, entwickelte sich hier eine durchaus nachhaltig nutzbare touristische Einrichtung, durch welche gerade das lokale Umland auf Dauer positiv profitieren k\u00f6nnte. Um so schwerer bleibt es nach zu vollziehen, dass diese wirtschaftliche Chance nicht offensiver genutzt wurde, sondern vielmehr den Bem\u00fchungen von Einzelpersonen \u00fcberantwortet wurde, welche zwar akribisch und mit Fleiss die musealen und fund\u00f6rtlichen Anlagen betreuten, nichts desto trotz aber an der H\u00fcrde der Wissenschaftlichkeit, noch dazu dermassen auf sich allein gestellt, scheitern mussten.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Trotz mehrerer Anl\u00e4ufe \u00fcber direkte Kontakte durch Dr. Arkadasch mit verantwortlichen Politikern in Nordtirol, die Nutzung der internationalen, wissenschaftlichen Vernetzungen und der mehrmaligen Einschaltung des Botschafters der T\u00fcrkischen Republik in Wien, gelang es nicht f\u00fcr weitere Feldforschungen vor Ort die notwendigen Erlaubnisse zu erhalten.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/DSC00563.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-489\" alt=\"lechtal, 1992, dr. arkadsch, arteologie\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/DSC00563-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Es gilt die Vermutung, dass diese Verweigerung mit der politischen Gesamtsituation in \u00d6sterreich und Nordtirol in direktem Zusammenhang stand: eine nationalistische, rechte Kleinpartei gewinnt in diesen Jahren zunehmend an Stimmen und Einfluss, wobei der Startschuss f\u00fcr diesen politischen Aufstieg bei einem Parteitag in Innsbruck fiel. Ab diesem Zeitpunkt kam es zu einem schleichenden, wenn auch deutlich merkbaren sozialen Abschottungsprozess innerhalb der \u00f6sterreichischen Bev\u00f6lkerung, wobei gerade die in den ruralen und\/oder bergigen Randgebieten lebenden Gruppen diese Separierung nicht nur duldend \u00fcbernahmen, sondern aktiv und engagiert unterst\u00fctzten. Einzig in Wien (Bundeshauptstadt) vermochte sich eine relativ starke Gruppierung gegen diese Tendenz zu stellen, wobei aber auch hier zu vermerken bleibt, dass durch die Abnutzung des t\u00e4glichen politischen Gesch\u00e4fts und der medialen Aufmerksamkeit, welche gerade die nationalistische, rechte Kleinpartei nach sich zog, eine generelle Hinwendung zum Law-and-Order Prinzip sowohl in der Gesetzgebung als auch in der Judikatur erfolgte. Am deutlichsten schlug sich diese Haltung in der Asyl-und Arbeitsmarktpolitik \u00d6sterreichs nieder, hinterliess aber auch mit der schwindenden Offenheit gegen\u00fcber Wissenschaft und Kunst ihre nachhaltigen Spuren.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Vor diesem Hintergrund wird klarer, warum gerade die arteologischen Erkenntnisse, welche in weiten Teilen eine grundlegende Neuinterpretation der v\u00f6lkischen Genese der eingeborenen Bev\u00f6lkerung Tirols nach sich zieht, auf schwindendes Interesse, wenn nicht gar auf offen zur Schau gestellt Ablehnung traf. Zudem nutzen in derartigen Situationen die konservativen Kr\u00e4fte in Nordtirol immer wieder die Abspaltung S\u00fcdtirols von Nordtirol, um derart politisches Kleingeld zu produzieren und unreflektierte Ressentiments f\u00fcr alles ausl\u00e4ndische, insbesonders aber gegen alles \u201ewas aus Italien\u201c kommt, zu sch\u00fcren.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Selbst den universit\u00e4ren Instituten in \u00d6sterreich wurde mit der versteckten Androhung finanzieller Nachteile nahegelegt, von einer Vertiefung der arteologischen Zusammenarbeit mit der Freien Universit\u00e4t Izmir abzusehen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Es ist einmal mehr dem pers\u00f6nlichen Engagement von Einzelpersonen zu verdanken, dass dennoch die arteologische Arbeit in Nordtirol, wenn auch in einem bescheidenen Rahmen, fortgef\u00fchrt wurde. Neben den wenigen \u00fcberzeugten Helfern in Nordtirol war es besonders Dr. Arkadasch, der Jahr f\u00fcr Jahr in seiner Freizeit in den Sommermonaten auf eigene Kosten und Veranlassung die verschiedenen Talschaften entlang der historischen Wanderouten beforschte und dergestalt mit Hartn\u00e4ckigkeit und \u00dcberzeugungskunst die hehre Fackel der Wissenschaft hochhielt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die eher als \u201eabwarten\u201c zu bezeichnende Haltung der \u00f6ffentlichen Stellen Nordtirols konterkarierte im Jahre 1985&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/488"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=488"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/488\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":490,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/488\/revisions\/490"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=488"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=488"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=488"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}