{"id":516,"date":"2013-09-25T14:49:37","date_gmt":"2013-09-25T12:49:37","guid":{"rendered":"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=516"},"modified":"2013-09-25T14:49:37","modified_gmt":"2013-09-25T12:49:37","slug":"lechtal-juli-september-1992-ausgrabungsprotokoll-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/?p=516","title":{"rendered":"Lechtal, Juli \u2013 September 1992, Ausgrabungsprotokoll 8"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Der \u00fcberwiegende Teil der Expeditionsmitglieder beherrschte die deutsche Sprache in Wort und Schrift zumindest auf dem Bildungsniveau der sekund\u00e4ren Schulstufe. Doch wie bereits bei den ersten drei Expeditionen nach Nordtirol\/\u00d6sterreich, konnte auch bei dieser Expedition wiederum ein eklatanter Unterschied in der Alltagssprache, im Gegensatz zur deutschen Schriftsprache, bzw. dem Hochdeutsch festgestellt werden. Es erscheint dies als eine typische Wirkform der geografischen Abgeschiedenheit in Gebirgst\u00e4lern, dass sich die dort sesshaften Bev\u00f6lkerungs\u00adgruppen sprachlich kaum selbst\u00e4ndig weiterentwickeln, sondern lediglich am lingualen Status Quo verharren und dabei in einer fast reaktion\u00e4r anmutenden Art und Weise ihr indigenes Sprachfeld als soziotypisches Merkmal, aber auch als Abgrenzungsmechanismus nach aussen \u2013 und hier wieder speziell zu den unmittelbaren Nachbarn \u2013 hegen und pr\u00e4sentieren. Schon die Expeditionen im Inntal, im Wipp- und im Stubaital haben deutlich diese sprachlichen Barrieren innert Nordtirol aufgezeigt. Laut <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Prof. Dr. Karl Buchberger vom Etymologischen Institut der Universit\u00e4t Prag<\/i> ist diese Form der lingualen Abgrenzung ein erster Schritt um die innere Stabilit\u00e4t der Gemeinschaft zu festigen \u2013 sie dient zum einen als phonales Erkennungsmerkmal und zum anderen als codeimmanentes Kommunikationsmittel, welches sowohl sprachliche als auch nonverbale Inhalte derart zu transportieren vermag, dass lediglich Mitglieder der Gruppe die Sinnhaftigkeit und den tats\u00e4chlichen selektiven Inhalt zu verstehen wissen. Daraus folgt, dass gerade im Raum Nordtirol, der bedingt durch seine geografischen Besonderheiten seit Jahrtausenden eine nat\u00fcrliche Schranke zwischen dem S\u00fcden Europas und dem Norden bildet, in einem steten Austausch und Aufeinanderprallen, unterschiedlichste kulturelle und soziologische Lebensgewohnheiten miteinander aktiv als auch passiv konfrontiert wurden und derart eine calmierte und weitestgehend bruchlose Entwicklung im Allgemeinen nicht erfolgen konnte. Gleichwohl spricht es f\u00fcr die angesiedelten halbnomadischen und nichtnomadischen Gruppen und St\u00e4mme, dass trotz der Unzahl an regionalen Sprachszenarien eine, wenn auch einfache und in der Anwendung stark guttural geformte Silbenf\u00fchrung, zu einer vereinheitlichen Verst\u00e4ndigungsbasis f\u00fchrte, welche sowohl den Warenaustausch, als auch basale Kommunikation auf den unteren, den Alltag betreffenden Bereichen erm\u00f6glichte. In diesem Zusammenhang jedoch bereits von einer sprachlichen Metaebene zu sprechen, erscheint auf Grund der Eingeschr\u00e4nktheit der in Nordtirol in allen Talschaften gleichklingenden und in ihrer Sinnhaftigkeit meinungs- und sachidenten Vokabeln nicht zutreffend. Dies trifft speziell im Fall des Lechtals zu, welches geografisch vom Inntal aus nur sehr schwer erreichbar war\/ist und daher zus\u00e4tzlichen anderen Einfl\u00fcssen in seiner Entwicklung unterlag, als die anderen T\u00e4ler Nordtirols. <a href=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/lechtal-fernpassstrasse.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-517\" alt=\"lechtal, fernpassstrasse, 1992, dr. arkadasch, arteologie\" src=\"http:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/wp-content\/uploads\/lechtal-fernpassstrasse.jpg\" width=\"115\" height=\"96\" \/><\/a>Diese Unterschiede sind selbst heute noch sofort und augenscheinlich erkennbar \u2013 trotz der jahrhundertelangen gemeinsamen Geschichte und soziokulturellen Genese. So ben\u00f6tigte das Team um Dr. Arkadasch bereits bei seiner Erkundungsexpedition eine eigene einheimische Dolmetscherin um nicht \u00fcber den Umweg einer vorherigen Verschriftlichung der sprachbezogenen Kommunikation mittels \u00dcbersetzung ins Schriftdeutsche zu notwendigen Informationen zu gelangen. Mit der Expedition von 1992 \u00fcbernahm dankenswerter Weise Herr Herwig Angerer zus\u00e4tzlich zu seinen pictoralen Aufgabenstellungen diese Agende. Somit konnten ohne eine zus\u00e4tzliche Schnittstelle die allt\u00e4glichen Kontakte zur eingeborenen Bev\u00f6lkerung abgewickelt werden. Wobei festzustellen bleibt, dass selbst Repr\u00e4sentanten der \u00d6ffentlichkeit und administrative F\u00fchrungskr\u00e4fte im Gebiet des Lechtals trotz grossem Bem\u00fchen kaum in der Lage sind sich in einem allgemein verst\u00e4ndlichen Schriftdeutsch nachhaltig verst\u00e4ndlich zu machen. Die Expedition 1992 war somit von Anfang an verst\u00e4rkt auf logistische Unterst\u00fctzung des <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Arteologischen Instituts der Freien Universit\u00e4t Izmir<\/i> angewiesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der \u00fcberwiegende Teil der Expeditionsmitglieder beherrschte die deutsche Sprache in Wort und Schrift zumindest auf&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/516"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=516"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/516\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":518,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/516\/revisions\/518"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=516"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=516"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arteologie.xn--gni-noggler-thb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=516"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}