{"id":507,"date":"2013-09-16T18:39:57","date_gmt":"2013-09-16T16:39:57","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=507"},"modified":"2013-09-16T18:39:58","modified_gmt":"2013-09-16T16:39:58","slug":"lechtal-juli-september-1992-ausgrabungsprotokoll-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=507","title":{"rendered":"Lechtal, Juli \u2013 September 1992, Ausgrabungsprotokoll 6"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Vom arteologischen Standpunkt aus betrachtet ergibt sich somit die Frage, wie derart voneinander unabh\u00e4ngig sich entwickelnde Soziet\u00e4ten eine derart \u00e4hnliche Formensprache in ihrem allt\u00e4glichen Schaffen, als auch in ihren rituellen und spirituellen Traditionen herausbilden konnten. Wenn es auch vorerst ein theoretischer Ansatz bleibt, welcher nur durch die wenigen, bisher in Nordtirol vorgefundenen arteolgisch auswertbaren Spuren mittels Indizien belegt zu werden vermag, so kann dennoch postuliert werden, dass es keinesfalls auf Grund der r\u00e4umlichen und\/oder bev\u00f6lkerungsstrukturellen Abgeschiedenheit von indigenen Einwohnerschaften zu einer derart allgemein verbreiteten Verwendung von Farben, Formen und Gestaltungsweisen kommen konnte, da s\u00e4mtliche \u00dcberschneidungen und \u00c4hnlichkeiten subsummiert einen kulturzentralistischen Entwicklungsansatz per se ausschliessen. Vielmehr muss davon ausgegangen werden, dass zum einen die grundlegenden Bed\u00fcrfnisse nach Licht und Farbe zur genetischen Grunddisposition des Menschen an sich geh\u00f6ren, w\u00e4hrend jedoch zum anderen deren Ausformung in Verhaltensweisen und Anwendungstechniken weder als irgendeine Form von Vererbung betrachtet werden k\u00f6nnen, da jede Art von Sozialisierung auf Erfahrungen und Erprobungen beruht und keinerlei biologisch bedingten Reminiszierungen unterliegen kann. Daraus folgt, dass diese Art von Farb- und Formgebungen weder auf Einzelpersonen (kunstaffine Gruppenmitglieder, Schamanen, Tempelpriester etc.) r\u00fcckf\u00fchrbar ist, noch auf die in sich begrenzte Anzahl einer eingeborenen Soziet\u00e4t. Es bleibt somit die Frage der Verbreitung dieser Farb- und Formenelemente, und zwar in zeitlicher Hinsicht vor ihrer \u201eEntdeckung\u201c durch Europ\u00e4er, \u00fcber nahezu alle Kontinente bestehen. Ausgehend von verschiedensten Theorien der Besiedelung Asiens und Amerikas wird weiterf\u00fchrend angemerkt, dass es generell zum Bestand der menschlichen Spezies geh\u00f6rt, in wesentlichen Teilen beim Zusammentreffen mit anderen menschlichen Populationen von einer Arteologischen Assimilanz zu sprechen, welche sodann in und aus sich schl\u00fcssig heraus diesen Wissenstransfer in \u00e4sthetischer und spiritueller Hinsicht belegt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Im Kleinen wird dieser Ansatz bei den bisherigen arteologischen Grabungen im Inntal, dem Wipp- und dem Stubaital bewiesen, da mittels der dortigen Funde eindeutig die \u00dcbernahme als auch der gegenseitige Austausch von Wissen, Fertigungstechniken aber auch von Waren und G\u00fctern bewiesen wurde, welche in weiterer Folge auch ihren deutlichen Niederschlag im Bereich des Kultus und der gruppenspezifischen Traditionen fanden. Dass sich derartige soziokulturelle Parameter selbst heute noch im Verhalten offenbaren, zeigt einmal mehr das bereits im Ausgrabungsprotokoll 4, Lechtal, beschriebene Balzverhalten der indigenen Bev\u00f6lkerung des Kaunertals.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/dr.arkadaschlechtal1.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-508\" alt=\"dr.arkadasch,lechtal, arteologie, 1991\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/dr.arkadaschlechtal1-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Gleichwohl die ersten beiden Wanderungen in den Sommermonaten der Jahre 1987 und 1988 im Kaunertal erfolgten und das benachbarte Pitztal im Sommer 1989 erkundet wurde, gestalteten sich vor allem die arteologischen Befundungen der Jahre 1990 und 1991 im Lechtal als die prim\u00e4r vorrangigen. Dies zum einen durch die in der politischen Willensgebung Tirols andiskutierten r\u00e4umlichen Eingriffe in der bislang unber\u00fchrten Flussauenlandschaft des Flusses Lech und zum anderen durch die dadurch bedingten unwiderruflichen letztmaligen Chancen in dieser Talschaft auf die urspr\u00fcnglichen arteologischen Artefakte, ohne inversive humane Landschaftsver\u00e4nderungen ausgrabungstechnisch zur\u00fcck greifen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Das <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Arteologische Institut der Freien Universit\u00e4t Izmir<\/i> beauftragte daher Dr. Arkadasch nach diesen Erkundungen zur Planung und Umsetzung einer neuerlichen arteologischen Expedition nach Nordtirol, um dort seine bereits begonnene arteologisch-wissenschaftliche Arbeit fort zu setzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom arteologischen Standpunkt aus betrachtet ergibt sich somit die Frage, wie derart voneinander unabh\u00e4ngig sich&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/507"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=507"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/507\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":509,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/507\/revisions\/509"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=507"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=507"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=507"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}